Angeschnauzt

18. Jänner 2011, 16:40
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    foto: volkswagen

    Das Kernstück des Ausdrucks eines Wagens ist der Kühler. Das hat VW beim Passat ignoriert.

Kein Element des Autos sagt so viel über sein Wesen wie die Front, sozusagen das Gesicht eines Wagens, sagt Rudolf Skarics.

Nach dem Motto "Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich" wollen wir es uns verkneifen, Parallelen zwischen automobilen Kühlerhauben und menschlichen Nasen, vorzugsweise Männernasen, zu ziehen. Jedoch kommen wir nicht umhin, die Front von Automobilen als Gesicht anzusehen. Denn immer, wenn ein Autohersteller die Thematik allzu kühl oder technokratisch anging, sich also einen Tinnef darum scherte, was wir denken, wenn wir das Auto im Rückspiegel sehen, ging die Sache grandios schief. Die Front des Automobils prägt ganz entscheidend dessen Charakter. Natürlich spielt die Gestaltung der Scheinwerfer zunehmend auch eine Rolle, vor allem, seit es möglich ist, dank LED-Technik auch noch so etwas wie Augenbrauen oder Lidschatten darzustellen. Trotzdem: Das Kernstück des Ausdrucks ist die Kühlermaske.

Ein warnendes Beispiel für die Missachtung dieser Theorie war einmal ein VW Passat. Die wackeren Ingenieure aus Wolfsburg hatten sich offenbar gegen alle Geschmacksfragen durchgesetzt und mit einem Passat ohne Kühlergrill einen veritablen Imageschaden eingefahren. Rein technisch reichte der Kühllufteinlass unter dem Stoßfänger vollkommen aus. Doch dem Käufergeschmack kam dieser nüchterne Zugang gar nicht entgegen. Flugs bekam dieses Modell auch gleich beim ersten Facelift wieder einen herkömmlichen Kühlergrill verpasst.

Nur vereinzelt gab es in der Geschichte des Automobils erfolgreiche Modelle, die gänzlich ohne prägnantes Maul oder knollige Nase oder wie man das sonst bezeichnen möge, auch tatsächlich Geschichte schrieben. Als herausragendes Beispiel kann man hier wohl den Porsche 911 sehen, dessen motorische Potenz und Kompetenz, dessen dynamische Aura allein ausreichte, um mit einer glatten Front unmissverständlich zu demonstrieren: Hier komme ich.

Wie beim Haifisch

Dies hat ganz eigene Ursachen, die wir noch kurz streifen wollen. Superschnelle Sportwagen besaßen meist Heck- oder Mittelmotor, konnten also nach vorn besonders flach auslaufen und damit besondere Windschlüpfigkeit demonstrieren, so wie sich beim Haifisch die ganze Gefährlichkeit hinter schmalen Lippen verbirgt. Sie durften es sich erlauben, ihre Potenz allein mit ihrem drallen Hintern zu demonstrieren.

Ansonsten gilt: Ein kräftiger Motor will auch seine Außenwirkung haben. Während über Vernunft und Sparsamkeit geredet wird, gilt es noch immer, Kraft und Herrlichkeit über einen mächtigen Vorbau zu vermitteln. Je enger das Korsett der Vernunft wird, umso mehr zählt offenbar der Schein gegenüber dem Sein.

Und wieder Porsche, aber andersrum als beim 911er: Mit dem Cayenne wurde ein Geländewagen geschaffen, der sich zum Schreckgespenst vieler Tagespendler auf den Tangenten und Transversalen unserer Autobahnnetze entwickelte. Wie mit dem offenen Maul eines Raubtiers schiebt er ganz links auf den Überholspuren alles Blechgetier vor sich her, das überwiegend kreuzbrav über die Autobahnen schlurft. Der Erfolg gibt ihm recht. Man motzt zwar ein bissl, wenn ein derartiger Kraftlackl im Rückspiegel auftaucht, doch am liebsten hätte man selber so einen Speed-Schneepflug. In der jüngsten Design-Variante hat man die Aggressivität des Auftritts etwas zurückgenommen, aber das Hierkommich ist noch immer die zentrale Botschaft.

