Auf einer Weihnachtsfeier hat Bubi einen Kollegen derart zur Weißglut getrieben, dass dieser ihn mit einem Messer bedrohte
Auf einer Weihnachtsfeier hat Bubi in jungen Jahren einmal einen Kollegen derart zur Weißglut getrieben, dass dieser ihn mit einem Messer bedrohte. Es handelte sich dabei nicht um ein Bestandteil des Essbestecks, sondern um ein während eines bestimmten Lebensabschnitts stets mitgeführtes Statussymbol voll im Saft stehender Männlichkeit.
Weil man nicht nur ist, wie man geworden ist, sondern ab diesem Zeitpunkt auch so bleibt, hat das Bubi sehr amüsiert. Das höhnische Gelächter hat seinen Kontrahenten, der sich offensichtlich trotz seines Rausches noch entfernt daran erinnerte, dass bewaffnete Auseinandersetzungen eigentlich gesetzlich verboten sind, zusätzlich aufgewühlt. Er begann mit den Tränen zu kämpfen und forderte Bubi auf, ihm nach draußen zu folgen. Bubi meinte fröhlich, dass sich das gleich machen ließe. Er müsse nur noch schnell austrinken. Der andere könne aber gern schon einmal vorgehen.
Eine Viertelstunde später kam der Kollege bibbernd aus der Kälte zurück und fragte, schon etwas weniger erbost, wo der depperte Bubi denn nun bleibe. Bubi schlug sich auf die Stirn. Entschuldigung, wo habe er heute nur seinen Kopf?! Er hätte auf ihn da draußen völlig vergessen. Das nun löste bei der Tischgesellschaft allgemeine Heiterkeit aus und führte schließlich zur weinseligen Versöhnung.
Im Jahr darauf wurde Bubi nach der Weihnachtsfeier gekündigt. Ganz allgemein wurde die Humorlosigkeit des Firmenchefs beklagt, der als nunmehriges Opfer Bubis Sticheleien gar nicht so lustig fand. Frohe Weihnachten! (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 17.12.2010)