Karl-Heinz Grasser bei "Im Zentrum"

6. Februar 2011, 18:05
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Eine kleine Stilkritik oder warum die obersten zwei Knöpfe offenblieben

Über den Auftritt von Karl-Heinz Grasser bei der Sendung Im Zentrum am Sonntagabend ist in den vergangenen Tagen einiges geschrieben worden. Leider wurde dabei dem Stil des ehemaligen Finanzministers nicht jener Platz eingeräumt, der ihm gebührt. Mindestens genauso lang wie mit seinen PR-Beratern dürfte Grasser im Vorfeld nämlich mit seinen Stilberatern konferiert haben. Die Frage, wie viele Knöpfe des blütenweißen Hemdes offenbleiben, dürfte dabei im Vordergrund gestanden haben. Man entschied sich für zwei. Sie suggerierten die Offenherzigkeit eines Mannes, der weder Bankkonten noch fehlende Brustbehaarung zu verbergen hat. Ein dritter offener Knopf wäre dagegen zu viel gewesen, da dadurch die Brustmuskulatur unter dem körpernah geschnittenen Designeranzug zum Vorschein gebracht worden wäre. Grassers nackiger Oberkörper hatte bereits anlässlich der Modestrecke für die italienische Vogue für Neid gesorgt. Diesen Reflex der Neidgesellschaft galt es zu verhindern. Gegen die Ein-Knopf-offen-Variante dürfte dagegen Grassers immer länger werdendes Haar gesprochen haben. Wie auch Grasser-Freund Hansi Hinterseer gerne vorführt, wird die Haartracht der beiden mit etwas weiter geöffnetem Hemd besonders gut herausgestrichen. Sie wird, wie an dieser Stelle bereits angemerkt, als Kitzbüheler Nockerln bezeichnet. Ihre Drei-Wetter-Taft-Fülle, so die wahrscheinliche Überlegung der Stilberater, sollte auch gegenüber den Mitdiskutanten unterstrichen werden, deren Haar schon reichlich ausgedünnt ist. Wir merken: Etwas anderes als die Zwei-Knopf-Variante kam an diesem Abend nicht infrage. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/04/02/2011)

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