So etwas wie mit dem Passat anno 1988 sollte gewiss nicht mehr wieder passieren, muss man wohl bei Audi gedacht haben, als man den Single-Frame-Kühlergrill etablierte. Eine mächtige Einheit zum Behufe des Lufteinlasses und zur Demonstration von Kraft und Dynamik erstreckt sich über die Höhe der ganzen Wagenfront, nur durch eine schmale Lippe zwecks Montage des Kennzeichens beiläufig getrennt. Das fand recht rasch Nachahmer, etwa bei Peugeot, wo man das Thema wohl ein wenig übertrieb, dass der wenig schmeichelvolle Kosename Breitmaulfrosch die Runde machte.

Ein schönes Beispiel stellen auch die kompakten Transporter dar. Während sie einst bescheiden auf der rechten Spur dahin krochen, machen Botendienste im Zeichen der wirtschaftlichen Dynamik freier Märkte ebenfalls mitunter gefährlichen Druck auf den Überholspuren. Ihr augenscheinliches Mittel zum Zweck, ihr kleiner Ersatz für das Blaulicht, das sie gern trügen: eine mächtige Kühlerhaube, mit sie ihrem drängelnden Wesen vehement Ausdruck verleihen.

Mächtige Signale der Vergangenheit

Während sich die ganze westliche Welt substanziell der Sparsamkeit und Vernunft zum Zweck der Klimabewahrung verschrieben hat, prangen noch immer mächtige Signale einer vergangenen Zeit auf den Fronten der Automobile. Es scheint wie der Angsttrieb des Nadelbaumes, der noch einmal an der Spitze mächtig austreibt, während das Gehölz darunter schon allmählich seinem biologischen Ende entgegenstirbt.

Wenn schon unablässig von einer neuen Ära der Elektromobilität geredet wird, stellt sich die Frage: Wie werden die Insignien der mobilen Macht wohl künftig aussehen? Die Elektroautos haben kein flammendes Herz mehr, das so symbolhaft nach andauernder Kühlung lechzt. Ein feines Netzwerk an Nervenbahnen, das mehrere Aggregate eher wie Organe miteinander verbindet, benötigt zwar auch ein Kühlsystem, aber es werden keine Flammen mehr gezähmt.

Die neuen Zeiten verlangen nach neuen Symbolen des Fortschritts, auch der Macht und vielleicht auch der Cleverness. Reine Attrappen haben jedenfalls noch nie längerfristig Erfolg gehabt. Wie werden die Designer die steile Aufgabe angehen, nicht nur das Auto noch einmal zu erfinden, sondern der ganzen Mobilität einen neuen Kick zu geben? (Rudolf Skarics/RONDO/14.1.2011)

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Granada75
 
00
27.1.2011, 15:25

Der Ford Sierra '82 hatte auch keinen Kühlergrill und verkaufte sich prächtig, auch und gerade bei der eher konservativen Käufergruppe des Vorgängers Taunus. Erfolgreiches Frontdesign geht auch ohne Kühlergrill.

Ivan Konjaretsev
02
19.1.2011, 17:00

ach nostalgie ... meine ersten autos, ein 89er diesel passat und 86er benziner ohne servo, auf wechselkennzeichen.

der diesel hat 526.00 geschafft, dann ging die kopfdichtung flöten.

Parkschwein
00
19.1.2011, 22:46

na bumm! nach 526 kilometern? jeden tag mit vollgas kalt zum tschickautomaten gestartet? ;-)

Raymond Domenech
00
21.1.2011, 08:21
Im Rückwärtsgang!

David Mungo
22
19.1.2011, 16:59
Also wenn ich so viel Geld hätte,

dass ich mir schon alles gekauft habe und jetzt wirklich nur noch ein 250-PS-Auto brauche (ein seltsamer Gedanke), dann stünde ich vor einem ernsthaften Problem. Ich will nämlich um keinen Preis mit so einer aggressiven Schnauze über die Straßen ziehen. Ich schöpfe mein Selbstbewusstsein aus völlig anderen Dingen.

Ich habe Prestige- und Machtsymbole immer mit einer Art Minderwertigkeitskomplex verbunden und es wäre mir eher peinlich, wenn andere von mir so denken.

Raymond Domenech
01
21.1.2011, 08:22
Wems so wichtig ist

was andere von ihm denken, der hat wohl einen Minderwertigkeitskomplex!?

David Mungo
00
21.1.2011, 11:39

Ja, aber ich will (verständlicherweise) nicht, dass das jedem sofort auffällt.

Raymond Domenech
00
21.1.2011, 22:32
Wien mans macht

is falsch!

In god we trust.
00
20.1.2011, 12:08

Tesla Roadster.
Simple as that. :)

OGHaha
21
19.1.2011, 16:47
Auuuuudieee....

