Der Wahnsinn von nebenan

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Werner Herzogs flirrender Thriller "My Son, My Son What Have Ye Done?"

Werner Herzog, der deutsche Regie-Solitär, lebt schon seit einiger Zeit in Los Angeles. Das ist nicht nur deshalb gut, weil er dort die "Rogue Film School" betreibt, die nach Eigenbezeichnung für jene Hartgesottenen ist, "die als Bollwerke in Sex-Clubs oder als Wächter in Irrenhäusern gearbeitet haben". Für das Kino ist es auch deshalb von Vorteil, weil Herzog nun US-Genrefilme dreht, die wie Werner-Herzog-Filme aussehen. Nach seiner traumwandlerischen Neudeutung von Abel Ferraras Bad Lieutenant erreicht nun mit My Son, My Son What Have Ye Done zumindest auf DVD ein weiterer Film unsere Breiten, eine eigenwillige Bearbeitung eines Thrillers, den er gemeinsam mit David Lynch produziert hat. Der großartige Michael Shannon spielt Brad, einen Schauspieler, der seine Theaterrolle als Orest ein wenig zu ernst nimmt: "Some people act a role, some people play a part." Dass er in fortgeschrittenem Wahn seine Mutter mit einem Schwert ermordet hat, ist von Anfang an klar. Ausgehend von Gesprächen des ermittelnden Cops (Willem Dafoe) mit Nahestehenden (Chloe Sevigny, Udo Kier) lotet der Film, mit irritierenden Details wie etwa einem Gottesbild als Mehlsack-Logo, die schizophrene Welt eines Mannes aus, dessen Weg aus der Mitte der Gesellschaft herausführt. Herzog ist also wieder einmal einem heiligen Wahnsinnigen auf der Spur, dessen Denken den ganzen Film in herrliche Schrägen befördert. (Dominik Kamalzadeh, RONDO/DER STANDARD - Printausgabe, 1. Oktober 2010)

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