Winterluft lässt die Haut austrocknen - Das soll so nicht sein - Wer badet, sollte sich danach eincremen - ein Plädoyer für mehr Körperpflege Karin Pollack
Strumpfhosen sind böse. Intuitiv wissen das schon die kleinen Mädchen, die jeden Herbst wieder von ihren Müttern genötigt werden, ihre nackten Beine verschwinden zu lassen - wegen Kälte und Verkühlungsgefahr. Und weg ist es mit einem Schlag, das freie Gefühl um die Schenkel und der Wind auf der Haut. Stattdessen juckt's und kratzt's - und nur die ganz Mutigen wagen, sich die Strümpfe dann heimlich (im Schulklo) wieder auszuziehen.
Das alles ist möglicherweise schon lange her, und die Vernunft macht das Strumpfhosen-Anziehen im Erwachsenenalter zu einer leichten Übung. Doch weil auch die Talgproduktion mit den Jahren nachlässt, ist trockene Haut gerade jetzt im Winter wieder einmal ein aktuelles Thema. Nach den ersten zwei kalten Monaten tauchen an manchen Stellen des Körpers plötzlich trockene und schuppige Stellen auf, im Extremfall beginnen sie zu spannen oder jucken sogar. "Kleidung, vor allem Strümpfe, entziehen der Haut schützenden Talg", sagt der Wiener Dermatologe Markus Dawid, Vorstand der Abteilung für Dermatologie am Kaiser-Franz-Josef-Spital. Während das Klima im Sommer feucht und warm ist und der Haut damit guttut, ist im Winter das Gegenteil der Fall. Verborgen unter vielen Schichten und in der trockenen Luft von geheizten Räumen trocknet die Haut aus. Das Resultat: gräulich-schuppig, nicht sehr schön.
Die gute Nachricht: Gegensteuern ist relativ einfach, Schmieren die Devise. Denn nicht nur die Eitelkeit, auch die Gesundheit sind gute Gründe dafür. Eine intakte Schutzbarriere der Haut ist nämlich tatsächlich auch wichtig. "An manchen Stellen wie Schienbeinen und Oberarmen wird ohnehin wenig Talg produziert", erklärt Dawid und rät seinen Patienten zu Lipicar von La Roche-Posay. Ganz wichtig, sagt Dawid, seien allerdings einige Grundregeln der Körperpflege. Pflegeprodukte wie Körperöle (etwa von Biotherm Oil Therapy) wirken nur dann, wenn man sie nach dem Baden oder Duschen auf die feuchte Haut trägt und sich dann nur sanft abtrocknet. Wer in ein Vollbad von Anfang an Körperöl leert, hat nichts davon. Erst wenn die Haut aufquillt, kann sie die Öle aufnehmen. Sie versiegeln quasi die Körperoberfläche. Wer seiner Haut eine Luxuskur gönnen will, der cremt sich nach dem Baden mit einer reichhaltigeren Körpercreme ein, wickelt sich in den Bademantel und macht sich einen gemütlichen Fernsehabend. Auf pH-neutrale Duschgels und Produkte mit rückfettender Wirkung sei aber grundsätzlich immer zu achten, empfiehlt der Hautarzt.
Die guten Ratschläge
Spannungsgefühle jedenfalls sind Alarmzeichen, sagt auch der Nürnberger Dermatologe Eberhard Paul und empfiehlt Pflegeprodukte mit pflanzlichen Ölen, Urea und Aloe Vera wie bei Pflegeprodukten der Marke frei. Sie kurbeln die hauteigene Produktion von innen an. "Bei sensibler Haut kommt es vor, dass Menschen allergisch auf Parfumstoffe reagieren", weiß Dawid. Wer empfindlich ist, sollte zusätzlich Kleider aus synthetischen Stoffen meiden, Baumwolle, Seide und Leinen sind hingegen unproblematischer auch für gereizte Haut. Auch Luftbefeuchter tun gute Dienste, bei einer Zimmertemperatur von 20 bis 22 Grad sind 40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit optimal für die Haut. Auch Lüften ist in diesem Zusammenhang übrigens wichtig, weil feuchte Luft von draußen reinkommt. Und manche werden auch diesen Winter wieder Glück haben, weil sie irgendwo in südlichen Gefilden ein bisschen Sonne tanken können - und sich dann hoffentlich automatisch einschmieren und ihrer Haut damit jene Feuchtigkeit zurückgeben, die der harte Winter ihr entzogen hat.
Apropos Weihnachten: Körpercremen sind perfekte Geschenke, weil sie tatsächlich altersneutral und im Gegensatz zu Anti-Aging-Produkten vollkommen unverfänglich sind. Eine dem Meerschaum entstiegene Venus ist ein zeitloses Ideal. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/17/12/2010)