Fremdeinfluss

17. Oktober 2010, 18:31
  • Keine Angst vor Neophyten wie dem Japanischen Schlitzahorn.
    foto: wikimedia commons / júlio reis

    Keine Angst vor Neophyten wie dem Japanischen Schlitzahorn.

Sind Gärtner unpolitische Menschen? Mitnichten, behauptet Gregor Fauma und berichtet vom politischen Garten, und wie er gedeiht

Treffen Gärtner aufeinander, so tauschen sie gerne Erfahrungen und Tipps zu Spritzgurken, Kompostumwälzrhythmen und Wühlmäusen aus. Sie verlieren sich in Gesprächen über Sissinghurst, Laxenburg und die goldene Gartenkralle, driften aber nur selten ins Politische ab. Sind denn Gärtner nicht politisch, oder ist der Garten gar das politische Statement schlechthin? Ein durch und durch sozialdemokratischer Garten bietet jedem ein bisserl etwas. Da ist viel Platz für die Krewecherln, mit Fürsorge werden schwache Pflanzen über die Saison gebracht, und wenn eine einmal nicht mehr blühen will, so darf sie getrost und gut genährt in den wohlverdienten Ruhestand gehen; meist ist das ein nicht so gut einsehbarer Winkel hinter dem Haus. Ist die Witterung einmal ungünstig und der Boden schon ein wenig ausgelaugt, so betreibt der Gärtner Deficit-Spending und verwöhnt seine Zöglinge erst recht mit großzügigen, regelmäßigen Düngergaben, auf dass sie unter besseren Bedingungen so richtig losblühen mögen. Was er jedoch nicht verhindern kann, ist die Ballung von Neuankömmlingen in den heruntergekommenen Ecken seiner Beete.

Diese Pflanzen wurden per Samenflug von Nachbars Garten herübergeweht und sind prinzipiell willkommen. Nur sollten sie halt keinen zusätzlichen Aufwand bedeuten - am Ende werden dem Gärtner sonst seine angestammten Pflanzerln gram, und sie wandern ab in den Garten des nächsten Konzepts: Dieses besteht darin, den Garten gegen jeglichen Fremdeinfluss zu schützen, nur Einheimisches zuzulassen und darauf zu achten, bloß ja keine Hybriden mit Dung und Zuwendung zu verwöhnen. Neophyten, das sind Pflanzen mit migrantischem Hintergrund, dürfen nur dann ihre Wurzeln schlagen, wenn sie aussehen wie endemische, hier ursprünglich gedeihende Gewächse. Aber weder Paradeiser noch Japanisches Schlitzahorn werden es trotz aller Anstrengungen nicht zur Tanne schaffen.

Nur die Stärksten säen

Pech gehabt, raus mit ihnen aus dem Beet. In einer anderen Hinsicht extrem sind jene Gärten, in denen nur die stärksten und ertragreichsten Pflanzen wachsen dürfen. Sukzessive fährt der Gärtner die Düngergaben runter, Jahr für Jahr gibt er weniger für Bodenverbesserer aus und betreibt am Ende des Blühjahres Samenselektion, um im kommenden Jahr nur die Stärksten zu säen. Die paar Sonderlinge, die abseits dieses Konzepts versuchen, trotzdem ihre Wurzeln auszustrecken, werden gerade einmal ignoriert und sich selbst überlassen. Die Befruchtung der Blüten hat gefälligst anständig per Bienen zu erfolgen, zwittrige Pflanzen oder gar Selbstbestäuber finden in diesen Anlagen keinen Platz.

Manche Gärtner gehen wiederum ganz andere Wege und achten darauf, möglichst vielen Formen, Farben und Ansprüchen gerecht zu werden. Herkunft, sexuelle Bedürfnisse und andere Eigenarten werden als Bereicherung empfunden, die Pflanzen dürfen sich öffentlich selbst befruchten, und man achtet tunlichst darauf, auch kleinen, weniger lauten Pflanzen ihren Raum zu geben. Es geht im Beet drunter und drüber, und bald schon verliert der Gärtner den Überblick, erntet ein wenig Selbstangebautes und sucht Entspannung in der Kontemplation darüber, wie er für ständigen Kompost-, Dünger- und Wassernachschub sorgen soll. Und da sag einer, Garteln wäre unpolitisch. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/15/10/2010)

  • Fauma & Flora

    Das Rückgrat der Fisole [4]

    TitelbildBohne, Zucchini und Kürbis brauchen eine Stütze - Die ist ihnen der Gärtner, der im Mai ausreichend Rankhilfen aufstellt, weil das junge Gemüse sonst bald den Kopf hängen lässt

  • Fauma & Flora

    Trau keinem Tau auf Rosen! [6]

    TitelbildJetzt ist der Moment, um Rosen an Land auf Pilzbefall zu untersuchen und für neue Seerosen ein passendes Gewässer zu finden

  • Fauma & Flora

    Süßsaurer Mai [24]

    TitelbildDie Eisheiligen stehen vor der Tür. Welches junge Gemüse trotzdem schon hinausdarf und was besser im Haus bleibt, weiß Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Ein Beet als Blütenwand [5]

    TitelbildDer Nachbar wird schön schauen: Wegen der Hortensien ums Hochbeet sieht er bald nicht mehr in Ihren Garten! Einige Anregungen, die zu Freude und Erfolg führen mögen.

