Baum fällt! Und Bubi muss aufpassen, dass er vor lauter Wald nichts abbekommt - Das macht einsam
Als Bubi noch jung war, beschwerte er sich regelmäßig, dass er Leuten, die wenig vertragen, nicht beim Nachtleben zuschauen könne. Immerhin komme solchen Lulus ein Rausch ungleich billiger als ihm. Das sei ungerecht und stelle seine Vorstellungen von Männlichkeit entschieden infrage. Außerdem koste es ihm neben viel mehr Geld auch viel mehr Zeit. Wo die anderen schon vor Mitternacht nach Hause wanken dürfen, müsse er bis in die Puppen in Lokalen herumsitzen und sich obendrein mit anlassigen Betrunkenen herumärgern, die keine Ahnung von Maß und Ziel hätten. Naturgemäß benachteilige ihn das in puncto Power am nächsten Tag im Erwerbsleben. Soll heißen: Gewonnen und doch verloren.
Wie man jetzt wieder einmal merkte, hat sich an seiner Sichtweise wie auch Umlegung auf die Praxis über die Jahre nur wenig geändert. Kaum trinkt Bubi mit scheinbar gleichwertigen Partnern gemütlich ein paar Getränke, heißt es schon: Baum fällt! Und Bubi muss aufpassen, dass er vor lauter Wald nichts abbekommt. Das macht einsam.
Dass Bubi in Gesellschaft auch aus anderen Gründen gern einen auf sozialer Brennpunkt macht, weiß er selbst. Er ist aufbrausend und rechthaberisch. Gleichzeitig ist er leicht beleidigt, dünnhäutig und nachtragend. Er könne halt, so Bubi, mit Dummheit und Schwäche extrem schlecht umgehen.
Warum wir es dennoch mit ihm aushalten, bleibt uns allen ein Rätsel. Vielleicht sind es ja die erwartbaren Unabwägbarkeiten im Leben, die diesem erst die Stammwürze verleihen. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 01.10.2010)