Daunen mit Dünkel

6. Februar 2011, 18:20
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Innerhalb weniger Jahre machte er aus den Daunenjacken von Moncler begehrte Statussymbole - Moncler-Chef Remo Ruffini erklärt Cordula Reyer, wie er das anstellte

Es ist einer dieser typischen sonnigen und heißen Tage in Los Angeles. In der edlen Boutique Fred Segal läuft die Klimaanlage auf Hochtouren. In einem Teil des Geschäfts drängen sich einige Angelenos in kurzen Hosen und Flip-Flops und probieren die neuesten Daunenjacken von Moncler. Selbst hier, in der kalifornischen Hitze, gehören Moncler-Jacken längst zur Grundausstattung modebewusster Städter.

Dass dem so ist, ist vor allem Remo Ruffini zu verdanken. 2003 kaufte der 46-jährige Italiener den vor bald sechzig Jahren im französischen Grenoble gegründeten Hersteller von Daunenanoraks. Innerhalb weniger Jahre machte Ruffini aus der Marke ein begehrtes Statussymbol. Doch den Hype um die Marke hat er nicht erfunden. Schon in den Achtzigerjahren entdeckten jugendliche Mailänder die Jacken und trugen sie zu Pullovern von Benetton, Socken von Burlington und Brillen von Vuarnet. Die Jugendlichen nannte man Paninari - und sie waren die Vorgänger unserer Popper.

DER STANDARD: Waren Sie selbst ein Paninaro, Herr Ruffini?

Remo Ruffini: Absolut. Meine erste Moncler-Jacke hatte ich mit vierzehn. Damals trugen wir alle Moncler, und wir hatten auch alle eine Vespa.

DER STANDARD: Welches Modell trugen Sie? Und waren die Jacken damals auch schon so teuer?

Ruffini: Sie waren unheimlich teuer. Aber Modell gab es nur dieses eine glänzende in verschiedenen leuchtenden Farben. Meines war in einem blitzenden Hellblau. Man musste zwar eine Mon-cler-Jacke haben, aber eigentlich waren die viel zu schwer, zu heiß, zu voluminös und nicht einmal wasserdicht.

DER STANDARD: Warum war es dann trotzdem und ausgerechnet für italienische Paninari Pflicht, eine französische Moncler zu besitzen?

Ruffini: Keine Ahnung. Marken waren damals eben sehr wichtig. Und zumindest beim Vespafahren hielt sie einen warm - wenn es nicht gerade regnete.

DER STANDARD: Heute wirbt Moncler noch immer mit französischen Symbolen wie den Farben der Trikolore oder dem gallischen Hahn. Reichlich ungewöhnlich für eine italienische Marke, finden Sie nicht?

Ruffini: Moncler entstand vor mehr als sechzig Jahren in Frankreich. Dort liegen unsere Wurzeln. Wir möchten, dass das so bleibt.

DER STANDARD: Aber Produktion und Firmensitz sind längst im Ausland.

Ruffini: Als ich 2003 die Firma erstand, wollten wir den kleinen Firmensitz in Grenoble aufrechterhalten. Doch bald mussten wir feststellen, dass er einfach zu klein war und wir in dieser Gegend nicht genügend gute Mitarbeiter finden konnten, um zu wachsen. Also verlegten wir alles nach Italien, wo es uns leichter fiel, das Unternehmen zu führen.

DER STANDARD: Und in Italien ist die Marke wirklich groß geworden.

Ruffini: Ja. Früher machten wir bis zu neunzig Prozent unseres Umsatzes in Italien. Heute sind es hier nur noch knapp vierzig Prozent. Wir verkaufen viel in den Vereinigten Staaten, in Deutschland und auch in Japan und China. So gesehen hat sich die Marke sehr internationalisiert.

DER STANDARD: 2003 machten Sie noch einen Umsatz von 45 Millionen Euro - heute sind es 400 Millionen. Was ist Ihre Strategie?

Ruffini: Wie ich schon sagte: Wir wollen zurück zum Original. Als ich die Marke erwarb, dachte ich mir: Wir sollten eigentlich ausschließlich Daunenjacken anbieten. Ich ging ins Archiv und designte Originaljacken der 1950er- und 1960er-Jahre nach. Durch dieses Traditionsbewusstsein gelang es uns, den Markt davon zu überzeugen, dass Moncler die Mutter aller Daunenjacken ist.

DER STANDARD: Wie kann ich einen falschen von einem echten Moncler-Anorak unterscheiden?

