Ene mene muh, und draußen bleibst du

12. Dezember 2010, 17:10
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    foto: pixelio.de/maja dumat

    Die Töpfe mit den Pflanzen aus den südlicheren Gefilden müssen schleunigst ins Stiegenhaus geschleppt werden. Blöd nur, wenn sie grad gegossen wurden.

    Foto: pixelio.de/Maja Dumat

Wenn Väterchen Frost so richtig zuschlägt, ist es höchste Zeit, die tropischen Gewächse in Sicherheit zu bringen -

Als grundfauler Mensch hatte ich dieses Jahr keinen Stress mit dem jährlichen Umstecken auf Winterreifen. Die waren nämlich schon drauf - als Ergebnis meiner Frühjahrsmüdigkeit und der daraus resultierenden, richtig, Faulheit. Die Sommerreifen blieben 2010 unberührt. Mein Stress ist anderer Natur.

Ab Mitte November verfolge ich akribisch die Wettervorhersagen und unterziehe die prognostizierten Celsiusgrade einem Algorithmus, der auf Ungläubigkeit und Trägheit basiert. Werden also Minusgrade prognostiziert, sagt mir mein Algorithmus, dass es schon nicht so schlimm sein werde, dass es im geschützten Innenhof eh nie so kalt werde wie draußen auf der Straße, dass ein paar Stunden unter null noch niemanden geschadet hätten und dass sich die Wetterdolme doch eh wieder irren würden.

In Wahrheit machen diese modernen Vogelflugleser doch gemeinsame Sachen mit den adventmärktlichen Socken- und Pulloververkäufern, auf dass diese früher ein besseres Geschäft mit ihren dicken, selbstgestrickten Wollschläuchen machen. Mir könnt ihr nichts erzählen! Doch dann kommt der Moment. Der Moment, an dem ich nach einem langen Arbeitstag komplett geschlaucht nach Hause komme, es nur noch zwei Grad Celsius hat und für die Nacht minus fünf Grad angesagt sind. Ja! Panik. Jetzt muss selbst ich handeln, und zwar rasch.

60-Liter-Töpfe schleppen

Da die Mehrzahl meiner eingetopften Schönheiten tropischer Natur ist, darf ich nicht mehr zögern und muss Baum für Baum in Sicherheit bringen. Fein, dass ich am Vortag die 60-Liter-Töpfe noch reichlich gegossen habe, jetzt sind sie richtig schwer und lassen sich nur widerwillig in Sicherheit bringen. Schwitzend, fluchend und keuchend wuchte ich im Dunkel der Winterzeit Tonne um Tonne, gegen alle Regeln für einen gesunden Rücken, Richtung Stiegenhaus - der sichere Hafen für diese Breiten ungeeignete Pflanzen. Dass die Engelstrompeten auch dieses Jahr wieder gewaltig gewachsen sind, bemerke ich bei dieser Gelegenheit recht deutlich, ist doch das Stiegenhaus erstmals zu niedrig, und meine Lieblinge schleifen an der Decke. Der Oleander bekommt wieder seinen Platz am Tor, und die Pflanze mit den bestduftenden Blättern überhaupt, das Wandelröschen Lantana, verströmt ihren würzigen Duft unterhalb der Briefkästen. Aber where the fuck soll ich den Solanum rantonnetti, auch Enzianstrauch gerufen, hintun? Und steht es überhaupt dafür, die allürenhaften Kapkörbchen über den Winter zu bringen? Herrjeh! Es steht immer dafür.

Selbst die als einjährig gedealten Leucanthemum-Büsche danken das Fullservice im Folgesommer mit wohlwollendem Flor, und die zickigen Kapkörbchen werden zwar wie immer nicht blühen, aber ich rede mir halt ein, dass mir auch ihr Laub gefällt. Die größte Freude bereiten mir aber jene vermeintlichen Leichen, für die im Winter im Stiegenhaus kein Platz mehr ist, die im zeitigen Frühjahr mehr als tot und teilvermodert wirken, um dann doch noch aus dem einen oder anderen Auge heraus neu auszuwachsen und meine Geduld mit extra vielen Blüten zu danken. Geduld? In Wahrheit stecken wieder Faulheit und ein "Nixweghauenkönnen" dahinter, dass die Halbtoten nicht auf dem Kompost landen, sondern wieder zu Lebenden erwachen. Aber über diese kleinen Erfolge können die Damen und Herren aus dem tropisch anmutenden Stiegenhaus in der Wiener Vorstadt nur milde schmunzeln. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/10/12/2010)

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Ein nitupsaR
 
00
15.12.2010, 12:23

Bei all den exotischen Spezialitäten da oben im Artikel mutet meine Frage wahrscheinlich a bisserl ordinär an, aber trotzdem:

Kann mir jemand sagen, wie ich meine Zitronen gut übern Winter bringe?

