Was einen bindet

5. Dezember 2010, 17:38
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    foto: gregor fauma

    Was von der Rose übrigblieb.

Einmal jährlich "Schneiden & Legen" - und sei's bei einer Rose - schafft eine Bindung, die ein Leben lang hält

Es ist vollbracht. Nach Stunden übelster manueller Tätigkeit lehnt sie jetzt da, in einem Mörteltrog voll Wasser. Viel ist nicht von ihr übriggeblieben. Ein brutal ausgekrampelter, kurzgehackter Wurzelballen, ein stachelfreier Stamm, ein paar einjährige Triebe. Aber anders wäre das nicht zu schaffen gewesen. Ich hoffe, sie wird sich im neuen Garten erholen. Doch langsam, was war geschehen?

Vor sieben Jahren steckte ich keck eine 50-Cent-Abverkaufskletterrose in ein Loch, das ich zuvor in den Beton an der Hausmauer im zugigen Hof gehackt hatte. Nun, Rose scheint mir fast übertrieben; es war ein Asterl, versiegelt auf einem Stück Rosenwurzel, ohne Blätter, stattdessen ein paar Augen genannte Triebspitzen, die auf ein mildes Frühjahr hofften. So did I, und es kam, dass dieses Verreckerl sich offensichtlich auf Bauschutt sehr wohlfühlte, Trieb für Trieb der Sonne entgegenreckte und mit jedem Jahr an Höhen- und Quadratmetern zunahm.

Eitel bis boshaft

Um sie zu ehren, setzte ich Lavendel und weiße Glockenblumen zu ihren Füßen und bereicherte ihr Leben mit weißen und blauen Clematishybriden. Sie dankte es, und wir verstanden einander. Bitte nicht missverstehen, in Wahrheit war ich nicht überglücklich mit dieser Rose und würde auch nie von der großen Liebe meines Lebens sprechen. Ich sehe zum Beispiel ihr Rot sehr schlecht, das liege an meiner Rot-Grün-Schwäche, was wieder mit meinem Y-Chromosom ... egal. Es ist ein Rot, das ein wenig ins Dunkelrosa abdriftet, eher matt denn leuchtend. Weiters duftet sie nicht, womit ich nur sehr schwer klarkomme. Auch remontiert, erblüht sie nach dem gewaltigen Juni-Flor erst wieder gegen Ende August, und sie scheint mir darüber hinaus ein wenig eitel bis boshaft zu sein. Ich unterstelle ihr, auf Wurzelebene die anderen hinzugesetzten Rosen (eine Alte Englische, eine New Dawn und eine Orange Queen) zu mobben und diese nachgerade am Wachstum und Blühen massiv zu hindern. Auch die Glockenblumen und Lavendel wurden sukzessive zaghafter und wagten nur noch sehr scheues Erblühen, stets darauf bedacht, La Kletteros nicht zu erzürnen. Mit den Clematis konnte sie jedoch sehr gut, zogen diese im Rahmen der ersten wirklich warmen Nächte doch sämtliche Blattläuse an sich und hielten die Rose frei von saugendem Schädling (nur Ameisen würden die Laus Nützling nennen).

Als Eitle, Anzubetende ging sie auch gerne einmal zum Coiffeur. Einmal im Jahr stand im Salon Fauma "Schneiden & Legen" auf dem Programm. Und hier liegt wahrscheinlich die gegenseitige Bindung begraben. Als Laienwinzer weiß ich einen Stock zu schneiden, und bei den Rosen verhält es sich genau so wie beim Wein: Man schneide den kompletten, zweijährigen Trieb hinter dem ersten, stamm-nächsten einjährigen ab, biege diesen stramm-elastischen Einjährigen in die Horizontale und achte darauf, dass das stammentfernteste Auge möglichst weit nach unten gezogen wird. Mit diesem Schnitt ausgestattet war für immerwährende Schönheit und korrektes Wachstum gesorgt, und der Herr Coiffeur konnte Jahr für Jahr die Blüten seiner äußerst schmerzvollen Tätigkeit stolz den staunenden Braundaumen und Garteneleven präsentieren und auf das gesunde Grün der Blätter verweisen. Mit der großen Liebe des Lebens wäre ich wahrscheinlich eh nicht so glücklich alt geworden. Es hat schon alles seine Ordnung. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/03/12/2010)

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16 Postings
es.be.
01
6.12.2010, 19:56

Ach, die New Dawn, das hübsche Biest :)
Edel und fein die zartrosa Blüte, göttlich der Duft.

Wie erkenne ich einen zweijährigen Trieb? Ich werds wohl nie verstehen. GsD hat New Dawn dafür Verständnis und blüht auch ohne Profischnitt wie verrückt.

Mir kommen nur duftende Schöne in den Garten. Ich meine: Rosen, die nicht duften, sind wie ein Schnitzel ohne Panier ... (ja, kochen ist meine 2. Leidenschaft :)

Schwedenbåmbe
20
6.12.2010, 19:19

Das mit dem Schneiden hab ich bis heute nicht kapiert. Bin vor einem halben Jahr in ein Haus mit Garten (bereits mit vorhandenen verschiedenen Rosenarten bepflanzt) gezogen und ich hab die Panik, dass ich was falsch mache. Bisher hat mir keiner erklären können, wie man z.b. Kletterrosen schneidet (falls man das denn tut).
Gibts irgendeinen Buchtip oder Film im Netz?

