Dinge, die man macht, wenn man am Wochenende nicht aufs Land fährt
Man kauft Bücher, für deren Lektüre man weder Zeit noch Lust haben wird. Man ersteht einen Sack Zeitschriften und wird auch diese nicht lesen. Man geht auf den Markt und schleppt Sachen heim, damit sie im Kühlschrank verrotten. Man mistet Regale aus und stellt fest, dass man alles braucht. Man schaut sieben Folgen der US-Serie The Wire und träumt von Drive-by-Shootings. Man fühlt sich unrund und kauft beim Stammdealer CDs, die man ein Jahr später ungehört verschenkt. Man wird wegen des schönen Wetters von Schuldgefühlen geplagt und zwingt die Kinder, einen Familienausflug zu machen. Die Kinder werden zornig und sagen: Mach ihn doch selber.
Man taut zwei Kilo Wild auf und kocht es. Zwei von vier Personen im Haushalt lehnen Wild entschieden ab. Der Film Bambi spielt dabei eine Rolle.
Man versucht, einen Mittagsschlaf zu machen und wird von einer SMS draußen in Pröllistan geweckt: "Wo seid ihr? Wetter ist super! Wir grillen gerade."
Man will Ordnung in seine Buchhaltung bringen. Die Kinder kommen und maulen, dass ihnen langweilig ist. Man schlägt einen Familienausflug vor und endet vor Folterszenen im Ölbildmuseum. Die Familie meint, Kino wäre besser gewesen, aber es müsse ja immer nach dem Papa gehen. Wieder daheim, legt man sich für eine Stunde in die Badewanne. Eine Stunde später sind 60 Minuten vergangen.
Am Sonntagabend ist der Spuk vorbei. Der Tatort ist wieder einmal schrecklich. (Christian Schachinger/Der Standard/rondo/15/10/2010)