Bier im Gerede

Brauen morgen

2. Oktober 2010, 22:45
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    foto: ap/uwe lein

    "Wenn die Wirtshäuser verschwinden, wer trinkt dann noch Fassbier - außer den Brauereimitarbeitern?"

Conrad Seidl hörte sich um, was auf die Bierbrauer in den nächsten Jahren zukommt

Den Wirtshäusern in Leoben scheint es nicht wirklich schlecht zu gehen - und wenn die Braumeister in Leoben tagen, dann wird vielleicht noch ein bisschen besser auf die Bierpflege geschaut. Aber wie lange wird das noch so gehen? Nicht lange, sagt einer, der es wissen muss, weil er Braumeister in Leoben-Göss ist: Andreas Werner zeichnet ein ziemlich düsteres Bild von der Bierkultur, wie wir sie kennen und er sie liebt.

Gleich zu Beginn seines Vortrags über den "Braumeister in der Zukunft" bei der Tagung österreichischer Braumeister und Brauereitechniker sagt Werner einen Satz, der schockiert: "Das Wirtshaus als Kommunikationsplattform hat ausgedient." Er macht keine Schuldzuweisungen dafür, nennt aber eine Reihe von Faktoren, die den sinkenden Fassbieranteil am Bierausstoß (in Österreich noch 27 Prozent, auf anderen Märkten nicht einmal mehr zehn Prozent) erklären: Da spielen gesetzliche Regelungen über Alkohol im Straßenverkehr ebenso eine Rolle wie die Zunahme des Straßenverkehrs selbst - wer mit dem Auto fahren will oder muss, kann eben nicht viel am Stammtisch hocken. Und will es angesichts veränderter Lebensumstände vielleicht auch gar nicht.

Überspitzt formuliert: "Wenn die Wirtshäuser verschwinden, wer trinkt dann noch Fassbier - außer den Brauereimitarbeitern?" Und dann würden auch bei uns die Trends wirksam, die international wirken und bei uns bisher noch Kopfschütteln auslösen: PET-Flaschen mit zwei oder zweieinhalb Litern Bier für den Heimkonsum (gängig in Osteuropa), Biere mit geringer Stammwürze (gängig in England) und Biere mit geringem Geschmack (gängig in USA und Asien) würden an Bedeutung gewinnen. Weil eben auch die großen Konzerne rapid an Bedeutung gewinnen: Vor zehn Jahren noch hatten die vier größten Brauunternehmer 23 Prozent Weltmarktanteil, heute sind es 49.

Darauf müssten sich Braumeister einstellen: Allerweltsbiere werden den Markt dominieren - sie zu brauen, eröffnet weltweite Karrierechancen.

Aber das, tröstet Werner, sei eben nur eine Seite der Medaille. Auch weiterhin (und künftig wohl verstärkt) werde es den Bedarf an Differenzierung geben - bei den großen Marken (etwa durch die Ester-Komponenten im Heineken-Aroma) und noch mehr bei den kleinen, die in ihren Nischen geschmacksintensive Spezialitäten brauen werden. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/01/10/2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
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Goffredo
00
20.10.2010, 22:13
interessant

da braut sich was zusammen

captain__ingwer
11
4.10.2010, 23:41

wenn der Braumeister der Gösser-Brauerei sich über den Verlust von Bierkultur beklagt, dann ist das, wie wenn ein Vertreter der Waffenlobby sich über eine hohe Mordrate aufregt. Wer trägt denn mit seinem Einheitsbrei zur Verödung der Geschmacksvielfalt bei?

Chris_SM
10
5.10.2010, 15:24

So ist es!

Chris_SM
00
4.10.2010, 12:28
Blöde Fragen und manch anderes

Schmeckt Fassbier objektiv besser als das gleiche Bier aus der Flasche?
Und wenn ja, woran liegt das?

Warum schmeckt das Budweiser Lager im Schweizerhaus signifikant anders, besser als sonstwo?

Apropos Budweiser. Diese Brauererei ist als nachwievor im Staatsbesitz, oder? Dadurch konnte sie die Qualität halten, was man von jenen Brauereien die geschluckt wurden, definitiv nicht sage kann.

Ich bin auch überzeugt, dass auch in Ö gute Qualität vor allem bei den Brauereien abseits des BU-Heineken-Konzern zu finden sein wird. Daher kaufe ich seit Jahren für den privaten Konsum keine Biere dieses riesigen Konzerns mehr.

Poldi Fesch
00
5.10.2010, 01:21
im Schweizerhaus ist

es nur mehr Einbildung

Chris_SM
00
5.10.2010, 21:20
Tatsächlich?

Ich muss gestehen, ich war heuer nicht.

Oder ist das nur das übliche Gesudere?

Poldi Fesch
00
5.10.2010, 23:06
doch, seitdem

ich Auslandsoesi bin, faellt das staeker auf, Zunahme der Kohlensaeure, Abnahme der "Geschmeidigkeit", es ist immer weniger "oelig"

Glasperlenjongleur
00
3.10.2010, 17:41
Das Fassbier hat durchaus Zukunft

Man muss halt auch ein bisschen mit der Zeit gehen. Beispielsweise habe ich schon mehrmals erlebt, dass eine gemietete mobile Zapfanlage ein echter Hit bei Privatfeiern sein kann - auch in Lokalen, wenn man einen eigenen größeren abgetrennten Bereich für sich hat. Und die Minizapfanlagen für zuhause waren ja eine zeitlang auch richtig populär, wobei die Fassl dafür halt ein bisschen klein sind.

