Lauf Teller, lauf!

28. Jänner 2011, 16:57
  • Hinterm Parlament bietet Zweihaubenkoch  Alexander Verzi "Running 
Tapas" an.
    foto: gerhard wasserbauer

    Hinterm Parlament bietet Zweihaubenkoch Alexander Verzi "Running Tapas" an.

  • Wie's schmeckt? Eher mau als wow.
    foto: gerhard wasserbauer

    Wie's schmeckt? Eher mau als wow.

Wer erinnert sich an "Running Sushi"? Ein Zweihaubenkoch aus Wien, der jetzt Tapas auf ein laufendes Band stellt

Der kurze, aber umso heftigere Erfolg, den Sushi vom Fließband in den 1990ern hatte, gehört den Integrationsstrategen unserer wunderbar selbstbewussten, prachtvoll harmonisch durchmischten Nation ins Stammbuch geschrieben. Weil: Furchterregendere Gastronomie lässt sich eigentlich kaum ausmalen.

Roher, ausländischer Fisch von fragwürdiger Frische auf kalt durchsäuerten Reispatzeln, die unendlich langsam und ohne Kühlung an der Kundschaft vorbeigezuckelt werden, bis sich irgendwann irgendwer erbarmt: Das ist der Stoff, aus dem Albträume sind. Erfreute sich jedoch (oder gar deshalb?) riesiger Beliebtheit im Land. Wenn es eines Beweises für unsere tiefsitzende Weltoffenheit und das angeborene Urvertrauen allem Fremdländischen gegenüber bedurft hätte - das ist er.

Deppenapostroph inklusive

Nun war der Erfolg dieser höchst fremdartigen und wohl auch abstrusen Art von Restaurant vergleichsweise kurzlebig. Alexander Verzi, mit zwei Hauben dekorierter Küchenchef des Selina, ließ sich dennoch davon inspirieren. In seinem Alexander's (sic!), gleich hinter dem Parlament, gibt es von Frühstück bis Dinner alles vom Band - Deppenapostroph inklusive. Mittags darf der Gast sich schon um 9,80 Euro ab- bzw. aufladen, so viel er mag, am Abend und am Wochenende läuft das Band (siehe unten) nicht ganz so günstig. Das Angebot ist vielfältig, ein leistungsstarker Kühlschrank und eine ebensolche Mikrowelle sind die schmeckbaren Grundvoraussetzungen dafür.

Es gibt ein buntes Potpourri mediterraner Snacks, vom Crostino mit gegrilltem Gemüse (gut) über Kichererbsensalat mit Sardinen-Marinade (?) und gebratene Chorizoscheiben mit Couscous (fett) bis zu labbrig-kaltem Falafel mit Knoblauchjoghurt. Spaghetti mit Tomatensauce sind bis zur Skihüttentauglichkeit zerkocht, dafür schmecken die in Erdäpfelteig frittierten Garnelen mehr als okay - so sie gerade tropffrisch aus dem Fritter kommen. Auch der Kaiserschmarren mit Quittenkompott deutet darauf hin, dass hier ein Könner hinterm Herd steht. Also, im Prinzip halt. (Severin Corti/Der Standard/rondo/28/01/2010)

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Alexander's
Stadiongasse 5
1010 Wien
Tel.: 0676/551 9719
Mo-Fr 7.30-22.30, Sa 18-22.30, So 10-22.30 Uhr
Running Lunch EURO 9,80, Running Dinner EURO 18,50 Running Weekend EURO 19,80

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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Nicht grauslicher als Hotelbuffets

Die Running Sushi sind nicht mein Geschmack - Kinder finden die Idee aber recht lustig udn finden auch meist etwas, das ihnen schmeckt - aber eigentlich sind die Laufbuffets auch nicht grauslicher als ein durchschnittliches Frühstücksbüffet in einem Hotel....Auch im Hilton nießen Gäste auf den Lachs...

slowfood-bobo

der corti offensichtlich ist.

und dass running sushi auch gut sein kann soll er bitte nie erleben.

