Torschlusspanik

10. Oktober 2010, 18:07
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    foto: gregor fauma

    Wenn die Tage kürzer werden, gibt die Cosmea noch einmal alles.

Wenn es herbstelt, werfen sich die Pflanzen noch einmal mächtig in Schale - Das kostet sie Substanz, die sie in Form von Dünger wieder bekommen sollten

So in etwa stelle ich mir das Gefühl vor, das Pflanzen, im Speziellen Einjährige, im Herbst empfinden. Sie spüren die kalten Nächte, merken deutlich das frühe Dunkeln und vermissen die wärmenden Strahlen einer spät untergehenden Sommersonne. Während wir, Homo sapiens sapiens (gelegentlich), die dicken Socken aus der Lade fischen, den Kragen aufstellen und den Schal wickeln, müssen die armen Krewecherln ohne Schutz schauen, wo sie bleiben.

Sie spüren, dass nun die letzten Möglichkeiten einer Fortpflanzung oder gar Vermehrung wahrzunehmen sind und werfen sich, ähnlich den midlifecrisisdurchschüttelten Parvenus in den Jamón de Bellota aufschneidenden Delikatesshöhlen am Wiener Naschmarkt, noch einmal mächtig in Schale. Aber das kostet sie ebenso Substanz. Substanz, die ihnen der Gärtner doch hoffentlich in Form regelmäßiger Düngerdosage in den Herbst ihres Lebens mitgegeben hat und weiterhin gibt.

Während die alternden Steiger, gedüngt durch Alkohol, versuchen, noch irgendwo bei irgendwem ein Sämchen zu platzieren, reicht den stummen Freunden im Garten eine anständige Ladung Universaldünger, und dann geht die Post ab. So wie bei den Herren die Haare schütter werden, wird bei den Pflanzen, so scheint es, auf Kosten des Laubs noch einmal alle Kraft in die Blüten investiert.

Die letzten Bienen müssen sich im Paradies wähnen, Hummeln kreisen pollentrunken über die Rabatten, und schillernde Käfer laben sich an den Zuckersafterln und Pollen im Blütenkelch wie Kleinkinder an der Zuckerwatte im Wurstelprater. Es kitscht eine biedermeiersche Patina im herbstlichen Garten.

Die Protagonisten im Hof sind dieses Jahr wieder einmal die Rosen in ihren Töpfen, die sattgelb blühenden Topinamburstauden im aufgehackten Beton und auch die so geliebte Cosmea, die ursprünglich aus Mittelamerika kommt, gibt noch einmal alles.

Dieses Gelb, dieses Orange

Doch von nichts kommt nichts, und auch diese herbstliche Aufführung möchte im Frühjahr inszeniert werden. Sobald im Lenz die Temperaturen steigen und der Boden absehbar frostfrei bleibt, streue ich die im Vorjahr geernteten Kosmeensamen an ihren Bestimmungsorten aus und kramperl sie leicht in die Erde ein - und vergesse sie. Die Freude beim Erscheinen ist dann umso größer. Dasselbe geschieht mit den aus Rajasthan mitgenommenen Tagetes-Samen. Dieses Gelb, dieses Orange, das muss ihnen erst einmal jemand nachmachen.

Und sollten die Nacktschnecken einige Pflanzerl übersehen haben, so verwöhnen einen diese mit ihrem fast schon ordinären Leuchten bis hin zum ersten Frost und darüber hinaus. Die Hindus wissen schon, warum sie die Tagetes für ihre Riten an Shiva und Bhagwati auserkoren haben. Das Farbspektrum einer schönen Glut wird durch das glosende Rot des Feuersalbeis komplettiert. Salvia splendens, wie ihn eh keiner nennt, fängt erst im Herbst so richtig zu treiben an.

