Strümpfe mit Muster

11. November 2010, 16:58
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Pro: "Die Elfenbeintürme hoch" von Karl Fluch - "Kontra: "Galaktische Expansion" von Alexander Fanta

+++Pro
Von Karl Fluch

Also gut, wenn es nur darum geht, in der Früh, weil die Milch wieder gebrochen ist, schnell zum Penny Markt zu stelzen, geb ich es auch billiger. Da genügt das blickdichte Model Omama, die einfärbige Version von Pippi Langstrumpfs langem Strumpf. Schließlich sind die Jungs dort selber nicht lecker und stehen blöd in ausgebeulten Trainern rum. Da gibt es nicht viel zu toppen. Aber am Abend, beim Dinner, beim Ausgehen, da kann, nein – was sag ich! – da muss es ausgefallener sein. Das Leben ist trist genug, und gerade die Beine als bodennahe Gliedmaßen werden von den Lagerfelds und all den anderen Modetypen ja tendenziell lieber freigestellt als eingekleidet. Das Prinzip Lustspecht, gegen das es natürlich eigentlich nichts zu sagen gibt. Am Abend also, da blubbern an meinen Beinen pelzige Blasen hoch, da zeigt ein bärtiger Eiffelturm dorthin, wo es wirklich hoch hergeht, da klettert Spiderman jene flaumigen Elfenbeintürme hoch, für die mich schon Natalia Vodianova beneidet hat. Das glauben Sie nicht? Ihr Problem.

Kontra---
Von Alexander Fanta

Es kneift im einen Bein, es zieht im anderen. Eine liebe Freud' haben Frauen und Schottenrockträger mit Strümpfen nicht immer. Im Sommer zu warm, im Winter zu kalt, dazwischen fremdelt die Faser auf der Haut. Bei gemusterten Strümpfen kommt noch das rein physikalische Problem hinzu, sprich: Dopplereffekt. Vom Standpunkt des Beobachters aus gesehen, wirken die beiden parallel laufenden Linien des Beinkleides so, als würden sie in die Unendlichkeit expandieren. An und für sich zarte Waden erreichen mit einem Mal die Proportion galaktischer Himmelskörper. Für Laufstegmodels in der Endphase ihrer Anorexie-Erkrankung mag das ja durchaus wünschenswert erscheinen. Dem gewöhnlichen Knödelesser jagt aber schon die reine Vorstellung nylonknisternde Angstschauer über den Rücken. Höchste Zeit also, das Strumpfuniversum zurück auf den Boden der Musterlosigkeit zu holen. Weg mit Nadelstreif, Polkadot und lustigen Kringeln! Am besten ist freilich, man gehe überhaupt nackend einher und bleibe strumpflos glücklich. (Der Standard/rondo/12/11/2010)

  •  Bei gemusterten Strümpfen kommt noch das rein physikalische Problem 
hinzu, sprich: Dopplereffekt.
    foto: der standard

    Bei gemusterten Strümpfen kommt noch das rein physikalische Problem hinzu, sprich: Dopplereffekt.

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