Lese-Rhetorik

8. Oktober 2010, 16:43
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    foto: apa/gery wolf

    Unsere Winzer hatten tatsächlich Jahre, in denen sehr viel mehr gelacht wurde.

Wie der Jahrgang 2010 wird, beantwortet Luzia Schrampf

Wird das jetzt etwas mit dem 2010er- Jahrgang, fragen viele angesichts des derzeitigen Frühwinters. Dass man von "der kleinsten Weinernte seit über zehn Jahren" ausgehen müsse, ist eine von offizieller Seite verkündete Tatsache, die sich aus den Erntemeldungen herauslesen lässt: Ein gutes Drittel weniger als die üblichen 2,5 Millionen Hektoliter werden es wohl sein.

Unsere Winzer hatten tatsächlich Jahre, in denen sehr viel mehr gelacht wurde. Extrem kalt, das dafür lange bis ins Frühjahr, insgesamt sehr feucht, danach extra trocken und rekordverdächtig heiß: nicht gerade die Abfolge, die ihnen das Dasein erleichterte. Der August war wieder nass mit Regenmengen über und warmen Temperaturen um den Durchschnitt. Feucht und warm bedeutet Highlife für Pilze, von denen es eben nicht nur gute à la Steinpilze gibt, sondern auch ungute, die an den Trauben Fäulnis verursachen. Der September war insgesamt zu kühl und im Süden und Osten, wo die Weinbaugebiete sind, schlicht ziemlich verregnet.

Die ersten Ernteberichte werden versandt und versprühen Optimismus. "Ein Winzer-Jahr" mit "ganz passablen Qualitäten" umschreibt elegant, dass es Arbeit "en masse" gab, vom Anfang bis hin zur Lese, und dass manche Winzer selbst überrascht sind, noch etwas Brauchbares herausbekommen zu haben. "Physiologisch reif" wird heruntergebetet wie ein Mantra und ist der Idealzustand, den es bei den Trauben zu erreichen gilt, vor allem bei jenen, die noch am Stock hängen und hoffentlich in den nächsten Wochen noch etwas Sonne abbekommen werden. "Nicht allzu hohe Zuckergradationen" wieder sagen ausschließlich aus, dass die Volumsprozente Alkohol nicht in den Himmel schießen werden. Das kann schwer okay sein und "süffige" und "extrem frische und sehr lebendige Weine" ergeben, sofern kein adstringierend raues Gefühl im Mund wie bei unreifen Birnen mitgeliefert wird.

Natürlich ist es schwierig, das alles so drastisch einzugestehen, auch weil sich voreilig totgeschriebene Jahrgänge nicht eben positiv auf die Verkäufe auswirken, auch wenn die Mengen noch so klein sein mögen. Doch vorbei ist es erst, wenn alles eingebracht ist, und das dauert noch. Daher lautet die schlichte Antwort auf die eingangs gestellte Frage herzhaft: "schmeck's". (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/08/10/2010)

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Posting 1 bis 25 von 27
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T. Lurker
00
10.10.2010, 14:46
Unsere Ergebnisse

Der GV (Unterer Jungenberg/Stammersdorf ) immerhin mit 19,5 KMW (allerdings mit beeindruckender Säure!), der Chardonnay knapp dahinter.

Am Montag ist dann der Zweigelt dran (sieht auch recht vielversprechend aus).

Ach ja - ich habe mir einen alten Weingarten angesehen (Riede Kreften), dort hätte man Lehrbuchforos zum Thema "Pilzbestimmung" machen können ...

T.L.

Hyla Arborea
02
10.10.2010, 07:39

So wird es heuer eben ein Jahrgang, der die Winzer in Österreich einmal fachlich fordert, na und? Vielleicht bleibt dann weniger Zeit für penetrantes Marketing und dämliche Fotos von Weinbauern in Denkerpose! Die vielen Jungen, Feschen und Wilden, und wie sie doch alle umher werben, können nun unseren Gaumen vorführen, was sie im Keller zustande bringen!

Themroc
01
10.10.2010, 13:45
... und und worüber sinnieren die weinbauern in ihrer denkerpose:

über die physiologische reife ihrer töchter und frauen in der unterwäsch auf dem nächsten jungwinzerinnen kalender!!

