Wein im Gerede

Edler Stoff

22. Oktober 2010, 17:13
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    foto: christian fischer

    Sich den Luxus leisten, die Weine nicht abzufüllen, sondern "im Gebinde" zu verkaufen.

Luzia Schrampf über das Luxuriöse am Wein

Da wären die Super-Premium- oder Ultra-Premium-Weine, die signalisieren, dass hier etwas Überdrüberes im Glas ist. Um einen Wein zum Kultwein zu machen, reichen eine einigermaßen gute Beurteilung in einschlägigen Publikationen und ein mäßig einfallsreicher Marketing-Texter.

Es soll auch vorkommen, dass Flaschen durch Aufkleben von Glitzersteinchen in den Rang des Besonderen erhoben werden, ohne dass jetzt eine signifikante Qualitätssteigerung des flüssigen Inhalts damit verbunden wäre. Luxus und Qualität sind völlig entkoppelt und haben so gut wie nichts damit zu tun, ob einem das Ding dann auch tatsächlich schmeckt.

Bei Wein-Spekulationen bringen nur absolute Klassiker die ersehnten Preissteigerungen, die dafür auch in Zeiten der Krise. Dazu zählen die ersten Gewächse des Médoc wie Mouton-Rothschild, Latour und Co oder Edeltropfen aus Pomerol wie Le Pin oder Chateau Pétrus, die beide um weit mehr als 1000 Euro pro Flasche gehandelt werden (auch wenn beide ex Weingut interessanterweise deutlich weniger kosten). Die vorhandene Menge ist dabei nicht ausschlaggebend.

"Im Gebinde"

Mouton-Rothschild und andere Premiers Crus gehen in die Hundertausend abhängig vom Jahrgang, sind jedoch eben so stark nachgefragt. Von Le Pin gibt es unter "normalen" Umständen jährlich rund 7000 Flaschen, von Chateau Pétrus rund 30.000. Der Weingarten, der Le-Pin-würdige Trauben hervorbringt, hat nun einmal kaum zwei Hektar, die Fläche für Pétrus etwa elf. Beide Erzeuger leisteten sich in der Vergangenheit auch den Luxus, die Weine nicht abzufüllen, sondern "im Gebinde" zu verkaufen: Le Pin im Jahrgang 2003, da die Trauben durch in der Hitze des Sommers "aufgekocht" wurden und nicht die Voraussetzungen für einen Wein dieser Güte erfüllten.

Wein ist kein Grundnahrungsmittel wie Butter oder Milch. Doch Luxus nur an Preis und Verfügbarkeit festzumachen, ist zu einfach. Angenommen, Luxus ist etwas Erfreuliches und Befriedigendes, dann kann das zum Beispiel eine Flasche sein, die bewusst ausgewählt wurde und besonders gut zu einem Festmahl oder zu den geladenen Gästen oder idealerweise zu beidem passt - egal ob sie nun fünf, fünfzig oder fünfhundert Euro gekostet hat. (Der Standard/rondo/22/10/2010)

Kommentar posten
21 Postings
ali salod
07
23.10.2010, 19:34

mir gehen die Leute auf die Nerven, die sagen, ein Wein unter 10 Euro sei ihrer nicht wert, mir gehen aber auch jene Brüllheinis auf den Wecker, die bei jeder Gelegenheit schreien, dass es zwischen einem Wein um 4 Euro und einem um 40 eh keinen Unterschied gibt ... jeder soll trinken bzw. saufen was er will.

zwurbelbart
 
00
6.11.2010, 15:23

mir gehts halt vor allem darum dass ordentlich gearbeitet wird, der wein also so produziert wird, wie sichs gehört.

und dafür muss man im supermarkt halt eben über 5 euro gehn... ab hof bei kleinen weinbauern reichen aber oft schon 2-3 euro.

außerdem is das preisdumping durch einige große hersteller meiner meinung nach nicht zu unterstützen. gilt dann im idealfall natürlich auch für alle nahrungsmittel

ali salod
00
13.11.2010, 01:05

preisdumping steht nicht zu debatte,
dass 2-3 euro meist zu wenig sind, auch nicht, lies dir einfach mein posting noch einmal durch.

florian holzer2
00
24.10.2010, 18:17

bingo!

Tante Herbert
01
23.10.2010, 16:07
Tja, das mit der Herkunft is ja auch so eine Sache.

Man sieht ja im Herbst doch vermehrt Tanklaster mit Burgenländer oder Steirischer Zulassung im Weinviertel.

tramezzino
00
1.11.2010, 16:57

da wird mit großer wahrscheinlichkeit grundwein für die sektherstellung angeliefert. oder er wird für "landwein" verschnitten.

janosch83
00
24.10.2010, 04:08

ist ja auch legal, nur eine frage in welcher qualitätstufe der wein sich befindet...

Terence Lennox
00
23.10.2010, 11:59
anmerkung..

