Rot wächst der Wein am gelben Fluss

19. November 2010, 17:21
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Weinfachleute sehen in China das gelobte Land für eine rosige Zukunft - 1,3 Milliarden Chinesen werden nämlich auch einmal auf den Geschmack kommen

Zwar ist Wein nicht erste Wahl: Pro Kopf wird noch weniger als eine halbe Flasche im Jahr getrunken. Doch bis zu 20 Prozent Zuwachsrate jährlich zaubert ein erwartungsvolles Lächeln auf die Lippen vieler Weinproduzenten. Das Glas zum Essen ist vor allem für den aufstrebenden Mittelstand Signal für einen gehobenen Lebensstandard mit West-Touch. Bordeaux ist das Maß jeglicher Dinge, die mit Wein zu tun haben. Chinesische Weinfirmen errichten ganze Dörfer, die Bordelaiser Kleinstädten nachempfunden sind.

Getrunken wird zu 90 Prozent Rot, und der kommt meist aus heimischer Produktion. Fünf Jahre hat es nun gedauert, bis in der Kooperation zwischen Château Changyu und dem Österreicher Laurenz Moser, Eigentümer einer Weinhandelsfirma in Frankfurt, alle Mentalitätsprobleme ausgeräumt und alle Vorstellungen akkordiert waren.

Moser berät den ältesten und heute größten Weinbaubetrieb Chinas, gegründet 1892, bei der Herstellung von Trauben aus bioorganischer Bewirtschaftung in der Region Ningxia, etwa 2500 Kilometer südwestlich von Peking. Auf 75 Hektar wird auch Rotwein aus chinesischem Cabernet Gernischt erzeugt, "einer Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Im Mai 2011 werden unsere ersten Weine nach Europa verschifft." Im Gegenzug beliefert Moser China mit seinen "Friendly" und "Singing" Grünen Veltlinern.

Lehm, Löss und Sand

Ningxia ist ein Hochplateau auf 1100 Meter Meereshöhe mit für Rebstöcke bestens geeigneten Böden aus Lehm, Löss und Sand mit hohem Humusanteil. Der Gelbe Fluss sorgt für Wasser, die Sonne scheint verlässlich mehr als in Bordeaux. Die Region ist dank des trockenen Wüstenklimas für die Bio-Bewirtschaftung wie geschaffen. "In puncto Bio-Zertifizierung arbeitet die Chinesen mit Deutschland zusammen. Die Standards sind also vergleichbar", erklärt Moser. Dass sich dadurch auch der Ertrag auf die europäischen 9000 Kilogramm herunterregulieren ließ, war ein weiterer Punkt pro bio. In China werden Erträge von 30.000 Kilogramm problemlos akzeptiert und Reduktion eher als Verlust an Menge denn als Steigerung der Qualität angesehen.

China liegt in puncto Rebflächen an fünfter Stelle, in puncto Weinproduktion an sechster Stelle der Welt der Statistiken des Internationalen Weinbauverbandes OIV. Die chinesische Weinwirtschaft ist großindustriell organisiert. Kleinbetriebe in Familienhand sind rar. "Silver Heights", ebenfalls in Ningxia gelegen und am häufigsten einschlägig belobigt, gehört der Familie der Önologin Emma Gao, die in Bordeaux studierte, in Frankreich verheiratet ist und zwischen Bordeaux und dem Helan-Gebirge pendelt.

Bereits 1999 gründeten die Tiroler Industriellen Swarovski-Langes die Bodega Langes in Changli, einem weiteren Weinbauzentrum in der Nähe der Halbinsel Shandong südwestlich von Peking. Produziert wird für Chinas Gastronomie und Hotellerie. Vermögenden Chinesen, die die Bodega besuchen - gleichzeitig auch Weininformationszentrum, Hotel und Spa -, bietet man unter dem Titel "Club Collector" besondere Flaschen zum Kauf an. Diese sind mit Swarovski-Steinen verbrämt und können vor Ort in Depots gelagert werden. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/19/11/2010)

  • Sieht schon aus wie im Bordelais - und das mit dem Geschmack wird auch bald.
    foto: weingut

    Sieht schon aus wie im Bordelais - und das mit dem Geschmack wird auch bald.

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