Conrad Seidl besuchte den Braumeister der privaten Landbrauerei Schönram
Petting. Da muss man sich nichts Unanständiges denken. Gar nicht erst in Wikipedia nachlesen, denn da steht: "Petting bezeichnet jede Form sexueller Betätigung, bei der der eindringende Geschlechtsverkehr ausbleibt." Lieber auf Google Maps. Dort zeigt sich: Petting ist einfach der Name einer Ortschaft zwischen dem Waginger See und der bayerisch-österreichischen Staatsgrenze. Sucht man auf Wikipedia nochmals unter "Gemeinde Petting", dann wird man auf die richtige Spur geführt und erfährt: "Pettinga" ist eine erstmals 1048 unter dieser Bezeichnung erwähnte Siedlung, der Name bedeute, dass der Ort "dem Zu- und Ablauf des Wassers unterworfen ist".
Klingt nach guten Voraussetzungen für eine Brauerei - und die steht im Ortsteil Schönram. Sie hat ein schönes, zeitgemäß eingerichtetes Braustüberl und dort saß Eric Toft mit ein paar amerikanischen Freunden und lud mich ein, mich dazuzusetzen. Eric ist der Braumeister und dafür verantwortlich, dass es in Schönram heute nicht nur (wie wohl schon bei der Brauereigründung 1780) untergärige Biere gibt, sondern auch eine von ihm neu eingeführte, gewürzhaft duftende und leicht nach Südfrüchten schmeckende Festweiße.
Neue Hopfenzüchtung Saphir
Und von Zeit zu Zeit auch ein Doppelbockbier, das ganz dem amerikanischen Geschmack entspricht, denn es ist extrem fruchtig gehopft, die relativ neue Hopfenzüchtung Saphir hat hier eine passende Anwendung gefunden.
Dass Eric so genau den amerikanischen Geschmack trifft, hängt mit seinem persönlichen Werdegang zusammen: In Colorado schmeckten ihm vor 20 Jahren die damals kommerziell erhältlichen Biere nicht, er wurde Homebrewer und ergriff schließlich den Braumeisterberuf. Mit seiner Lederhose und seiner Sprachfärbung könnte man ihn für einen Bayern halten - sein Hang zum Experiment ist aber geblieben. Und ein größeres Experiment hat er auch vor: Bitte in den Keller zu folgen! Dort zeigt er uns ein altes Lagerkeller-Gewölbe, in dem künftig wieder Bier reifen soll. Aber nicht für Wochen (wie zur Zeit, als der Keller noch der Produktion diente), sondern für Jahre: Wir dürfen uns auf gereifte Bockbiere freuen. Aber da heißt es erst warten, warten, warten. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/10/12/2010)