Er scheint die Bedingungen zu mögen und schickt eitel eine scharlachrote Blütenquirle nach der anderen ins letzte Gefecht um die summenden Bestäuber. Seine brasilianische Herkunft scheint damit schlüssig, und gemeinsam mit den Tagetes und den Kosmeen tanzt er den Samba seines Lebens. Die Torschlusspanik entpuppt sich Jahr für Jahr als brasilianisch-indischer Farbenrausch im Hernalser Hinterhof, habt Dank! (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/08/10/2010)

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13 Postings
Besserwisser
00
23.11.2011, 20:30
Voller Stolz vermelde ich,

dass in unserem Garten noch heute die Löwenmäulchen blühen!
Heute, am 23. November!
In der Früh waren sie schon ein paar mal voller Rauhreif. Aber das übertauchen sie prima.

es.be.
00
12.10.2010, 08:59

Jaja, so ein Herbst kann schon was.
Ich bin jeden Tag wieder freudig erstaunt darüber, was da noch alles blüht um diese Jahreszeit: Rosen, Polsterglockenblumen, Sonnenhut, Fetthenne und die wunderschönen Cosmeen sowieso, Wunderblume, eine Ballonblume hat noch eine Knospe ausgebildet, die Katzenminze versorgt nach wie vor unseren Kater sowie Hummeln und Bienen ...
Neben dem Frühling die schönste Jahreszeit :)

Gregor Fauma1
 
00
12.10.2010, 09:32
Bitte um Hilfe

Ich bringe die Katzenminze nie zum Weiterblühen. Nach einem kurzen Farbspektakel ist es dann vorbei, egal ob weiße oder blaue ... Wie machen Sie das? Ich schneide sie zurück, dünge, hätschle ... aber nichts zu machen. Blätter und sonst nix.
Bitte verraten Sie mir Ihr "Geheimnis" ?!

es.be.
00
12.10.2010, 19:39

1. im Frühjahr (Februar/März) stark zurückschneiden.
2. Nach der ersten Blüte im Sommer schneide ich die Staude nochmals ziemlich radikal zurück.
ich dünge kein einziges Mal! Katzenminze mag Sonne und eher kargen Boden. Vielleicht ist das der Hinweis für Sie?
Manche Pflanzen bringen bei zuviel Dünger viel Blattwerk und haben dann keine Kraft für Blüten (nur meine laienhafte Erfahrung ...).

Gregor Fauma1
 
00
13.10.2010, 10:09
Danke!

Ich werde radikaler in jeder Hinsicht werden ...

Petzi Petz
00
11.10.2010, 23:07
Den frühen Herbst hab ich beim Garteln fast am Liebsten.

Sich von den letzen Blüten was für den Tisch schnappen, die Astern sind ja grad so dermaßen voll mit pinken oder violetten Blüten, die letzten Rosen blühen noch einmal, zwischendurch Himbeeren naschen... und das Planen fürs nächste Jahr, vergraben von Unmengen von Zwiebeln und hoffen, dass die 2 Katzen erfolgreicher sind als die Wühlmäuse. Irgendwie mag ich den Herbst!

mbli
00
11.10.2010, 14:58
cosmea - ein und wunder und geschenk der natur.

habe auf der terrasse vor drei jahren cosmea-pflanzen ausgesetzt. nicht nur, dass die locker 1,5 meter hoch werden. sie sind genügsam, erfreuen durch monatelanges blühen und kommen durch aussamen seither "wild" bei mir vor. detto froschgoscherl und tagetes.

gurgl
00
11.10.2010, 09:57
Fauma

-ist das eine kreuzung aus Fama und Fauna?

salamix
00
11.10.2010, 17:00

ugspr. "fumo"

skidoo23
00
11.10.2010, 14:28
Es ist

der Name des Verfassers dieser Zeilen, wie man unschwer erkennen kann.

Preger
00
11.10.2010, 15:20
Sie sind aber g'scheit.

pumuckl
00
11.10.2010, 12:12

fauma mal

Hyla Arborea
00
10.10.2010, 18:29
...zu spät

Nun ja, Torschlusspanik ist gelassen ausgesprochen; der Infarkt des Frostes hat bereits in der letzten Nacht seine klammen Finger um die Hälse der Einjährigen gelegt. Das war´s dann, da hilft jetzt kein Dünger mehr, die Blumen haben selbst den Weg zum Humus angetreten. Andererseits ist es gut so, dass über dieses bescheidene Gartenjahr der Mantel des Raureifes gelegt werden kann. In fast nur mehr fünf Monaten keimt ja wieder die Hoffnung auf ein neues und besseres Jahr, von mir aus wieder mit gelben Blüten!

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