  • Fauma & Flora

    Eingeborene sind selten Eingefrorene

    TitelbildAutochthone Pflanzen wie die Clematis können mit Frostattacken im April eh gut umgehen - Exotische Schönlinge brauchen halt momentan ein wenig mehr Aufmerksamkeit, weiß Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Mit einem Hochbeet auf Augenhöhe gärtnern [57]

    TitelbildEin Hochbeet schont den Rücken, nicht das Geldbörsel - Es sei denn, man greift zu Hammer und Nägeln anstelle von großteils hässlichen Fertigsets, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Scharfe Sachen vom Kompost [7]

    TitelbildGuter Dünger muss reifen wie Wein, aber bei einem Verschnitt aus Ästen und Gras kann man nachhelfen

  • Fauma & Flora

    Mangoldgrube [4]

    TitelbildViel Platz unter der Sonne und reichlich Wasser will der Krautstiel - Er dankt's dem Beilagenesser mehrfach in einer Saison mit üppigen Ernten, weiß Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Hilfe zur Selbsthilfe [17]

    TitelbildAdvent und Wohltätigkeit gehören zusammen. Charity im eigenen Garten ist, wenn man dem Lieblingsstrauch die (Schnee-)Last nimmt und alle Stauden stützt, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Kopfnuss im Erdbeerland [1]

    TitelbildWie feucht und sandig mag's die Fragaria? Die Antwort auf genau diese Frage ist eine süße Denksportaufgabe, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Mäuse füttern im Zwiebellook

    TitelbildSolange die Böden noch nicht gefroren sind, heißt es: dick anziehen und großzügig sein mit Blumenknollen - Das freut natürlich auch den einen oder anderen Nager, der dafür selbstlos die Erde lockert

  • Fauma & Flora

    Anamnese vor dem Wildwuchs [12]

    TitelbildLos geht's: Rasch das alte Laub aus den Gartenschlapfen beuteln und sofort draußen klären, was die Pflanzen bald schon brauchen werden

  • Fauma & Flora

    Anden-Abhärtung [1]

    TitelbildTropische Pflanzen wie die Engelstrompete wachsen auch in den südamerikanischen Bergen - Minusgrade, nur für kurze Zeit, machen sie sogar robuster, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Krautiger Nachtfalter [7]

    TitelbildDer Gewöhnliche Steinklee macht etwas Ungewöhnliches: Er faltet seine Blätter vor dem Schlafengehen, um uns den nächsten Tag zu versüßen - Womit, verrät Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Zocken mit dem Frost [1]

    TitelbildFür Gärtner ist der November ein Glücksspiel: Friert es, gibt es hohe pflanzliche Verluste zu beklagen - Auf Sicherheit spielende Outdoor-Experten setzen dagegen das herumliegende Laub einfach als Thermojacke ein - Eine warme Empfehlung von Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Wider die Vampirattacke [17]

    TitelbildDem Gärtner stinkt die frühe Dämmerung, er steckt die Zehen in den Boden: Tipps für den Knoblauchmonat Oktober von Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Komposthaufen: Lasagne alle verdure [3]

    TitelbildSchicht für Schicht abwechselnd Trocken- und Grünzeug übereinanderlegen: Das hat sich auch beim Komposthaufen bewährt - Faule Tricks von Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Im Herbst zeigt es sich [3]

    TitelbildDer Herbst ist der Höhepunkt des Gartenjahres - so zur rechten Zeit vorgesorgt wurde

  • Fauma & Flora

    Der Garten auf der Couch [2]

    TitelbildStellen Sie sich vor, Sie sind Psychiater, und ein Garten kommt zu Ihnen - Redet er ständig vom Dachs, hat er keinen Dach(s)schaden - Das Problem liegt tiefer. Also beim Boden, meint Gregor Fauma

  • Fauma & Flora

    Ein Paradeiser-Weiser [41]

    TitelbildDas Nachtschattengewächs mit dem heißumstrittenen Namen wird gern auf dem Balkon gezogen - Gregor Fauma über Theorie und Praxis der Tomate

  • Fauma & Flora

    Kiwi-Klischees: Unrasiert im Eierbecher [10]

    TitelbildDie Kiwi und ihre Klischees: Die populäre Neuseeländerin ist in Wahrheit gebürtige Chinesin, und dass sie in Österreich nicht reifen mag, ist auch Blödsinn

  • Fauma & Flora

    Garten-Groupies [8]

    TitelbildWenn die Groupies kommen, kriegt Gregor Fauma zwar Schampus verehrt - aber anstrengend ist es schon

  • Fauma & Flora

    Der Geiztrieb beim Wein [14]

    TitelbildZurückstutzen oder wuchern lassen? Das ist die Frage, die über die Süße der Trauben entscheidet - Gregor Fauma gibt Tipps für die Rebenpflege

  • Fauma & Flora

    Der Wind als Hund [11]

    TitelbildDass der Wind noch selten etwas Gutes gebracht hat, können Gärtner aus ganzer Seele bestätigen - Gregor Fauma über den Feind der zarten Blüte

  • Fauma & Flora

    Septemberarbeit [2]

    TitelbildErschöpfend war das Nichtstun des Sommers, jetzt aber darf Gregor Fauma umso intensiver garteln

ich weiß, herr fauma, es ist ein wortspiel, aber trotzdem nicht so ersichtlich wie etwa bei krisenfrey...

kann bitte jemand von der redaktion das dossier in fauna und flora umändern lassen. fauma irritiert mich schon geraume zeit....

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.