Pflege den Zombie

19. Dezember 2010, 16:59
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    foto: fauma

    So manche Pflanze übersteht den strengen Winter nicht. Dabei ist das Problem oft nicht der Frost, sondern der Wassermangel. Gießen nicht vergessen!

Verdursten oder erfrieren, das ist hier die Frage - Eine Wiederbelebung lohnt in jedem Fall, behauptet Gregor Fauma

Glaubt man berühmter Bergsteiger Erzählungen, so muss man feststellen, dass diese über weit mehr als bloß zehn Zehen in ihrem Leben verfügen. Bei jedem Gipfelsieg müssen mindestens drei bis vier Zecherln frostbedingt daran glauben und bleiben als Dohlenfutter an den Hängen des Tschomolungma, Cho Oyu und K2 zurück. Wer meint, diese Details sollten den sonst eher langweiligen Rauf-und-runter-Geschichten ein wenig Pepp, Drama und Gefahrengewähr verleihen, dem sei ein "honi soit qui mal y pense" ins Stammbüchlein geschrieben. Jene Menschen unter uns, die tatsächlich regelmäßig dem Tod ins Auge sehen, sind in Wahrheit die Gärtner unserer Breiten. Alle paar Monate wird es kalt in diesem Land, und eine nicht enden wollende Minusgradeperiode legt ihre eisigen Finger um die frierenden Wurzelhälse. Glücklich jene Gewächse, die ihre Füße in ein nicht durchfrierendes Erdreich stecken dürfen; sie können sich ihres Überlebens recht sicher sein. Ihnen bleibt der Kältetod erspart, ein Tod, der erst schmerzhaft, dann aber ein fröhlich-eingelulltes Hinübergleiten sein soll. Fast schade.

Frieren des Erdreichs verhindern

Aber ist es tatsächlich der Frost, der im Speziellen die Topfpflanzen in ihren Freigehegen hinwegrafft? Ich wage ein keckes Mitnichten. Wenn man es schafft, ein Frieren des Erdreichs zu verhindern, so hat man gute Chancen, seine Pflanzen über den Winter zu bringen. So helfen dicke Styroporplatten zwischen Boden und Topf, um der Kälte von unten Einhalt zu gebieten. Auch hilft es, Töpfe und Tröge nahe an die Hauswand zu schieben, dort ist es mitunter um den entscheidenden Grad wärmer und geschützter. Auch der großzügige Einsatz von Noppenfolie, dick um Topf und Pflanze gewickelt, schützt diese vor widerlicher Witterung. Dieserart geschützt sollten die meisten nicht ganz winterharten Pflanzen durchkommen. Aber jetzt kommt es.

Die wenigsten Pflanzen erfrieren im Winter, sondern verdursten! Was man weithin als "erfroren" enttäuscht am Komposthaufen entsorgt, ist in der Regel verdurstet und elendiglich vertrocknet. Es reichen schon ein paar Stunden Plusgrade samt Sonnenschein, und die Zöglinge fangen wieder zu transpirieren an - so sie ausreichend mit Wasser versorgt sind. Und das fehlt den Topfmeistern in der Regel, wenn sich der Pfleger auf Untersetzer und Einwickeln verlassen hat. Der Kältetod ist in Wahrheit ein Verdursten, ein ganz klarer Fehler des Verantwortlichen. Aber hier möchte ich einhaken: Geben Sie den vermeintlichen Leichen noch eine Chance. Schneiden Sie alle vertrockneten Triebe ab und untersuchen Sie die Pflanze auf Augen, aus denen sie noch einmal austreiben könnte. Stellen Sie den "Zombie", den Untoten, in ein Eck im Blickschatten, gießen Sie ihn in kleinen Dosen und freuen Sie sich, wenn eines Tages die ersten grünen Triebe aus scheinbar totem Holz austreiben. Gerade zu diesen Pflanzen, das verspreche ich Ihnen, werden Sie einen ganz besonderen Bezug entwickeln. Und übrigens, vielleicht sind ja den berühmten Bergsteigern ihre Zecherln ja auch wieder im lauwarmen Fußbad nachgewachsen. Denen ist schließlich alles zuzutrauen. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/17/12/2010)

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Kommentar posten
18 Postings
kiwi99
00
20.12.2010, 15:59
ja ja

macht mir nur ein schlechtes Gewissen !

Doktor Leid
02
20.12.2010, 15:56
Die Kolumne vom Herrn F. könnte getrost entfallen ...

rompitasche
00
20.12.2010, 13:51
honni soit ..

motzmotz
30
20.12.2010, 11:47

und warum steht da nicht wie oft und wann genau die eingewickelten während der minusgrad-monate gegossen werden wollen? link'?

