Warum es die Flasche bei uns nicht gibt

10. Oktober 2010, 11:23
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Vöslauer und Römerquelle verfolgen eigene Strategien, vom Erdöl wegzukommen

Die beiden größten Mineralwasserabfüller in Österreich, Vöslauer und Römerquelle, planen derzeit keinen Umstieg von PET auf PLA. Philipp Bodzenta, Sprecher des Römerquelle-Eigentümers Coca-Cola, verweist auf die hohe Sammelquote bei PET-Flaschen von "fast 90 Prozent" in Österreich und das funktionierende Recycling. Die gesammelten Flaschen würden bereits heute nicht bloß verbrannt, sondern flössen zu einem gewissen Prozentsatz auch in die Produktion neuer Flaschen. Laut Umweltberatung Österreich bestehen neue PET-Flaschen bis zu 30 Prozent aus rezykliertem Material.

Anderseits kündigt Bodzenta an, dass auch in Österreich ein neuer, pflanzlich produzierter Kunststoff namens Plant-PET zum Einsatz kommen könnte, der von Coca-Cola derzeit bereits in Dänemark getestet werde. Dieser "aus einem Zuckerabfallstoff" hergestellte Kunststoff habe den großen Vorteil, "gemeinsam mit PET" gesammelt und rezykliert werden zu können, wodurch das bestehende System weiter genutzt werden könne.

"PLA haben wir uns für Römerquelle gut überlegt und geprüft", erklärt Bodzenta, "aber aus einer Reihe von Gründen erscheint es uns als nicht so geeignet." Während PLA für nicht kohlensäurehältiges Wasser, wie es in Italien mehrheitlich verkauft werde, gut einsetzbar sei, wäre das bei prickelndem Wasser, das in Österreich die überwältigende Mehrheit des Konsums ausmache, nicht so geeignet: "Bei der Gasdichtheit entspricht PLA noch nicht unseren Anforderungen." Im Gegensatz zu Bertone meint Bodzenta auch, dass PLA nicht so ohne weiteres über den Biomüll entsorgbar sei, sondern erst "maschinell" für die Kompostierung vorbereitet werden müsse.

Auch Vöslauer glaubt im Rahmen der Verpflichtung zur Nachhaltigkeit weiter an die Zukunft von PET. Zwar habe man "kompostierbare Flaschen bereits testweise produziert", eine Markteinführung sei "konkret aber nicht geplant". Noch müssten "weitere Erfahrungen auf dem Biokunststoffsektor gesammelt" und der Austausch von Know-how vorangetrieben werden. Dafür gebe es ein eigenes Projekt, "Bio-Packaging", wo mit internationalen und nationalen Experten erforscht werde, inwieweit biologische Kunststoffe "auch bei Vöslauer" einsetzbar seien.

Weiters verweist auch Vöslauer auf den "funktionierenden Verpackungskreislauf" in Österreich, wofür das Land "international höchste Anerkennung" genieße. So würden jährlich 570 Millionen PET-Flaschen in der Recyclinganlage in Müllendorf angeliefert. (corti/Der Standard/rondo/08/10/2010)

  • Derzeit kein Umstieg von PET auf PLA geplant.
    foto: irina gavrich

    Derzeit kein Umstieg von PET auf PLA geplant.

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