Wie der Jahrgang 2010 wird, beantwortet Luzia Schrampf
Wird das jetzt etwas mit dem 2010er- Jahrgang, fragen viele angesichts des derzeitigen Frühwinters. Dass man von "der kleinsten Weinernte seit über zehn Jahren" ausgehen müsse, ist eine von offizieller Seite verkündete Tatsache, die sich aus den Erntemeldungen herauslesen lässt: Ein gutes Drittel weniger als die üblichen 2,5 Millionen Hektoliter werden es wohl sein.
Unsere Winzer hatten tatsächlich Jahre, in denen sehr viel mehr gelacht wurde. Extrem kalt, das dafür lange bis ins Frühjahr, insgesamt sehr feucht, danach extra trocken und rekordverdächtig heiß: nicht gerade die Abfolge, die ihnen das Dasein erleichterte. Der August war wieder nass mit Regenmengen über und warmen Temperaturen um den Durchschnitt. Feucht und warm bedeutet Highlife für Pilze, von denen es eben nicht nur gute à la Steinpilze gibt, sondern auch ungute, die an den Trauben Fäulnis verursachen. Der September war insgesamt zu kühl und im Süden und Osten, wo die Weinbaugebiete sind, schlicht ziemlich verregnet.
Die ersten Ernteberichte werden versandt und versprühen Optimismus. "Ein Winzer-Jahr" mit "ganz passablen Qualitäten" umschreibt elegant, dass es Arbeit "en masse" gab, vom Anfang bis hin zur Lese, und dass manche Winzer selbst überrascht sind, noch etwas Brauchbares herausbekommen zu haben. "Physiologisch reif" wird heruntergebetet wie ein Mantra und ist der Idealzustand, den es bei den Trauben zu erreichen gilt, vor allem bei jenen, die noch am Stock hängen und hoffentlich in den nächsten Wochen noch etwas Sonne abbekommen werden. "Nicht allzu hohe Zuckergradationen" wieder sagen ausschließlich aus, dass die Volumsprozente Alkohol nicht in den Himmel schießen werden. Das kann schwer okay sein und "süffige" und "extrem frische und sehr lebendige Weine" ergeben, sofern kein adstringierend raues Gefühl im Mund wie bei unreifen Birnen mitgeliefert wird.
Natürlich ist es schwierig, das alles so drastisch einzugestehen, auch weil sich voreilig totgeschriebene Jahrgänge nicht eben positiv auf die Verkäufe auswirken, auch wenn die Mengen noch so klein sein mögen. Doch vorbei ist es erst, wenn alles eingebracht ist, und das dauert noch. Daher lautet die schlichte Antwort auf die eingangs gestellte Frage herzhaft: "schmeck's". (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/08/10/2010)