Austriakischer Trinker

7. Oktober 2010, 17:13
  • Artikelbild
    foto: noma

    Legt sich für österreichischen Wein ins Zeug: Pontus Elofsson, Sommelier im Noma (Kopenhagen), mit Weinen von Pichler-Krutzler, Veyder-Malberg und Gut Oggau.

Pontus Elofsson ist Sommelier im besten Restaurant der Welt, dem dänischen Noma - Severin Corti erklärte er, warum österreichischer Wein in seiner Karte ganz oben steht

Pontus Elofsson ist Sommelier im besten Restaurant der Welt, dem dänischen Noma. Severin Corti erklärte er, warum österreichischer Wein in seiner Karte ganz oben steht.

DER STANDARD: Österreichische Weine sind im Noma stark vertreten, jetzt bieten Sie gar ein Menü an, zu dem nur Wein aus Österreich kredenzt wird. Sind unsere Weine tatsächlich unter den besten der Welt?

Pontus Elofsson: Na hören Sie mal! Eindeutig spielen Leute wie Roland Velich, Fred Loimer, die Fidesser-Brüder oder Christian Tschida - da nenne ich nur ein paar wenige - ganz vorn mit. Was Velich mit Moric geschaffen hat, das kann sich mit ganz großen Gewächsen aus Burgund messen - und zwar locker. Dass die Weine aus der Wachau, aus dem Kamptal, vom Leitha- oder Eisenberg keine so großen Namen haben wie manche Franzosen, ist klar. Aber für ein Restaurant wie Noma ist es spannend, diese News unter unseren Gästen zu verbreiten.

DER STANDARD: Wie reagieren Ihre Gäste auf den Österreich-Schwerpunkt?

Elofsson: Extrem positiv. Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere Gäste geradezu erwarten, von uns Neues, Ungewöhnliches präsentiert zu bekommen. Für Namen, die jeder kennt, muss man nicht unbedingt ins Noma. Sehen Sie sich unser Essen an - das lässt sich mit Begriffen wie Klarheit, Intensität, Naturbelassenheit, Leichtigkeit und Eleganz beschreiben. Die Weine sollen dazupassen, verwandte Qualitäten mitbringen: Eleganz im Körper, ausgeprägte Mineralität, ein schönes Säurespiel, vor allem aber Finesse und Authentizität gegenüber dem Terroir. Dass wir viele Weine aus kühlen Klimaregionen wie Deutschland, dem Piemont, der Loire oder Österreich haben, liegt auch daran, dass diese Weine ganz wunderbar mit der Küche von René Redzepi korrespondieren.

DER STANDARD: Erinnern Sie noch, wann Sie auf österreichische Weine aufmerksam wurden?

Elofsson: Ach, das ist sicher 20 Jahre her. Die Rieslinge von Prager oder Knoll haben mich begeistert. Aber in Schweden, wo ich herkomme, war es unmöglich, an Austro-Weine heranzukommen. Zum Glück haben wir in Kopenhagen einen Importeur, der sich exklusiv mit österreichischen Winzern beschäftigt, stets auf der Suche nach neuen Talenten ist und, was wir im Noma sehr schätzen, einen besonderen Fokus auf biodynamische Weine hat. Mir gefällt extrem gut, was etwa Meinklang im Burgenland macht.

DER STANDARD: Sie propagieren auch naturbelassene Weine, bei denen auf Schwefel ganz verzichtet wird - das kann am Gaumen zu ungewöhnlichen Geschmackserlebnissen führen. Wie sind die Reaktionen der Gäste?

Elofsson: Wenn Sie so etwas erstmals im Glas haben, kann das schon befremdlich sein. Das hat mit dem, was wir unter großem Wein verstehen, ad hoc nicht immer viel gemein. In der Kombination mit den Speisen bekomme ich aber überwältigend positive Reaktionen. Unsere Gäste kommen mit einem offenen Geist, sie erwarten, von uns überrascht zu werden.

DER STANDARD: Was im Noma neben der Küche für Begeisterung sorgt, ist die symbiotische Qualität des Service, der persönliche, unaufgeregt entspannte Stil. Gäste berichten, dass Sie nach dem Essen am liebsten noch mit der Mannschaft ausgehen würden - ungewöhnlich für ein Luxusrestaurant?