Andreas Steinschaden
00
9.10.2010, 23:42
Heutige Lese

Riesling 19° KMN
GV 19,5 KMN
Trauben reif (Kerne braun)
Säure gut

Alle Voraussetzungen für einen guten Wein.

Wie schon mein Großvater sagte: Auf die Bearbeitung kommt es drauf an. Daher: Chapeau meinem Herrn Papa.

Apfelkern
00
10.10.2010, 14:33

Vom Ertrag zwar nur die Hälfte vom Vorjahr, aber KMN auch bei uns schwache 18° beim GV. Nach dem ausbau kann noch einiges daraus werden.

heurigenwirt
00
10.10.2010, 01:50

wie schauen die Säurewerte aus?

und mit Verlaub: Bei diesen Zuckergraden muss man wohl noch die Mehrwertsteuer abrechnen, dann stimmts, oder?

Andreas Steinschaden
00
10.10.2010, 02:14
Mit der Mehrwertsteuer sollte sich ein Heurigenwirt doch auskennen........

Tatsache ist, dass, seitdem ich denken kann die an das Weingut Schloss Fels, Schloss Gobelsburg und seit 3 Jahren an das Weinschlössl Steinschaden in Engabrunn gelieferten Trauben immer um 1-2°KMN höhere Zuckerwerte hatten als die vom durchschnittlichen Traubenlieferanten. Einfach dort nachfragen, unsere Kunden können das bestätigen. Der Grund liegt in einer frühen Unterlage (SO4) und einer hervorragenden Lage des Weingartens (Gmörksteig, Feuersbrunn), Lehmboden und letztendlich der vorwiegend manuellen Stockpflege durch meinen Vater.
Säure: Geschmeckte 9 beim Riesling und 7-8 beim GV.

Ad. Lage: GV Zöbing Ried Hassel: 17°KMN geradeaus, selbst eingefüllt, GV Etsdorf, Ried Wolfsgruben 18°KMN, verkauft an Schloss Gobelsburg

Helge Remsgard Remsgard
01
9.10.2010, 20:21

sagts mal ... frage ... ich geh im herbst manchmal durch die weingärten und kost' ein paar trauben ...

auf einer zehnteiligen skala, wobei 10 die verschuldung eines nuklearkrieges und 1 das unabsichtliche überfahren eines archaeon ...

wie schlimm isn das?

florian holzer2
10
11.10.2010, 12:07

wenn sie ihren kopf ein bisschen anstrengen und dabei feststellen werden, dass sie nicht der einzige sind, der so handelt, sollten sie sich das ausmaß ungefähr vorstellen können. wenn sie weiters davon ausgehen, dass die bewirtschaftung eines hektars weingarten in wien € 7.500 pro jahr kostet, bereichert sie das vielleicht in dieser erkenntnis. und wenn sie in der wiener stadt-geschichte zurückblicken, werden sie feststellen, dass ab der errichtung des "winzerbaumes" am 15. august das betreten der weingärten verboten war. weingartenhüter waren mitunter auch bewaffnet. davon sind wir heute weit entfernt, vom bewusstsein, dass es sich beim "traubenpflücken" um raub und ertragsminimierung der winzer handelt, leider aber auch.

Max Mustermann
00
7.11.2010, 10:46

8000Liter pro Hektar. 5000 Rieden. 10€ ab Hof. 1,6Liter pro Riede. Bei 0,7er Flaschen kommt man auf ~22€ wenn die ganze Staude abgefuttert wird.
Wenn jetzt pro Stock 25 Traubenstände je 150 Beeren drauf sind, kostet die Traube rückgerechnet: € 0,00587.

Das waren dann aber ziemlich teure Trauben.

Jetzt zieht man davon noch den Anteil für Flasche, Bearbeitung, etc. ab- die "spart" sich ja der Hauer, dann erkennt man die wahre Größe des Flurschadens.

Andersrum: wenn jeder Österreicher 1 Beere essen würde, brauchte man dazu ca. einen halben Hektar.

Wieviele davon kaufen dann auch einen Wein, weil sie gerade in der Gegend sind um die Beere zu essen?

