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Die Schubertstüberln mutierten zum mediterranen Restaurant mit Vinothek.

Ganz tolle Weine, die Speisen hinken noch hinterher.
Zugegeben: Die Zeiten, als die Küche der Schubertstüberln dem barocken Charme des Hauses auf der Mölkerbastei noch entsprach, sind lange vorbei. Zuletzt wurde hier versucht, eine Art Bierlokal in die Souterrain-Räume zu stemmen, wenn auch eines, das aus der Art fiel: mit weißen Lederbänken, Altrosa und Neobeige an den Wänden und einer mehr als unförmigen Terrasse beim Eingang. Das ging nicht lange gut. Seit ein paar Wochen gehört das Lokal einem Südtiroler Gastronomen und Weinhändler.
Am Interieur wurde wenig geändert, auf den ersten Blick fällt nur ein Lastenfahrrad im Eingangsbereich als neu auf. Es ist mit Pasta-Packerln befüllt und transportiert dementsprechend mediterranes Flair.
Allerdings gibt es eine Vinothek, in der ordentlich viele sehr tolle Weine aus ganz Italien versammelt sind, und zu mehr als interessanten Preisen noch dazu. Auch Deutschland ist schön vertreten, unsereins soundso. Wer sich entschließt, gleich vor Ort zu trinken, darf mit vertretbaren Aufschlägen rechnen. Ob es klug ist, hier auch zu essen? Hm.
Lokal und Arbeitsplatz
Zwar wurde Oliver Wiegand als Küchenchef verpflichtet, der in seinem Purbacher Fossil (auch ein Kellerlokal) für eine Haube gut ist. Allerdings muss Wiegand seine Kraft nunmehr zwischen eigenem Lokal und neuem Arbeitsplatz aufteilen, was nur mit Mühe zu funktionieren scheint. Die Entenstopfleber auf schwarzen Linsen und Erdäpfelpüree (bis an die Grenze der Aufnahmefähigkeit gebuttert, ergo sehr gut) war achtlos niedergebraten, durchgängig grau und auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe geschrumpft. Culatello di Zibello (eine Art hochexklusive Prosciutto-Großwurst) war hart und trocken, vielleicht, weil auf korrekte Lagerung in einem mit Wein getränkten Tuch vergessen wurde. Das Carpaccio vom Steinpilz mit exakt abgestimmtem Kräuterpesto ließ dafür ahnen, was bei mehr Konzentration in der Küche möglich wäre.
Aber leider geriet der Zander auf ambitionierter Saucenmalerei staubtrocken, was vielleicht nicht passiert wäre, wenn wie in der Karte angekündigt verfahren worden wäre - da steht nämlich Zandergulasch. Eher schlimm auch die Rotbarbe mit zerkochtem Risotto und einer Sauce namens Knoblauchbalsam, in der nicht weniger als vier angekokelte, ganze Knoflzehen dümpelten. Fazit: Trinken allein kann auch schön sein. (Severin Corti/Der Standard/rondo/08/10/2010)
Mediterran Schubert
Schreyvogelg. 4
1010 Wien
Tel.: 01/533 19 97
Küche tgl. 11-22 Uhr
VS EURO 4,90-14,50 HS EURO 16,90-25,80, Überraschungsmenüs EURO 29-63
Fotos: Gerhard Wasserbauer
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widerspruch? erfrischend!
möglicherweise ironisch gemeint wegen dem verhältnis normalesser zu nobelrestaurantkritik.
je weniger wo essen desto mehr kritiken. wobei solange es gezahlt wird, würd ich eigentlich auch eher den taubenkogel und co testessern als das ikea restaurant. dort sind einfach mehr gutmenschen unterwegs :-)
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