Haarweg zur Hölle

3. Februar 2011, 16:55
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In Wirklichkeit interessieren sich vor allem Männer im leicht abgelebten Zustand für Haare - und zwar für ihre eigenen

Das Fernsehen lügt. Alle diese Werbespots, in denen junge Frauen ihr fluffiges Haupthaar schütteln oder die Frisur selbst nach einem Angriff von zehn Kindern hält, die gerade mit den Fingern Fischstäbchen an Schokokuchen gegessen haben: Stimmt ja gar nicht! Was die Zielgruppe angeht, wird geschummelt, dass es eine Art hat. In Wirklichkeit interessieren sich vor allem Männer im leicht abgelebten Zustand für Haare. Und zwar nicht für jene von 20-jährigen Models, die ihre väterlichen Freunde draußen vor dem Bildschirm damit von Busen, Beinen, Po ablenken wollen. Männer interessieren sich für ihre eigenen Haare.

Das Alter in einer Welt, die nur noch die Jugend zulässt, bringt es mit sich, dass sich selbst Leute wie Nick Cave heute nicht nur die Haare, sondern auch die Augenbrauen schwarz färben. Das ergibt einen nicht unbedingt reizvollen Kontrast zur Rentnerjugendmusik, die der Mann produziert. Es wird bei seiner mindestens hohen Stirn auch eines deutlich: Viele Silberrücken sind nach Versuchen, die Frisur mit Superkleber über diverse Problemzonen zu legen, nur noch mit Kopfbedeckungen zu sehen.

Man denke etwa an Udo Lindenberg oder den Hannoveraner Rockgott Klaus Meine. Eine selbstbewusste Glatze stellt längst keine Option mehr dar. Man ist schließlich kein Kevin aus der Billa-Filiale in Floridsdorf und schon gar kein Pemperl-DJ aus der Großraumdisco. Es gibt übrigens berühmte DJs, die trugen vor 20 Jahren Glatze - und jetzt ihr Haupthaar lang. Solange die Frisur ausreichend vorhanden ist und hält, darf man nicht von Torschlusspanik sprechen. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 04.02.2011)

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    Das Alter in einer Welt, die nur noch die Jugend zulässt, bringt es mit sich, dass sich selbst Leute wie Nick Cave heute nicht nur die Haare, sondern auch die Augenbrauen schwarz färben.

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