Die Frühschicht wurde erwartungsgemäß beim Hahnenschrei absolviert - Noch bevor die Kirchglocke läutete, waren also Frühschoppen, Mittagessen und Jause angesagt
Wer geglaubt hat, dass beim Rohbau des Schnauzers jetzt nach drei Jahren das Dach endlich fertig sei, nachträglich sogar ein Rauchfang eingebaut wurde und also nur mehr die Schindeln fehlen, hat sich geirrt. Während ringsum in der Nachbarschaft Most gepresst und Holz für den Winter gehackt wird, im Tal also relative Ruhe eingekehrt ist, kommt beim Schnauzer panikartige Bautätigkeit auf. Der Schnauzer scheint unerwartet eine neue Lieferung Nägel bekommen zu haben. Diese wurden am Wochenende in zwei Sitzungen zu den anderen Hundertschaften Nägeln in die Dachlatten getrieben.
Die Frühschicht wurde erwartungsgemäß beim Hahnenschrei absolviert. Noch bevor die Kirchglocke läutete, waren also Frühschoppen, Mittagessen und Jause angesagt. Als die Sonne allerdings unterging und sich der Nebel über das Dorf legte, packte den Schnauzer noch einmal der von Lebensfreude befeuerte Ehrgeiz. Sagen wir es so: Wenn es den Schnauzer im Dunkeln vom Dach geputzt hätte und die Baustelle nicht im Waldviertel, sondern in Amerika stehen würde, hätte sich die Zwettler Brauerei mit einem eventuell unangenehmen Schadenersatzprozess konfrontiert gesehen. Immerhin fehlen auf ihren Produkten eindeutige Warnhinweise wie "Bitte nachts nicht angeflaschelt auf das Dach klettern und deppert Nägel einschlagen, weil Sturzgefahr". Ob der Frau des Schnauzers das alles wurscht ist und sie ihn aufgegeben hat oder schlicht und einfach auf die Witwenpension und die Übernahme des Rohbaus durch die Raika spekuliert, wüssten wir aber schon gern. (Christian Schachinger/Der Standard/rondo/08/10/2010)