Obwohl ich den Lugner nicht mag

Fahr ich voll auf das Running Sushi in der Lugner iCity ab....

Tatsächlich?

Ich war dort das letzte Mal vor gut drei Jahren und habe es wirklich grauslich gefunden. Man sollte ja wirklich nicht zu hohe Ansprüche stellen bei günstigem Running Sushi und man muss nicht alles schlechtreden. Aber was dort geboten wurde war ziemlich unter jeder Kritik - selbst die Schnitzel und Pommes (!), die am Laufband häufiger zu finden waren, als der Fisch.

seit einiger zeit hatschen die aber ziemlich hintennach, die letzten beiden (abend)male wars echt schlecht!!! irgendwas hats da.

Anmerkung

Wahrscheinlich bin ich halt nicht so vornehm und exklusives gewohnt, wie der Autor des Artikel, aber ich war dort, tagsüber zu Mittag.
Das Essen war ausgezeichnet, sehr abweichlungsreich und die Bedienung wirklich ausgesucht freundlich und herzlich.
Da man die Speisen sieht und auch erklärt und kommentiert werden, muss man ja nichts nehmen, was einem nicht schmeckt?!
... und wenn schon so oberg'scheit: Im Namen ist ein "Punkt" zw. alex und anders. also richtig zitieren und nicht nur meckern. Sonst gibts wieder nur Schnitzel und gebackenen Fisch in der Gegend!

Naja, es handelt sich hierbei nicht um einen "Deppenapostroph", sondern um einen sächsischen Genitiv, der gerade bei Lokalen durchaus seine Berechtigung hat. Deppert wäre, würden dortselbst "Sushi's" angeboten werden. Aber lassen wir die Wahrheit einem lahmen Kalauer nicht im Weg stehen, oder?

Sächsisch? LOL.
Es hatten schlicht und ergreifend so viele Würstelbuden falsche Namen (bzw. deutsche Namen mit englischer Genitivschreibweise [Toni's Hotdog's]), dass bei der letzten Rechtschreibreform beschlossen wurde, diese nachträglich zu legalisieren. Weil sich's bei der Sorte Leute, die nichts liest als Würstelbudennamen, Bierflaschenetiketten und Krone/Bild, leider so durchgesetzt hatte.

der geheimtipp: running mushi.
irgendwo am gürtel muss das sein.

laufhaus - im deutschen sprachgebrauch ;-))

Corti in Höchstform, scheint's.

Wenn er jetzt noch lernt, wann ein Apostroph deppert ist und wann nicht...

Er hat doch eh Recht, der Corti.

Und: Lokale mit solchen Namen werden von mir gemieden wie von anderen das Weihwasser.

Nein, hat er eben nicht. In dem Fall ist der Apostroph auch als Nicht-Anglizismus absolut zulässig.

Das mag seit der verunglückten letzten Rechtschreibreform *auch* 'zulässig' sein, ein Zeichen für Minderbildung ist es dennoch.

Zu Deinem Ehrentag..

..alles erdenklich Gute..

running sushi ist eine alte Erfindung

Schon die chinesischen Kaiser nutzten diese Idee. Im Yuan Ming Yuan (strahlender runder Garten) ließ sich der Kaiser Quia Qing von kleinen Bächlein die gerade so schmal waren daß handgroße Dschunken draufpassten Gang für Gang servieren.
Das war Anfang des 18. Jahrhunderts.

"Running Drinks" waren eine Erfindung der alten Koreaner.

http://en.wikipedia.org/wiki/Poseokjeong

und sogar china habens erfunden, diese chinesen.

Glaub ich gern

Waren ja echte sushispezialisten, diese Kaiser von China

sind sie sich sicher, dass es anfang des 18. jh. einen chines. kaiser dieses namens gab?

Aber die Gschicht ist doch nett, oder?

das schon, ja. ich glaube nicht, dass sich der kaiser persönlich zum rinnsal runter gebeugt hat.

Gehts es ei den ganzen Kommentaren irgendann auch um´s (Deppenapostroph) Wesentliche?
Nämich um das Lokal, Ambiente, Essen ....

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