Jedes Jahr isses dasselbe: Ich nehm ganz normale Billa-Zitronen, setz die Kerne ein, 80 % davon gehen auch auf, und die Pflanzerln wachsen brav dahin, bis sie im Herbst eine Pause einlegen. So weit, so gut, nur im Frühling sind sie dann tot - erst werden alle Blätter gelb (Eisenmangel? Hab eh an extrigen Dünger...), dann falln sie ab, und aus dem kahlen Stamm treibt nie mehr ein Sproß heraus.

Die Pflanzen ham a helles Fensterplatzerl und konstante 18Grad. Ich denk, es liegt am Gießen, hab eh schon alles probiert: Normal, weniger, gar nix?

Ein nitupsaR
 
00
17.12.2010, 14:21

Auch Dir danke! :o)

Hyla Arborea
00
15.12.2010, 18:05

Nein, das ist ganz und gar nicht ordinär, weil Zitrusfrüchte echte Mimosen bei der Pflege und erst recht bei der Überwinterung sind! Wirklich mpfehlenswerter link: http://www.steffenreichel.homepage.t-online.de/Citrus/

Ein nitupsaR
 
00
17.12.2010, 14:21

Hey danke, ich werds probiern!

es.be.
00
13.12.2010, 08:37

Wieder einmal sehr treffend erzählt, Herr Fauma.
Es freut mich zu lesen, dass die Gärtnerfaulheit nicht nur mich als Wirtskörper befällt :)

Bei mir geht es aber nicht um das rechtzeitige Übersiedeln von Kübelpflanzen, sondern um das schützende Abdecken mit Tannenreisig meiner empfindlichen, in Erde sitzender Lieblinge wie Rosmarin und Lorbeer.

alles bestens, deine emma
00
13.12.2010, 07:29
lieber herr fauma,

was ist denn mit ihrem neuen gartl mit den felsenbirnen und der übersiedelten rose, herr fauma?
befindet sich dort nicht auch ein häuschen, in dem sie jetzt wohnen?
wo der oleander einen neuen platz findet und sich das wandelröschen nicht unter briefkästen ducken muss.
grüße von jemandem der schon vor fast 2 monaten die pflanzen reingeholt hat und sich mit einem ihnen ähnlichen pflanzenlieben nachbarn in einem viel zu kleinen stiegenhaus arrangieren muss.

Hydrostachyuspseudobimbo
01
26.12.2010, 08:42
Liebste Tante Emma

Wenn euch das Stiegenhaus zu eng wird, würde es euch wohl bekommen, die Leibesfülle zu verringern.
Dann würde es euch wohl auch nicht so schwer fallen, sich mit dem pflanzenlieben nachbarn im viel zu kleinen Stiegenhaus zu arrangieren.
Und wenn ihr eure Pflanzen schon vor zwei Monaten reingeholt habt, so habt ihr ein gutes Monat vergrösserter Bewegungsfreiheit in übervorsichtiger Art und Weise sinnfrei vergeudet...

alles bestens, deine emma
00
26.12.2010, 16:06

Ich hab meine Pflanzen reingeholt, weils bei uns das erste mal ordentlich geschneit hat und schon huebsch kalt war in der Nacht. Bei mir stehn die Pflanezen nicht geschuetzt im Innenhof sondern ziemlich ausgesetzt. So ist das, wenn man im Gebirge lebt, da muessen die Pflanzen meisten frueher rein als im Flachland.
Und ich hab auch kein Problem mit meinem Nachbarn oder mich durchs Stiegenhaus zu bewegen. Es ist halt nur relativ eng, wenn wir beide unsere Pflanzen reinholen. Und auch unseren anderen Nachbarn muessen durchkommen. Und im Notfall sollte auch Platz sein, wenn jemand von der Rettung rausgetragen werden muss. Sind auch aeltere Menschen im Haus. Kein Grund also mich anzumotzen.

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