"Happy Nightmare Baby" von Opal

14. Oktober 2010, 10:52
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Das Album verströmt immer noch die geheimnisvolle Schönheit, die der knappe Bandname verspricht

Als Opal 1987 Happy Nightmare veröffentlichten, wirkte es wie ein Fremdkörper. Dieser erschien ausgerechnet auf SST. Einem kalifornischen Label, das in der Welt als Synonym für dynamisch-durchgeknallten Hardcore und Post-Punk galt. SST war Heimat von Bands wie Black Flag, Hüsker Dü, Dinosaur Jr. und anderen Bilderstürmern.

Opal passten mit ihrem psychedelischen Rock da nicht wirklich hin. Andererseits verdeutlichte Happy Nightmare Baby die Firmenpolitik des Labels, das alles machte, worauf es Lust hatte. Im Gegensatz von etlichen anderen SST-Veröffentlichungen, die man heute nur noch milde belächeln kann, konnte der Zahn der Zeit Happy Nightmare Baby nichts anhaben. Im Gegenteil. Es verströmt immer noch die geheimnisvolle Schönheit, die der knappe Bandname verspricht.

Ins Leben gerufen wurde Opal von David Roback und Kendra Smith. Roback zählte davor mit der Band Rain Parade zum Paisley Underground. Einer lose verwandten Bandgroßfamilie an der US-Westküste, zu der auch Kendra Smith' Band The Dream Syndicate oder Green On Red gehörten. Alles Traditionalisten mit Punk-Erweckungserlebnissen.

Auf verführerische Art waren das auch Opal. Mit Punk als Werkzeug, das alles ermöglicht, schufen sie prächtige Stücke mit Streichern, Keyboards und auf Droge gestimmten Gitarren. Immer im Midtempo angesiedelt produzierten Opal einen zähen Mahlstrom in dem Smith' verschlafener, dabei heller Gesang Kontrapunkte setzte. Prägend für das Album ist der Keyboardsound, der deutlich von Ray Manzarek und den Doors beeinflusst ist, dabei aber ökonomisch bleibt. Stücke wie Siamese Trap entfalten überhaupt erst wegen des genialen Tastenspiels von Suki Ewers ihre hypnotische Qualität. Einige begnadete Breaks und ein gut dosierte verwendetes Wah-Wah-Pedal besorgen den Rest. Leichtfüßige Einschübe wie der Titelsong veredeln die Chronologie dieses Meisterwerks, dem leider kein Nachfolgen vergönnt war.

Opal zerfiel nach Smith' Abgang während der ersten Europa-Tour. Als Ersatz engagierte Roback Hope Sandoval, mit der er bald die Band Mazzy Star gründete und weltberühmt wurde. An die Qualitäten von Opal kam er mit Mazzy Star nicht heran. Um Kendra Smith wurde es nach Opal ruhig. 1995 veröffentlichte sie am britischen 4AD-Label das Soloalbum Five Ways Of Disappearing. Anschließend beherzigte sie einen der fünf Wege - und verschwand. Zumindest aus dem Musik-Business. Zu Happy Nightmare Baby konvertieren heute noch viele via Mazzy Star. Anders als der schlafwandlerische Dream-Pop von Mazzy Star entfaltet dieses noch immer seine verführerische Magie: Magick Power. So heißt hier auch ein zentraler Song. (flu, RONDO/DER STANDARD - Printausgabe, 15. Oktober 2010)

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    foto: cargo records
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