... inklusive einer unverhohlenen Empfehlung von Luzia Schrampf
Jahrelang hat man sich dem adventlichen Ritual des Punschtrinkes entzogen. Doch jüngst gab es kein Entkommen: Drei von vier an einem Stadtrundgang Beteiligten plädierten dafür. Mindestens drei Anti-Punsch-Anekdoten wurden mit dem durchschlagendsten aller Argumente abgestellt: "Wurscht - wir wollen." Und da von Zeit zu Zeit auch überprüft werden muss, ob eh alles so ist, wie es vorurteilsgemäß sein soll, denkt man: Na gut, Augen zu und an ein Glas vom Guten denken.
Nicht die vier Millionen Kalorien pro Häferl sind das Abstoßende, sondern der Gedanke an den Geschmack. Das, was da zuweilen verkauft wird, brennt zweimal, zuerst wegen der Temperatur und dann wegen des Alkohols. Von Schmecken keine Spur, dafür umso mehr von der Wirkung: Brandblasen am Gaumen. Viele Standler begehen denselben Fehler wie Wirte beim G'spritzen im Sommer: nämlich den Weihnachtspunsch als Entsorgungsschiene für Weine der grausamsten Art zu sehen. Dafür lassen sie die Zuckerindustrie leben. Denn Süße macht vieles wieder gut - nicht nur beim Punsch.
Arrak, Zucker, Zitronen, Tee, Gewürze, Wasser
Dabei ist die Grundidee schön: Punsch, behauptet Wikipedia, stammt aus Indien und bestand aus fünf - auf Hindi "panc" - Zutaten: Arrak, Zucker, Zitronen, Tee, Gewürze, Wasser. Die Briten, wer sonst, brachten ihn im 17. Jahrhundert auf ihre Insel. Sie sind übrigens auch für die Entstehung von Sherry, Portwein oder Marsala zuständig: Beim Transportieren von Gütern machten sie immer wieder bahnbrechende Entdeckungen - zum Beispiel, dass Wein durch einen Schuss Brandy einen langen Schiffstransport bestens übersteht.
Da man heißem Alkohol wärmende Wirkung zuschreibt, verbreitete sich "punch" flott in den kalten Ländern. Im Zuge dessen wurde er sprachlich und inhaltlich adaptiert. In deutschen Landen wurde er zum "Puntsch". Und man tat in das Getränk, was verfügbar war. In Weingegend war das logischerweise Wein, der mit Zucker und Gewürzen zum Glühwein wurde.
Wenn nun der Grundwein ein sauber Gemachter, wenn nicht ein Guter ist, schmeckt das Ganze auch. Zum Beispiel so wie am Punschstand des Café Leopold im Museumsquartier: der Orangenpunsch nach Tee und Orangen ohne die Bitterkeit von ausgekochten Orangenschalen, der Glühwein nach fruchtigem Rotwein und weihnachtlichen Gewürzen. Es geht ja! (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/17/12/2010)