Comondor wurde 20, Luzia Schrampf gratuliert
Cuvée-Geburtstage, die mit einer Vertikale begangen werden, gehören zu den schönen Besonderheiten im Berufsleben. Diesmal war es Comondor von Hans "John" Nittnaus aus Gols, der wie Pöckls Admiral oder Heinrichs Gabarinza zu den Klassikern unter den österreichischen Rotweincuvées gehört.
Cuvées galten seinerzeit, als man sich gegen Ende der 1980er etwas für österreichischen Rotwein überlegte, als das Nonplusultra. Auch wenn sie vielen Weintrinkern suspekt waren, weil da ja etwas verschnitten vulgo "gepantscht" wurde, schienen sie die Erlösung aus dem Dilemma, keine vorzeigbaren roten Sorten zu haben - wie man damals glaubte. Daher hielt man sich zunächst an die internationalen wie Cabernet Sauvignon oder Merlot. Heute sind regionale Sorten obenauf, Cabernet und Merlot zuweilen der Streusel auf dem Kuchen. Reinsortig ist Trumpf, Cuvées geraten ins Hintertreffen, wobei reinsortig laut EU schon bei 85 Prozent einer Sorte beginnt.
Die Cuvée folgt der Grundidee, aus mehreren Rebsorten etwas Besseres zu machen. Nicht immer sind es die besten Weine in den besten Fässern, die auch optimal harmonieren. Wie im Film spielt jede einzelne Sorte ihre Rolle. Manche sind geschmacklich zurückhaltend, haben aber Farbe, andere geben Tannin-Rückgrat oder bringen schon in geringen Mengen eine spezielle Fruchtkomponente ein. Merlot (auch der österreichische Zweigelt) ist ein "Softie" und wird bis heute in vielen Ländern gern verwendet, um "Macho"-Sorten mit viel Tannin à la Cabernet oder Nebbiolo (oder hier Blaufränkisch) früher trinkreif zu machen.
Alle existierenden Comondore zu probieren, bis hin zu einer Comondor-Idee des Jahrgangs 2010, die sich noch im ausklingenden Sturm-Stadium befand, bereitete besondere Freude. Comondor folgte seit seiner ersten Ausgabe 1990 der Idee "Best of beste Lagen" (sic!). Zweigelt und Merlot geben heute den Grundcharakter vor, Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon waren's früher und sind heute je nach Jahrgang immer noch "partners in wine". In puncto Alkohol hatte es Nittnaus nie auf Höchstwerte angelegt. Eleganz ist das Grundthema des Comondor, auch wenn man Trends und Moden in der Weinbereitung mitverfolgen kann und sich die Zusammensetzung je nach Einsicht zum Weinmachen ändert. Besser kann "Cuvée" nicht umgesetzt werden. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/03/12/2010)