Flambieren

14. Oktober 2010, 17:06
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Pro: "Saufen und zündeln" von Alexander Fanta - Kontra: "Fusel rettet nichts" von Otto Ranftl

+++Pro
Von Alexander Fanta

Einen großzügigen Schlenker Cognac, das metallische Aufschnappen eines Zippo-Feuerzeuges, und schon brennt die Kasserolle. Ein wohliger Hauch Brand-Wärme weht durch das Lokal. Da mag im Gastraum schon einmal leichte Panik ausbrechen. Doch der flamboyante Gast hat immer recht. Es gibt wenig Schöneres als die Verbindung aus der Menschen zweier liebster Laster, Alkoholismus und Pyromanie. Dass danach der Dinner-Begleitung eventuell Stirnfransen oder die Hutkrempe fehlen, stört wenig. Immerhin hat man etwas angezündet. Belohnt wird der Gast mit einem Geschmack, der an Waldbrand und Lagerfeuer erinnert - und natürlich an Schnaps. Der Urzeit-Jäger in uns hat wieder ein Stück Fleisch erlegt. Da ist es egal, wenn das Endprodukt im Geschmack eher den brunftigen Alkoholiker in uns pläsiert. Denn: Flambieren ist einfach sexy. Selten lagen das Verrauchte und das Verruchte so nah beieinander. Auch wenn man dafür das ganze Lokal gegen sich aufgebracht hat. Oder den Großtuern am Nebentisch die Show gestohlen hat.

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Kontra---
Von Otto Ranftl

Mit Alkohol wird alles besser. Wenn sich die ganze Welt schöntrinken lässt, dann muss Flambieren ja auch ein Mittel sein, die Dinge zurechtzurücken, wenn es in der Küche nicht so klappt. Fusel drüber und anzünden - das macht etwas her, schaut nach großer Küche aus, das Feuer wärmt das Herz, und die Geschmackssinne werden eingelullt. Der zu Leder gebratene Fleischlappen schmeckt dann wenigstens nach Cognac - oder halt Weinbrand.

Wenn eine Speise nicht entspricht, hilft der Sprit auch nicht mehr. Ist ein Gericht dagegen gelungen, stört der darübergegossene Alkohol. (Nur bei Plumpudding wollen wir eine Ausnahme machen, der braucht die Schnapsbeigabe, wie anders sollte man das Nierenfett verdauen.) Für alle anderen Fälle gilt: Der Koch und die Köchin mögen sich am Herd bemühen und nicht in der Show. Der Mensch will einfach Fleisch schmecken, wenn er Fleisch isst. Und wer etwas Hochprozentiges dazu möchte, ist besser bedient, wenn er die Sache unversoßt, nämlich unverfälscht genießt. (Der Standard/rondo/15/10/2010)

  • Mit Alkohol wird alles besser.
    foto: der standard

    Mit Alkohol wird alles besser.

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