Und wieviele dieser Käufer tät der Hauer sonst nicht haben?

;-)

thomasthomasthomas
00
6.11.2010, 14:39
Ich finde, das ehrliche Interesse des Vorposters und die ansprechende Formulierung der Fragestellung

hätten eine etwas weniger ausschweifende, dafür aber präzisere Antwort verdient. (Wozu glauben Sie bekommen Sie eine Skala von 1 bis 10 vorgegeben?)

Aus meiner (Nicht-Betroffenen-)Sicht: Sofern Sie sich mit einzelnen Beeren begnügen (und nicht gleich ganze Trauben runterreißen): 2 auf Ihrer Skala. (Die Fachleute unter uns sind herzlich eingeladen, darauf hinzuweisen, daß das Abreißen einzelner Beeren besonders frevlerisch ist, weil ... [keine Ahnung]

Das mit den Spritzmitteln (s. das posting weiter unten) ist allerdings schon bedenkenswert.

Helge Remsgard Remsgard
01
12.10.2010, 10:30

was "raub" ist, sollten sie allerdings nochmal nachschlagen.

melisma
00
10.10.2010, 10:14

naja, drehen sie es mal um: sie haben einen garten ohne zaun, an einem spazierweg gelegen, und jede person, die vorbeikommt, frisst ihnen ein bissl was vom strauch/baum/ausm beet

und jetzt fragen sie sich nochmal, wo sie sich auf der skala befinden

Max Mustermann
00
7.11.2010, 10:49

wie groß ist der garten?

marty fink
01
9.10.2010, 23:51
Wohl bekomm's angesichts der Spritzmittel!

Max Mustermann
00
7.11.2010, 10:53

wohin verschwinden die auf dem weg der traube vom feld in die flasche?

Alter Knochen
02
9.10.2010, 10:13
Ist mir ziemlich egal.

Der Tetrapack-Wein schmeckt immer gleich.

marty fink
01
9.10.2010, 23:52
Jo, unten ist unten!

Mein Beileid!

florian holzer2
61
9.10.2010, 13:30

danke für diesen einblick in ihr leben. dass es in einem wein-forum auch um jahrgänge gehen kann, wird ihnen aber sicher klar sein, wenn sie erst einmal ein bisschen drüber nachgedacht haben.

Michael Holzermayr2
00
10.10.2010, 13:58
Danke an meine Kollegen für die Antwort auf Ihre Frage.

iohui
00
9.10.2010, 02:43
fest steht

der sturm ist nicht zum saufen.

Andreas Steinschaden
00
9.10.2010, 23:52
Guter Sturm

ist erstens "Bacherlwarm", also ca. 28-30°C und zweitens gerade in dem Moment, wo er gerade noch süß ist um mit der Säure zu harmonieren und entsprechend schon Alkohol hat. Das Supermarktgesöff ist zu kalt und noch zu wenig vergoren, soll es ja einige Tage im Regal stehen. Und vom Winzer haben Sie nur dann eine Chance auf einen guten Sturm, wenn dieser mindestens 30 Fässer mit unterschiedlichem Gärzustand im Keller stehen hat. Ihre Chance auf guten Sturm ist, würde ich sagen bei ca. 1%.

Macho04
00
9.10.2010, 17:27
Muss leider zustimmen

Ich hab zwar heuer schon einen guten Sturm bekommen, der Rest war entweder noch Süßmost oder viel zu sauer. Auch der Schilchersturm, den ich heute getrunken habe.

Der 2010-er Jahrgang wird eine Katastrophe, wenn sich das Wetter nicht noch radiklal bessert (das haben mir leider auch einige Winzer und Weinakademiker bestätigt).

Die völlig durchgeknalle Stimme der Vernunft
01
9.10.2010, 13:43
Also der Schilchersturm

war bis jetzt sehr gut, der weiße ok und den roten den ich derwuschen hab derartig süß dass man in mit ein bissl Gelatine an schwer zuckersüchtige hätt verfüttern können.

Tante Herbert
10
9.10.2010, 00:13
Endlich wieder ein *Brünnerstrassler* Jahr

Knackig!

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