Selbst wenn ich Geld wie Altpapier hätte...

So einen A*di mit diesem grottenhässlichen "Protzriesenmaul" würde ich mir nie kaufen.

alleswasmansagtistwahr
05
19.1.2011, 16:24
Die Idee des Artikels ist nett,

leider ist er komplett danebengegangen.

1. Kernstück ist nicht der Kühler, sondern die Front.

2. Der oben genannte Passat ist kein "Imageschaden", sondern ein Verkaufsschlager. Überhaupt ist der Erfolg von VW gepflastert von Modellen mit dem am unscheinbarsten anzunehmenden (Front-)Design.

3. Die Autoschnauzen wirken nicht "noch immer" ziemlich aggressiv und furchteinflößend, sondern immer mehr und so gut wie ausnahmslos.

Ad 3. wäre natürlich der Grund interessant. Werden Autofahrer, die Gesellschaft immer aggressiver? Handelt es sich um eine Art Straßendarwinismus? Und ist es denkbar, dass Designern eines Tages die Ideen ausgehen (manchmal hat man ja das Gefühl...).

So hätte der Artikel aussehen müssen! :P

Craig Christ
01
20.1.2011, 16:48
3. Die Autoschnauzen wirken nicht "noch immer" ziemlich aggressiv und furchteinflößend, sondern immer mehr und so gut wie ausnahmslos.

Super Bsp sind die AUdis mit den LED-Leisten. Schaut im Rueckspiegel extrem boese aus, und dann wirst von einem A3 oder noch kleiner ueberholt.

8-)

Raymond Domenech
00
21.1.2011, 08:24
"von einem A3 oder noch kleiner ueberholt"

Und das meistens in einem Baustellenabschnitt mit 110 :)

Die Kandidaten kennt doch jeder!

denkpanzer
22
19.1.2011, 15:12
"Man motzt zwar ein bissl, wenn ein derartiger Kraftlackl im Rückspiegel auftaucht, doch am liebsten hätte man selber so einen Speed-Schneepflug."

Dass irgendjemand kein Interesse daran hat, sich mit einem solchen Ungetüm hervorzutun, kommt dem Autor offensichtlich gar nicht in den Sinn.

Es ist aber dennoch nicht jeder Mensch so einfach gestrickt und betrachtet maximale physische Präsenz als Ausdruck von Stärke.

DD1981
00
21.1.2011, 08:49

Ich schlage Ihnen dann die Rubrik ETAT oder KULTUR vor...da sind Sie von so bösen Artikeln relativ sicher.

Roter Baron
12
19.1.2011, 12:27
seit beginn der 90er

sehen die autos sowieso alle gleich aus,
wie seifenstücke.

roter baron

Jumper
21
19.1.2011, 16:27
ausnahme: alfa romeo

/root/
 
01
19.1.2011, 13:17
Na immerhin ..

.. es gibt diese in verschiedenen Groessen und in zwei unterschiedlichen Farben - schwarz und silber.
~

Lady Pyrra of Danubien
 
01
19.1.2011, 12:38

*lol* Das mit den "Seifenstücken" hätte ich gerne etwas mehr ausgeschmückt.

René Monet
 
01
19.1.2011, 10:52
Auch das heck

ist nicht zu verachten! Ist das nicht ein Renault oder so, der so einen richtig menschlichen dicken hintern hat?

derPolizist
02
19.1.2011, 07:04

war nicht gerade der oben kritisierte Passat eines der erfolgreichsten Modelle, von Anfang an? Sicherlich nicht, weil er so schön war, aber diese Front hat dem Erfolg anscheinend auch keinen Abbruch getan...

Erisian Liberation Front
17
18.1.2011, 21:25
Kein Element des Autos sagt so viel über sein Wesen wie die Front, sozusagen das Gesicht eines Wagens

Ja, die Front zeigt etwas ganz wichtiges an, wo beim Auto vorne ist.

SCANone
43
18.1.2011, 20:53

Alfa-Front is immer besonders fesch...leider kann man da die Nummerntaferl nicht mittig anbringen und damit schauen sie dann leider gleich gar nimma so gut aus

Frau Herrlich
23
19.1.2011, 08:16
Symmetrie - die Lehre der einfachen Menschen

Zaungast8
 
00
19.1.2011, 21:24
das

könnt glatt von Louis Lepoix stammen. Der hat assymmetrischen Kühlergrill bei Steyr zum Wiedererkennungsmerkmal erhoben.

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