Elofsson: Von Beginn an wollten wir auch im Service einen neuen Stil prägen, einen Ort schaffen, in dem wir selbst uns als Gäste auch wohlfühlen würden. So gibt es bei uns keine gestärkte Tischwäsche, manches wird mit den Fingern gegessen. Ich sage allen Mitarbeitern, dass Professionalität die Grundvoraussetzung ist. Ebenso wichtig ist aber, dass sie es wagen, entspannt und auf Augenhöhe mit dem Gast zu interagieren. Da geht es ganz zentral um Common Sense, darum, den Gast zu lesen. So etwas muss man einfach ausprobieren, das geht nur mittels "learning by doing". Das verlangt Mut, vom Gastronomen ebenso wie vom Mitarbeiter. Aber es lohnt sich für beide - und hoffentlich auch für den Gast. (Severin Corti/Der Standard/rondo/08/10/2010)

René Redzepis Noma hat das El Bulli von Ferran Adrià heuer an der Spitze der "World's 50 Best Restaurants" abgelöst. Das Austrian Wine Menu wird noch bis Ende Oktober serviert. www.noma.dk

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
KomaPoster
02
8.10.2010, 14:14
Das beste Lokal der Welt ist eindeutig der Warme Hans in Linz

Cottage Cheese
00
8.10.2010, 14:34
noch nie!

noch nie habe ich ein grünes stricherl so gern gesetzt wie hier! "A schoarfes schoarf im mohn und a hoibe!". GEIL!

Charly Foot
00
8.10.2010, 14:32
das war letztes jahr.

der warme hans ist heuer von der blauen blunzn in vöcklabruck als nummer eins abgelöst worden. ein bisserl informieren sollte man sich halt schon.

Kernseife
10
8.10.2010, 12:34

ob das noma für die grandiose bildidee bei erwin wurm angefragt hat? schaut nach einer klassischen 1-minute-sculpture aus.

a grünes stricherl
 
01
8.10.2010, 09:26
Common Sense und learning by doing.

Besser könnte man es nicht formulieren.

Die gute alte Hausverstandsregel ist gerade beim Servicepersonal immer noch die Beste.

ticklemore goat
12
8.10.2010, 08:47

Einfach wunderbar, wie er das servicekonzept beschreibt! Kann das bitte ein hiesiger kellnerdrache lesen! Thx

Tante Herbert
00
22.10.2010, 20:08
Mal im Skopik vorbeischaun. 2ter bezirk. Lohnt sich!

;o)

a grünes stricherl
 
01
8.10.2010, 13:05
erzählns mir was über servicepersonal in österreich ... :-/

mir ganz persönlich immer wieder zutiefst unangenehm wenn man mit nichtösterreichischen freunden in österreich isst.

Von Bestellungen vergessen usw will ich erst gar nicht anfangen.

Poldi Fesch
01
10.10.2010, 12:01
naja, ich

weisz nicht. Abgesehen von Kaffeehaeusern kann ich ueber die Servierkoerper nicht klagen

Frau Holler
00
11.10.2010, 08:47

dienstfertig sind sie, unterwürfig auch. wenn es das ist, was sie vom service erwarten...

Poldi Fesch1
 
02
11.10.2010, 10:31
vor allem, dasz sie

in schicklicher Frist das Bestellte bringen u. dies geschieht zumeist

Steirerbub1
00
7.10.2010, 18:47
Der Unterschied

Vor einigen Jahren hatte ich versucht einem Haubenlokal in der Nordoststmk. südsteirische Weine von Winzern, die keinen großen Namen haben, schmackhaft zu machen.
Die Anwort: "Mag schon sein, dass die zumindest genauso gut sind wie die von den bekannten Winzern, nur geht das bei uns nicht, denn unsere Gäste wollen keine unbekannten Winzer. Diese WEine trinken sie nicht"
Die Dänen scheinen da etwas unvoreingenommener zu sein bzw. der Wirt/das Service etwas "engagierter".
Oder sind die österr. Weine doch etwas preiswerter (schlechter sicher nicht)? Oder bleibt dem Lokal dann mehr über, wenn österr. Wein verkauft wird?