Ruffini: Das ist tatsächlich ein Problem, und zwar ein sehr großes. Die Marke hat einen sehr starken Erkennungsgrad, und wenn man durch eine europäische Stadt spaziert, sieht man sie so gut wie ständig. Doch die meisten davon sind Fälschungen. Man kann natürlich erfühlen, dass die Qualität nicht dieselbe ist; dennoch verliert der Konsument die Orientierung.

DER STANDARD: Weil Sie vom "Erfühlen" sprechen: Wie wichtig ist die Qualität der Daunen?

Ruffini: Extrem wichtig. Daunen werden in Kategorien von bis zu fünf Sternen klassifiziert. Dabei geht es um Größe, Weichheit und Volumen. Diese drei Kriterien bestimmen die Anzahl der Sterne. Wir verwenden ausschließlich Fünf- Sterne-Daunen. Damit erhält man die wärmsten, leichtesten und weichsten Jacken.

DER STANDARD: Und die Qualität der Daunen erklärt dann auch den hohen Preis?

Ruffini: Nicht nur. Es ist ein Mix aus allem: die Qualität der Federn, aber auch des Stoffs, des Zubehörs, der Verarbeitung.

DER STANDARD: Woher kommen die Daunen?

Ruffini: Hauptsächlich aus der Region Périgord in Südwestfrankreich, die berühmt ist für ihre Daunen. Früher kam alles von da. Doch durch die Steigerung der Produktion in den letzten Jahren mussten wir uns auch anderswo umsehen. In Norditalien, nahe der Stadt Varese, werden sehr gute Daunen erzeugt, und mit die besten kommen aus Polen. Die Daunen aus Russland und China kommen für uns im Moment nicht infrage.

DER STANDARD: Wie sehr haben sich die Jacken verändert, seit Sie die Marke übernommen haben?

Ruffini: Damals machte man noch Anoraks mit der Technologie der 1950er Jahre. Und man machte sie für Expeditionen in die Antarktis oder in den Himalaja. Darum waren sie nicht wasserdicht. Denn wenn man sich auf dem Berg und auf tausenden Höhenmetern befindet, gibt es da kein Wasser, und man braucht keinen Regenschutz. Man braucht lediglich eine wärmende Jacke.

DER STANDARD: Ein weiteres Markenzeichen von Moncler ist die Zusammenarbeit mit großen Designern. Wie kam es dazu?

Ruffini: Nachdem wir die alten Designs ausgegraben hatten, begannen mein Team und ich selbst Jacken zu entwerfen. Eines Tages wollte ich etwas ein wenig Trendigeres und bat den Designer Junya Watanabe, uns dabei zu helfen. Danach sprach ich mit Balenciaga, und so ging das weiter. Eines der neuesten Designs stammt von dem HipHop-Sänger Pharrell Williams.

DER STANDARD: Was hat Sie 2003 eigentlich überzeugt, die Marke zu übernehmen? War das reine Sentimentalität und die Erinnerung an Ihre Zeit als Paninaro?

Ruffini: Es war reine Sentimentalität! (lacht) Nein, im Ernst: Ich persönlich liebe Daunenjacken. Ich finde sie sehr bequem, und gleichzeitig vermitteln sie Geborgenheit und Sicherheit. Als ich hörte, dass die Marke zum Verkauf stand, war ich sofort interessiert, weil ich ihr Potenzial erahnte. Ich wusste, es würde relativ leicht sein, die Leute auf der ganzen Welt davon zu überzeugen, dass es sich bei Moncler um die Daunenjacke schlechthin handelt. (Cordula Reyer/Der Standard/rondo/04/02/2011)

 

Moncler-Shops gibt es in Österreich bereits in Salzburg und Kitzbühel, im Sommer wird einer am Wiener Kohlmarkt dazukommen.

  • Auch wenn die wattierte Daunenjacke das Herzstück von Moncler ist, die Kollektionen der italienischen Firma sind schon länger umfangreicher, als man vermuten könnte. Aus der Kollektion von "Gamme Rouge".
    foto: hersteller

    Auch wenn die wattierte Daunenjacke das Herzstück von Moncler ist, die Kollektionen der italienischen Firma sind schon länger umfangreicher, als man vermuten könnte.
    Aus der Kollektion von "Gamme Rouge".

  • Ein Stück aus der Unterlinie "Grenoble".
    foto: hersteller

    Ein Stück aus der Unterlinie "Grenoble".

  •  Remo Ruffini
    foto: hersteller

    Remo Ruffini

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