..sowohl le pin als auch petrus kosten in manchen jahren sehr wohl jene 1000 euro (oder ähnlich wertige summen, wenn der jahrgang in der vergangenheit lag) ab weingut, die hier als händlerpreis angegeben werden. in anderen jahren wieder nicht.

le pin und petrus werden flaschenbeschränkt. den angaben der güter zu glauben (zahl und fläche), wäre aber humbug. app: mouton und latour erzielen ähnlich hohe preise. bei 10 facher menge (und auch darüber)..

tramezzino
00
1.11.2010, 17:00

latour z.b. hat drei verschiedene qualitätsstufen, da kommt schon eine große menge zusammen.

im "bordeaux" gibt es rd. 1.100 weingüter, davon raufen 95% ums überleben.

ZOLAISGOD
13
22.10.2010, 20:58

wein ist gut wenn er mir schmeckt, nicht wenn er viel gekostet hat.

wir machen bei events oft blinde weinverkostungen und da zeigt sich immer wieder wie leute sich irren. ein roter chilene der da verkostet wird wird meistens auf £ 40+ geschaetzt dabei kostet er £ 5.75....der Master of Wine der die Verkostungen fuer uns macht meint dazu nur, das wine snobbery bei vielen leuten einfach uebernimmt, und sie vor lauter wichtig billige weine einfach nicht in betracht ziehen...

mhr
00
23.10.2010, 09:40
der chilenische wein (2)

im großen und ganzen wird der chilenische rotwein (im 5-7€) Segment für einen globalen markt produziert, von weingütern wo dann internationale Getränkekonzerne dahinterstecken. Das Zielprodukt ist in der Regel ein leicht komplexer, extraktreicher wein - der jedes Jahr gleich schmecken soll, und für den schnellen Konsum 2 Jahre nach der Ernte in die Flasche kommt.

Aber es stimmt schon - in Österreich bekommt man teils sicher schlechter oder genauso vinifizierte weine ums vielfache vom geld. es scheint sogar so als würde das auch von den salon und landesweinprämierungskostern auch honoriert. kein wunder, wie man sieht kennt sich da kein master of wine oder anderer mehr aus wenn bei einer blindverkostung so ein marmeladen-wein im glas ist.

tramezzino
00
1.11.2010, 17:04

santa rita z.b. ist das größte chilenische weingut, ca. 2000ha. die machen "supermarktwein" aber auch so herrliche tropfen wie den casa real. beide seiten haben ihre berechtigung.

El_Guanche
00
23.10.2010, 10:31

Kalifornische Rotweine sind auch oft nach der Eichenhackschnitzelmethode "vinifiziert"!

florian holzer2
00
24.10.2010, 18:21

ja, italienische auch. bitte der europäischen rotwein-propaganda nicht so leicht auf den leim gehen, danke. es gibt überall solche und solche.

bin eh nur I
00
24.10.2010, 06:34

1. nicht nur in Kalifornien und 2. man schmeckt's ...

mhr
00
23.10.2010, 09:33
dass der chilenische wein um so vieles billiger ist

liegt einfach daran dass die arbeitskraft da unten einfach nichts kostet. um gesetzliche regelungen beim pflanzenschutz muss man sich da unten auch keine sorgen machen.

mit dem weingesetz sieht es dort auch anders aus - umkehrosmose an, eichenchips rein und schon hat man das schöne dickflüßige marmeladensafterl. nur muss man den schlotter eigentlich gleich in den nächsten zwei jahren trinken.
bei manch anderen hochpreisigen rotweinen bei denen weniger drastisch in die weinbereitung eingegriffen wird schaut die sache aber auch anders aus - da hat man lagerzeiten von vielen jahren.

uni versalis
00
27.10.2010, 22:31
liegt zwar auch an den löhnen, aber nicht nur.

die betriebsstrukturen spielen eine rolle (die größe der bewirtschafteten flächen), aber auch günstigere klimatische bedingungen.

DrBelacqua
00
23.10.2010, 17:17

Das mit den Kosten der "Arbeitskraft" ist ein Märchen. Das macht die Trauben nicht reifer oder süßer.

marty fink
00
24.10.2010, 11:18
It's the Kellertechnik stupid!

friedrich kabenaf
00
22.10.2010, 22:47
gute (bessere) weine haben ihren preis

es gibt natürlich auch lausige weine, die viel geld kosten. aber, ich bin der meinung, daß der winzer als hersteller von teuren weinen auf sein rennomee schauen muß .. der kann es sich nicht leisten, billigen, minderwertigen wein unter seinem guten namen zu verkaufen...
also, ich schau zuerst auf den winzer und das gebiet, der preis ergibt sich dann fast von selbst.!

stadtstreicher unterwegs
34
22.10.2010, 19:37
na endlich!

ich ärger mich schon lange über aussagen wie "eine flasche unter 20 Euro schmeckt nicht" oder "wer wein für fünf Euronen trinkt, ist selber schuld" spekulanten gibt's überall, also auch hier. für mich grund genug, den wein zu probieren und wenn er mundet, ist mir ein niedriger preis grad lieb.

damit wir uns aber richtig verstehen: es gibt auch weine über 30 € die gar zurecht so viel kosten. aber die müssen auch nicht oft auf den tisch!

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