Poldi Fesch
03
8.10.2010, 11:23
das kannst aber

schlecht vergleichen. Wenn sich einer in Kopenhagen inst "beste" Restaurant der Welt setzt, weisz er etnweder, was er tut. Also er sprcht mit dem Sommelier auf Augenhoehe o. er hat so keine Ahnung, dasz alles, was der Sommelier sagt, eine geoffenbarte Wahrheit ist.

sonito
02
8.10.2010, 10:50

wenn sie sich auf der homepage die preise anschauen dann werden sie sehen, dass sehr viel überbleibt:
menü: euro 146, ist für das angeblich beste resti der welt gar nicht schlimm
7 gläser öst. wein dazu: euro 120!! das achtel also um schlappe 17 euro
der absolute hammer ist aber das saftmenü: 53 euro, das steht aber nicht, wieviel gläser man kriegt.
von wirtschaftskrise in dänemark offenbar keine spur. wundern wern sich die gäste nur, wenn sie mal in österreich beim heurigen sind...

hänk muhdi
01
8.10.2010, 11:05
Nö da bleibt nicht viel über

Im noma gibts relativ wenig Plätze und dafür eine Unmenge Personal. Die machen so gut wie keinen Gewinn mit ihrem Laden.

Und im Vergleich mit anderen Toplokalen sind die Preise voll im Rahmen. Absolut gesehen natürlich schon sehr teuer.

sonito
02
8.10.2010, 11:45

ich kann natürlich nicht beurteilen, wieviel personal die haben, weil ich nie dort war, und angesichts der preise wirds wahrscheinlich auch nicht passieren. aber der aufschlag bei den getränken kommt mir schon ein bissl extrem vor. und irgendwie geht mir das wahnsinnig auf die nerven, wenn eine derartige unzahl von kellnern herumwuseln (auch wenn sie noch so nett sind), derentwegen ich solche preise zahlen muss. aber offenbar haben die die lokale bei den gastrokritikern sonst keine chance auf spitzenbewertungen.
gleiches gilt im übrigen für die unfassbar aufgeblasenen weinkeller, wo flaschen herumliegen, die sich keiner - oder zumindet ich nicht - leisten kann, deren kosten aber man natürlich auch bei den billigeren mitbezahlt.

monte negroni
30
8.10.2010, 12:28

vielleicht informieren sie sich vor dem absondern ihrer weisheiten über die alkoholsteuern in skandinavischen ländern. würde ihnen viel peinlichkeit ersparen...

sonito
03
8.10.2010, 14:07

ich kenn mich im dänischen steuerrecht leider wirklich nicht aus, aber ich denk mir, dass sie insbesondere beim saftmenü besonders heftige alkoholsteuern draufhaun werden...
lg
s
ps: und trinkens einfach ein glaserl, vielleicht sinds dann weniger aufgeregt

Kernseife
01
8.10.2010, 15:29

die preise im noma sind nach internationalen standards fast schon lächerlich. bei ducasse im plaza zahlst dzt. 360 € fürs essen allein. dabei sind die lebenshaltungskosten, sozialabgaben etc. in skandinavien unvergleichlich höher

uni versalis
01
9.10.2010, 00:45
nein, die lebenshaltungskosten sind

in kopenhagen in summe wohl nicht höher als in paris. ich würde sogar dazu tendieren, paris als noch teurer einzustufen (aber dk ist in summe teurer als fr). die sozialabgaben gehören übrigens in frankreich zu den höchsten ganz europas.

ich stimme aber der aussage zu, dass die preise des noma im internationalen vergleich eher moderat sind.

Poldi Fesch
00
8.10.2010, 12:09
bei angelsaechsischen

Gastrokritikern

hänk muhdi
00
8.10.2010, 11:52
Nja, gerade beim Weinkeller

ist das noma ja eine rühmliche Ausnahme, da sie eben wie gesagt z.B. auf die "Bank" Bordeaux komplett verzichten.

Und ja, die Preise sind in Kronen. Dänemark gehört offenbar nicht zu Europa ;-)

Poldi Fesch
00
8.10.2010, 11:31
Bei € 1.100/ Menue

ist "sehr teuer" irgendwie euphemistisch

sonito
00
8.10.2010, 11:40
dänenkronen

poldi, das musst du umrechnen, das sind dänische kronen (hoffe ich zumindest, sonst wärs echt hantig)
ich habs gemacht, weiter oben siehst du das ergebnis

lg
s

Poldi Fesch
00
8.10.2010, 11:45
:))

ok, dann wirds mehr als deutlich besser. Paolo u. Barbara, Sanremo, die spielen bei den besten 10 Italienern mit, verlangen € 95.-
Wobei die Karte natuerlich sehr dunkel ist. Hendel mit Ei um € 150, da muszt auch wissen, worum es geht

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.