Pretty in Punk

5. Dezember 2010, 11:31
  • Ob jung oder alt: Wer ein richtiger Rockabilly sein will, der verbringt viel Zeit vor dem Spiegel.
    foto: matthias cremer

    Ob jung oder alt: Wer ein richtiger Rockabilly sein will, der verbringt viel Zeit vor dem Spiegel.

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Modebücher gibt es viele - Aber welche verdienen es, genauer unter die Lupe genommen zu werden? Gregor Auenhammer und Stephan Hilpold wissen es

Puccigeschichtsbuch

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte des italienischen Labels Pucci rein zufällig und paradoxerweise mit dem Entwurf eines Skianzugs. Der einem alten florentinischen Adelsgeschlecht entstammende Marchese di Barsento Emilio Pucci kreierte 1947 während eines Urlaubs in St. Moritz für sich und eine seiner Geliebten im Partnerlook Steg-hosen aus einem elastischen Material, um mehr Bewegungsfreiheit zu erhalten. Aufgrund einer in Harper's Bazaar publizierten Fotostrecke über das mondäne Paar orderte Lord & Taylor eine erste Kollektion. Im Sommer darauf entwarf Pucci, aus demselben Beweggrund, eine bis zum Knöchel reichende Damenhose: die Caprihose. "Das Geniale an seinen Kleidern", meint Andrew Bolton vom New York Metropolitan Museum of Art, "war darin begründet, dass Emilio Pucci göttlich italienische Empfindsamkeit mit amerikanischer Sportswear-Philosophie vermählte." Das Haus Pucci war übrigens das erste, das mit Logo brandete. Die Designs, eindeutig erkennbar durch farbenfrohe, florentinisch, russisch, orientalisch inspirierte Ornamente, kombiniert mit fließenden, eleganten Schnitten, galten als Inbegriff des Jetset (Monroe, Kennedy ...) und werden bis heute gerne von Berühmtheiten bei Red-Carpet-Auftritten getragen. Eine monumental-bibliophile Retrospektive: "Emilio Pucci". EURO 150,- / 416 S., Taschen 2010

Straßenverstehbuch

Wer der Meinung ist, dass man von Modebloggern eh mehr weiß, als man jemals wissen wollte (welche Untergatti trage ich heute), der wird vor diesem Buch zurückschrecken: Es versammelt Modestrecken mit 40 internationalen Bloggern (darunter auch Eszter Farkas vom Wiener Blog "Stylorectic"). Was für das Buch spricht, ist, dass hier in pun-cto Styling nichts dem Zufall überlassen wurde. Vom Stil der Protagonisten darf man sich ruhig etwas abschauen! Simone Werle: "Style Diaries. World Fashion from Berlin to Tokyo". EURO 19,95 / Prestel, München 2010

Männeranziehbuch

Dass ein Mann durchaus schöner sein darf als ein Aff, hat sich herumgesprochen. Wie er das anstellt, darüber herrscht aber allzu oft Ratlosigkeit. Eine Hilfe bietet dieser Style-Guide, der selbst Waschetiketten erklärt. Gut so! Irmi Schüch-Schamburek: "Dresscode Mann". EURO 29,90 / Braumüller Verlag, Wien 2010

Retrorockabillybuch

Ironisches Understatement oder ernsthafte Punk-Attitüde in der Vergangenheit verharrender Berufsjugendlicher? Horst A. Friedrichs porträtierte eine illustre Schar: Mit ihren Tattoos, mit Nieten bespickten Lederjacken, Totenkopfringen, ihren, Elvis zitierend, pomadierten Haartollen, versuchen sie unentwegt, wenn auch mit zerknittertem Gesicht, auf ihren Triumphs und Royal Enfields der ewigen Rebellion zu frönen, um möglichst vielen Girls in Petticoats zu imponieren. Manches Outfit würde Lena Hoschek oder Dita van Teese schmücken, manches Tattoo Marc Almond zur Ehre gereichen, mancher Backenbart gemahnt an James Onedins Koteletten. Ein grandioses Panoptikum uniformierter Individuen. H. A. Friedrichs: "Or Glory - 21st Century Rockers". EURO 30,- / Prestel 2010

Flagshipstorebuch

Dass Branding internationaler Labels sich nicht nur anhand der Ware, sondern auch im Design der Verkaufslokalitäten manifestiert, illustriert das enzyklopädische Shopping Architecture now!. Architekturspezialist Philip Jodidio subsumiert Architektur, Innendekor und Schaufenstergestaltungen von Pop-up-, Flagship-Stores und In-Store-Lösungen, designt von Koolhaas, Starck, Dixon, Hadid, Libeskind et alii. Interaktive, zeitgenössische Lösungen. Für Trendsetter, Shopaholics und Fashionistas.  Philipp Jodidio: "Shopping Architecture Now!". EURO 29,90 / 416 Seiten. Taschen Verlag, Köln 2010

Frauenverwöhnbuch

"Für mich bedeuten Juwelen die Verlängerung der eigenen Identität, sind Ausdruck und Definition", umschreibt Designerin Naomi Filmer ihren Zugang zu Projekten mit Couturiers wie McQueen oder MacDonald. Eine Variante, zu umschreiben, dass Schmuck nur Epitheton ornans der weiblichen Schönheit ist. Und was gilt meist als nicht schmückendes Beiwerk? Richtig - der Mann an ihrer Seite. Maia Adams: "Fashion Jewellery". EURO 30,- / Laurence King Publishing 2010

Ikonenerinnerungsbuch

Ihr Begräbnis war genauso flamboyant, wie es ihr Leben war: Als Isabella Blow 2007 zu Grabe getragen wurde, zierte ein von einem Ventilator angepusteter "Schiffshut" ihren Sarg. Er stammte von Philip Treacy, als dessen "Entdeckerin" Blow gilt. Wahrscheinlich hätte er - genauso wie Alexander McQueen - auch ohne Blow als Fürsprecherin seinen Weg gemacht. Die 1958 im englischen Brighton geborene Exzentrikerin gilt als eines der großen Originale der Mode. Als Stylistin bei der US-Vogue und später beim Tatler beeinflusste sie die Mode mindestens genauso stark wie durch ihre markante Erscheinung. In Biografien wie jener von Lauren Goldstein Cowe oder Detmar Blow kann man ihre Geschichte nachlesen, eine schöne Hommage in Text und Bild von ihren Freunden findet sich dagegen hier: Martina Rink: "Isabella Blow". EURO 26,95 / Thames & Hudson, London 2010

(Gregor Auenhammer/Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/03/12/2010)

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