Politikerinnen in Ballkleidern

23. Jänner 2011, 16:44
78 Postings

Warum dabei modische Fauxpas mehr interessieren als stilistische Perfektion

Es gibt Definitionen, die erzeugen mehr Probleme, als sie lösen. Jene des Ballkleids im Onlinelexikon Wikipedia ist eine solche: "Ein Ballkleid ist ein zum festlichen Anlass eines Balles getragenes Gewand", steht dort, und weiter: Es ist "das Glanzstück in der Garderobe eines jungen Mädchens oder einer Frau."

Wer bei großen Bällen die hämische Berichterstattung über monströse Fledermausärmel, überdimensionierte Rüschenbalkone oder Farbverfehlungen mit Grünstichfolgen verfolgt, ahnt die Kluft, die in puncto Ballkleid zwischen Anspruch und Wirklichkeit herrscht. Sie ist in etwa mit jener zwischen einem retuschierten und einem unretuschierten Bild von Madonna zu vergleichen.

Wie bei Auftritten der in die Jahre gekommenen Popkönigin interessieren bei Bällen eher die modischen Fauxpas als die stilistische Perfektion - vor allem bei Menschen des öffentlichen Lebens. Österreich hat diesbezüglich einiges zu bieten, auch wenn der große Verlust, der durch den Abgang von Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky entstanden ist, noch immer nicht wettgemacht werden konnte. Sie hat es in ihrer kurzen politischen Laufbahn geschafft, ihrer überquellenden Lebensfreude auch modisch Ausdruck zu verleihen.

In der derzeitigen bundespolitischen Konstellation herrscht ballkleidtechnisch dagegen leider eher Mittelmaß. Die einzige Dame, der wir diesbezüglich einiges zugetraut hätten, Christine Marek, ist leider nach Wien entschwunden. Allerdings: Die Ballsaison hat erst begonnen. Wir lassen uns gerne noch überraschen. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/21/01/2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Andrea Kdolsky hat es in ihrer kurzen politischen Laufbahn geschafft, ihrer überquellenden Lebensfreude auch modisch Ausdruck zu verleihen.

Share if you care.