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Viele Winzer verzichten mittlerweile auf die Praxis der Chaptalisation, der Beigabe von Zucker in den Most, der die Alkoholausbeute steigert und nach Meinung mancher auch zu mehr Struktur führt.
Foto: pixelio.de/Karin Schumann
Die Zahl der Alkoholbomben unter den Weinen schießt in den letzten Jahren generell in die Höhe, heißt es. Speziell die Weine aus Bordeaux werden diesbezüglich gern an den Pranger gestellt. In Österreich sagt man das bevorzugt den Weinen der Wachau nach und beklagt, dass Trinkfreudigkeit und Genuss ausblieben. Andererseits ist im Burgenland ein Trend zu gemäßigteren Gradationen vor allem bei den Rotweinen zu verzeichnen. Viele Winzer verzichten mittlerweile auf die Praxis der Chaptalisation, der Beigabe von Zucker in den Most, der die Alkoholausbeute steigert und nach Meinung mancher auch zu mehr Struktur führt.
Die Beobachtungen sind nicht von der Hand zu weisen, wenn es auch wie vieles beim Wein nicht flächendeckend und für alles gilt. Für den Alkoholgehalt zuständig ist grundsätzlich einmal der Gehalt von Zucker in den Trauben. Der ergibt sich aus dem Jahrgang. Viel Sonne speziell in der Reifeperiode im Spätsommer und Frühherbst ergibt viel Zucker, in der Folge viel Alkohol im Wein. Dazu kommen "technische" Aspekte wie zum Beispiel ein besseres Know-how über die Zusammenhänge von Ertrag und Ausreifung. Weine, die in sonnenreichen Gegenden wie dem Burgenland entstehen, werden tendenziell immer höher im Alkohol sein als solche aus kühleren Gebieten.
Eine hohe Zahl vor dem Prozentzeichen am Etikett bedeutet nicht automatisch viel Geschmack. Denn zu dem tragen bekanntlich auch Komponenten wie Säuren, Tannin, Fruchtaromen einiges bei. Jedoch trügt auch der Umkehrschluss. Ein Wein mit zwölf Volumsprozent ist nicht automatisch gut, weil er weniger Alkohol hat. Alle geschmacksgebenden Komponenten zusammen müssen harmonieren wie ein gut eingespieltes Fußballteam.
Sehr gut nachzuvollziehen ist dies anhand der Jahrgänge 2009 und 2010 in Österreich. Der schöne Herbst des vergangenen Jahres sorgte für mächtige Weine, der kühle Verlauf des heurigen wird das Gegenteil bescheren, was jetzt per se kein Unglück bedeutet. Denn einer der wichtigsten Faktoren ist von der Zuckergradation völlig unabhängig: die Reife der Trauben. Aus beiden Jahren gibt es Weine, die harmonieren und in sich stimmig sind, und solche, die unrund schmecken. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/19/11/2010)
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dass Bordeaux verhältnismäßig leicht sei, ist nicht auszurotten. Welch fachliche Uninformiertheit steckt doch hinter dem Wiederkäuen dieses Gerüchtes. Der Mönch hat recht, dazu kommt, dass auf den Flaschen, zumindest früher, immer 12,5% oder 13% draufstand, egal, wie hoch der Alkohol wirklich war. Egal, was das Gesetz sagte. Wir haben das vor Jahren gemessen, professionell, das Ergebnis wurde auch veröffentlicht, aber halt nicht in der Tagespresse. 8 Flaschen Bdx, alle "12,5%". Reale Werte: 13,3 - 14. Ok, jetzt wissen wir´s, und jetzt? Ich mag Bdx, die klassischen (rar geworden, dank USA und Asien), es ist mir aber echt wurscht, welche Analysewerte der hat, wenn er mir schmeckt. Wenn nicht, dreimal.
aber alkoholbomben a la priorat waren die bordeaux trotzdem selten und (relativ) schlanke hats immer wieder gegeben. bin jetzt chemisch nicht so beschlagen, aber kann es sein, dass sich der alkoholgehalt im laufe der lagerung ein wenig ändert?
die klassischen gibts wirklich immer weniger. bei dieser entwicklung haben auch leute wie ein gewisser michel rolland mitgeholfen.
ohne da jetzt die viermillionste parker-debatte vom zaun brechen zu wollen, aber: parker wurde letztlich auch nur deshalb so erfolgreich, weil sein wein-verständnis dem aktuellen weinverständnis der 90er und 0er-jahre entsprach. man wollte in diesen jahren extrahierte, schwarze fruchtbomben und parker war ihr prophet. wenn der mann aus maryland sein wissen und seine außerordentlich gute wein-beschreibung damals für die bewertung filigraner, boden-geprägter weine eingesetzt hätte, wäre er gescheitert. diese phase kommt erst jetzt.
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