Gregor Fauma1
 
14
21.12.2010, 12:17

weil Garteln nicht wie Malen nach Zahlen funktioniert.

kiwi99
01
20.12.2010, 16:01

Weil dies hier die Zeigefingerphase ist, die Belehrphase ist dann wo anders.

uni versalis
01
20.12.2010, 11:52
da gibts keine allgemeine regel.

das ist von pflanze zu pflanze unterschiedlich und hängt auch noch vom temperatur-/wetterverlauf, vom standort, von der topfgröße und vom substrat ab.

wald und wiese
00
20.12.2010, 11:38
empfehlung vom gärnter

mein gärtner hat mir für den balkon empfohlen die oberfläche der gut eingepackten blumentöpfe mit zweigen abzudecken und wenig auf diese zu giessen wenn es plusgrade hat - und wenn schnee liegt schnee auf die zweige zu legen, der schmilzt dann wenn es taut und das wasser nicht mehr so "gefährlich" ist.
oder luftdicht einpacken, dann bleibt eine restfeuchte erhalten...
es gibt ohnehin eher nicht DIE EINE LÖSUNG für alle pflanzenarten

uni versalis
01
20.12.2010, 10:07
die "frosttrocknis" von der hier geschrieben wird, gilt besonders für die immergrünen.

allerdings stimmt es nicht, dass die pflanzen fast immer nur verdursten und nicht erfrieren. blatt- oder nadelschäden (manchmal auch komplett erfrorene äste) treten bei exotischen pflanzen immer wieder auf, etwa nach windstillen, strahlungsintensiven nächten, ohne dass der ballen gefroren ist. zb. bei oliven, oleander oder div. kiefern oder zypressen.

bei laubabwerfenden erfrieren auch immer wieder ein paar triebe oder zumindest triebspitzen: feige, granatapfel, kaki, lagerstroemien etc.. die pflanzen transpirieren winters kaum.

bei vielen exoten höngt die frosthärte auch von jahreswetterverlauf ab: ein warmer sommer (oft auch viel sonne) sorgt für ein besseres verholzen der triebe, die dann weniger empfindlich sind.

Hyla Arborea
01
19.12.2010, 20:11

Für Pflanzenfreunde (mit Ausnahme der „Herbaristen“ und „nur Schauer“) gilt leider: „Wer mit dem Leben spielt, muss mit dem Tod rechnen...“ Der momentane Temperaturverlauf lässt wenig Spielraum für ein Überleben vieler Topfinsassen. Ich habe seit Jahren relativ gute Ergebnisse mit sehr warmen Güssen unmittelbar nach sehr kalten Nächten direkt in die mit Noppenfolie isolierten Töpfe (Bambusarten, Zypressen, diverse Gehölze). So ist es möglich bis zum nächsten Tauwetter ein wenig ausgleichend auf den Wasserhaushalt zu wirken.

NaOida!
02
19.12.2010, 18:10
was ist eine Fauma?

ich kenne nur die Fauna ...

Android Fiaker
04
19.12.2010, 18:34
Eine Wortkombination

aus Fama (Gerücht) und Fauna (Natur): Gerüchteküche Gemüsegarten

Gregor Fauma1
 
00
20.12.2010, 08:57
lol

Android Fiaker
00
20.12.2010, 15:46

ich wollte natürlich niemanden verunglimpfen - Entschuldigung. Die Kolumne habe ich zum ersten mal gelesen und werde es sicher wiedertun, da sie sehr gut ist!

alles bestens, deine emma
02
19.12.2010, 19:39

Fauna steht nicht für die Natur im allgemeinen sondern für die Tierwelt.
Fauma ist der Name der Autors dieser Kolumne
Das könnte man eigentlich mittlerweile mitbekommen haben.

Der 7. Zwerg von links
00
20.12.2010, 14:47

Ich glaub dass noch in einem Jahr nicht alle mitbekommen haben warum die Kolumne Fauma & Flora heisst

Hydrostachyuspseudobimbo
01
26.12.2010, 09:06
Pflanzen ja, Zechen nein

Guter Herr Fauma, daß scheinbar totes Pflanzenvolk oft zu neuem Leben erwacht, das hat mir mein Oleander im letzten Frühling eindrucksvoll bewiesen.
Weil ich zu der leider nur begrenzt lernfähigen Sorte der Vergesser gehöre, hoffe ich auch im kommenden Frühling auf dieses Wunder des "Oleanders von Jericho"...

Was abgefrorene Körperteile betrifft, kann ich Ihnen aus leidvoller Erfahrung eines befreundeten Bergsteigers mit Sicherheit bestätigen, daß ein Fußbad mit lauwarmem Wasser keine neuen Zecherl mehr wachsen lässt...

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