A Voice
00
7.12.2010, 11:52
Mein Tipp wäre

woanders fragen: zB: http://www.hausgarten.net/gartenforum/
Finde ich sehr informativ.
Üben müssen Sie, klar, aber bei einer Rose ist da weniger verhagelt als bei einem Obstbaum ;-)

Hyla Arborea
03
7.12.2010, 09:42

Ja, und so sieht es in den vielen verschnittenen Gärten im Winter auch aus!! Gehölzschnitt will theoretisch und praktisch erlernt werden! Artkenntnis, pflanzenphysiologische Voraussetzungen, fachlich richtige Ausführung und die weitere, allgemeine Pflege der Pflanzen sind nix für „schnellschnell“. Mit einem „YouTube“ Video wird das schwierig werden...aber man lernt ja auch die Operation einer Gallenblase nicht "gach" einmal per „YouTube“. Fachbücher ja, aber das befreit nicht vor dem angeleiteten Üben. Gartenkultur ist eben auch Bildung, das ist ja letztlich das Feine daran. Nur ein „Garteng´schirrl“ am Fensterbrett macht noch keinen Gärtner!

A Voice
11
7.12.2010, 11:49
Sie sind

ja ganz offensichtlich supergscheit, aber die Schwedenbombe wird weniger an Anbetungsforderungen, getarnt unter verächtlichen Bemerkungen als an praktischen Tips interessiert sein.
Unterstell ich jetzt mal.

Hyla Arborea
00
7.12.2010, 12:07

Na ist doch schön, wenn Ihre kleine Welt mit vielen kleinen praktischen Tipps funktioniert, kleines aufbrausendes Stimmchen...um es ungetarnt, verächtlich zu bemerken!

A Voice
00
7.12.2010, 13:20
Warum wohl die Kompetenz bei Pflanzen?

ihnen muß man nicht interagieren, gell?
Dass mit dem Verachten hötten Sie nciht schreiben müssen, das kann man auch so rauslesen ;-)

Schwedenbåmbe
20
7.12.2010, 21:05

Danke, genauso hab ich auch reagiert und Sie haben mir die Arbeit erspart, es auch niederzuschreiben.

A Voice
00
8.12.2010, 15:00
Tut mir leid

daß Sie aufgrund meines Einmischens offensichtlich gleich rot kassiert haben - wie reif.

Hyla Arborea
02
7.12.2010, 18:38

Langsam kann ich Sie aufrichtig gut leiden! Nur Ihre Beobachtung oder Erkenntnis, dass man mit dem Gepflänz nicht interagieren muss, ist leider unscharf. Gerade die Pflege von diesen scheinbar langsam reagierenden, fast statisch wirkenden Geschöpfen fordert die menschliche Aufmerksamkeit und Wahrnehmung enorm; Fehlentscheidungen und Interpretationsfehler kommen leider all zu oft vor. Na ja, und abgesehen von ein paar Stacheln, Dornen oder Brennhaaren können sich die Pflanzen wirklich nur schwer gegen falsche Behandlung wehren....die haben eben keine Stimmen, die sie erheben können, wenn an ihnen „nur so“ herumgeschnipselt wird...

A Voice
00
8.12.2010, 14:59
Stimmt natürlich

daß man auch mit Pflanzen interagiert, wenn es auch eher schon Richtung Manipulation geht, aber das ist wohl auffassungsache.
Daß das an Ihre Grenzen geht ist wohl eindeutig dargelegt.

Gregor Fauma1
 
01
6.12.2010, 20:11
Steht doch eh ganz deutlich da ...

Den Haupt-Stamm nächsten Einjährigen stehen lassen, dahinter alles ab. Runterbiegen, gut ist.

Schwedenbåmbe
20
6.12.2010, 22:26

Hinter wo und wie weiss ich wie alt ein Ast ist? Bin leider von hinterm Mond, gartentechnisch, tut mir leid.

Gregor Fauma1
 
00
7.12.2010, 12:53
Ein Versuch:

Sie haben einen vertikalen "Haupt"-Stamm. Von dem ziehen Äste zur Seite. Auf diesen Ästen sind wieder Äste und auf diesen usw....
Einjährige Triebe sind idR noch grün und nicht verholzt, während die zweijährigen bereits eine deutlich braungraue Rinde haben, fest verholzt sind und auch nicht mehr biegbar sind. Fahren Sie mit ihrem Blick von Hauptstamm weg einem Ast entlang, finden Sie den ersten Einjährigen und machen dahinter "Schnipp". Fertig.

Hyla Arborea
12
7.12.2010, 09:49
PLLL

Vorschlag...treten Sie vor den Mond, und bitte die Gartenschere erst in die Finger nehmen, wenn Sie es geschnallt haben. Besuchen Sie einen der vielen angebotenen Kurse jetzt im Winter (Volkshochschulen, Gartenbaugesellschaft, Schrebergartenvereine usw.)! Richtig ausgeführte Pflanzenpflege ist nicht einfach. PLLL...Pflanzen leiden leider leise!!!

Hyla Arborea
02
6.12.2010, 05:21

Ja, mit den Rosen ist es schon eigentümlich...im Kreis der Gründaumen ist uns oft schon aufgefallen, dass die, nennen wir es die Zuneigung zu den Rosen, erst langsam im Lauf des gärtnernden Lebens erblüht. Setzt sie ein mit dem schleichenden, aber doch deutlichen Abkühlen der eigenen Blühkraft? Waren es anfangs strikt puristisch die „botanischen“ Wilden, besonders solche mit schneidenden, bösen Stechwerkzeugen (wie die gute Rosa omeiensis f. pteracantha ), kamen schleichend die prunkvollen, üppig duftenden dazu....wie wird das einmal in einer fernen Zukunft enden?

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