Plastikblumen

28. Oktober 2010, 17:26
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Pro: "Bleibende Schöhnheit" von Tanja Paar - Contra: " Bleibender Müll" von Benno Zelsacher

+++Pro
Von Tanja Paar

Gerade an einem Ort der Vergänglichkeit wie dem Friedhof, der uns permanent daran erinnert, dass wir Asche sind und zu Asche zurückkehren werden, tut ein kleines, dauerhaftes Glück unendlich gut. Wenn wir schon dahinscheiden müssen, sollen wenigstens die Blümlein für die Ewigkeit sein.

Die südlichen Nachbarn machen es uns vor. Keinem anständigen Italiener zum Beispiel würde es einfallen, echte Schnittblumen an die letzte Ruhestätte seiner Lieben zu zerren oder sich gar gärtnerisch zu betätigen - macht ja auch nur Arbeit und ist ein Quell von Zank und Zorn. Unzählig die Geschichten von streitenden Friedhofsbesuchern, die sich ob der Höhe des wuchernden Buchsbaums am Nachbargrab derart in die Haare geraten, dass von letzter Ruh keine Rede mehr sein kann.

Auch wildgewordene Rosenbüsche, garstige Thujen oder rücksichtslos über die Einfriedung wuchernder Efeu tragen nicht zum Frieden unter den Trauernden bei. So manche Auseinandersetzung endete schon unter Einsatz der Gießkanne. Das soll nicht sein!

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Kontra---
Von Benno Zelsacher

Die Chance, dass ein Plastikblumenstrauß, ausgesetzt auf einem mitteleuropäischen Friedhof, dereinst einmal den sogenannten "Great Pacific Garbage Patch" bereichern wird, ist nur auf den ersten Blick nicht allzu groß. Von den rund 100 Millionen Tonnen Plastikmüll, der den Ozean zwischen Nordamerika und Asien großflächig schmückt, wird der überwiegende Teil von den Flüssen ins Meer gespült.

Und so ein Blümchen aus Kunststoff hat ja jene Zeit, die seinem natürlichen Vorbild vom Schöpfer nicht gegeben ist. Wenn es Glück hat, wird sich seine Produktion sogar zweimal ausgezahlt haben, werden es beispielsweise Albatros-Eltern für super Futter für das Albatröslein halten, was für dieses wiederum großes Pech sein wird.

Na gut, sicherlich, man kann sich als Binnenländer nicht um alles kümmern, und die pflegeleichte Plastikblume ist auf den ersten Blick genauso praktisch wie die Schnittblume, dieses schöne Symbol der Vergänglichkeit. Man muss sie nicht gießen. Keine Blume freilich muss man auch nicht gießen. (Der Standard/rondo/29/10/2010)

  • Ein kleines, dauerhaftes Glück.
    foto: der standard

    Ein kleines, dauerhaftes Glück.

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