Poldi Fesch
02
3.10.2010, 23:07
Vorsicht, da

ist viel Schmaeh dabei

Senna4ever
00
3.10.2010, 16:49
Von was spricht Hr. Seidl?

Bei der Brauereitagung preist er das aussergewöhnliche, also jenes Bier an das sich von der Maße unterscheidet. In diesem Bericht nun behauptet er dass im Massenbier die Zukunft liegt?

Einmal so, einmal so ....

Bierpapst
02
4.10.2010, 00:08
Massenbier vs. Spezialitäten

Die großen Brauereien werden bedeutender, der Markt konzentriert sich weiter. Das bedeutet: Die größten Mengen an Bier werden künftig von noch weniger Anbietern kommen und für den Konsumenten noch weniger unterscheidbar sein.
Dennoch wird es mehr kleine Brauereien geben - aber die können nur überleben, wenn sie sehr spezialisiert ein deutlich unterscheidbares Angebot machen können.
Darin liegt kein Widerspruch. Wir sehen das ja gerade auf dem US-Markt.

Poldi Fesch
00
5.10.2010, 01:23
?? Aut ist, no na,

viel kleiner. Aber wenn Hirt u. Zwettl aehnliche Biere brauen, fahrt man v. Ktn. ins Waldviertel u. vice versa ?

Herzerzog Johann
01
3.10.2010, 15:37
Wer Burger & Co mampft ...

... wird auch die Feinheiten im Geschmack von Getränken nicht würdigen können. Hauptsache es ist viel, billig und wirkt sofort ....

bin eh nur I
00
3.10.2010, 15:06

Habe gerade erst vor ein paar Tagen irgendwo gelesen/gehoert, dass das groesste Problem fuer die Weiterentwicklung des deutschen Bieres das Reinheitsgebot ist und aehnlich ist es in Oesterreich.

Viele Leute wollen eben nicht mehr (nur) 10 Halbe in sich hineinschuetten, sondern mal auch ausserordentliches Bier trinken. In Oesterreich hat man da aber nicht mehr als ein paar "In"-Biere zusammengebracht (die meist scheusslich schmecken). Vor allem die Microbrewery-Szene in anderen Laendern ist da schon viel interessanter.

Poldi Fesch
10
3.10.2010, 16:35
quatsch

das ist die Hoffnung der Industrie. Alle paar Jahre kommt halt eine Mode wie die Ceresscheuszlichkeit auf, die ist aber schneller wieder weg als da.

Herzerzog Johann
00
3.10.2010, 15:33

In Österreich gibt es kein "Reinheitsgebot".

bin eh nur I
00
3.10.2010, 15:52

... darum habe ich auch "aehnlich" geschrieben ...

Meiner Meinung nach hat man sich auch in Oesterreich durch falsch verstandene Tradition beim Bier brauen nicht weiterentwickelt. Die Ansprueche der Konsumenten haben sich veraendert und die Brauereien bieten nicht die entsprechenden Produkte.

Ein Beispiel dazu: wie oft findet man in Oesterreich ein mehrgaengiges Menue mit passender Bierbegleitung?

Mork vom Ork
00
3.10.2010, 14:36

Biere mit geringem Geschmack (gängig in USA und Asien)

War noch nie in Asien, also keine Ahnung - in den USA gibts aber jenseits von Bud light und Co. herrliche Biere...

Bierpapst
01
4.10.2010, 00:10

in den USA stagnieren die Massenbiere, die Craft Breweries haben moderate Zuwächse. Aber das wirkliche Wachstum des Biermarkts passiert in China - und das mit sehr uninteressantem Massenbier.

Poldi Fesch
00
3.10.2010, 16:37
das hab ich

auch schon vernommen. Wobei man bei den US schon deshalb vorsichtig sein musz, weil sie so rieszig sind, da bekommt man alles

cerberos
01
3.10.2010, 13:39
lol @ Rapid

Der Link zum Fußballverein dürft ein AdWords-Gschichtl sein, erheiterte jedoch trotzdem :D

metropolis
01
3.10.2010, 13:27
Warm sollte Fassbier weniger werden?

Früher gab es fast nur im richtigen Gasthaus bzw. Restaurant Fassbier, heute haben z.T. schon Würstelstände Zapfanlagen.
Ausserdem ist Fassbier im Gschmack halt eine Klasse besser. Ich kenne einige Sorten (Schwechater) die in der Flasche fast ungenießbar, aber vom Fass richtig gut schmecken.

Bierpapst
02
4.10.2010, 00:14

Das stimmt mengenmäßig leider nicht. Speziell in den ländlichen Regionen sind die Gasthäuser deutlich weniger geworden - es haben hunderte Lokale zugesperrt, die jeweils 200 bis 300 hl. Fassbier pro Jahr verkauft haben. Dass es derzeit mehr Ausschankstätten im städtischen Bereich mit Fassbier gibt, ist erfreulich, macht aber die Menge nicht wett.

ü-strichal
01
3.10.2010, 13:16

also für mich persönlich hat das wirtshaussterben mit der einführung des euros begonnen.
stammtisch bedeutet für mich nicht nur biertrinken, sondern auch gut essen.
nur was sich die wirtsleut mit der einführung des euros erlaubt haben, war einfach eine bodenlose frechheit.

heutzutage kriegst ja fast kein schnitzel mehr unter 10€. man stelle sich vor, früher in schilling zeiten ein schnitzel um 140 schilling .. undenkbar. und bitte kommts mir jetzt nicht mit inflation und so.

Poldi Fesch
00
3.10.2010, 13:31
aber vielleicht mit

Lokalpreisen anderswo

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