Wie schmecken Preisunterschiede, wurde Luzia Schrampf gefragt
Warum kosten einige Weine um so viel mehr als andere und: Schmeckt man das auch? Debatten darüber sind unvermeidbar in der Freundesrunde, wenn Weine zu unterschiedlichen Preisen auf dem Tisch stehen.
Im Grunde hängt der Preis einer Flasche von Angebot und Nachfrage ab. Marketing und Konsumenten kommen mit ihren jeweiligen Begehrlichkeiten ebenfalls ins Spiel. Manche Rebsorten sind teurer verkaufbar. Eine Flasche Pinot noir, Einsteigerlevel, wird einen höheren Preis erzielen als ein trockener Welschriesling derselben Klasse. Das ist immer noch so, obwohl der Film (Sideways), der seinerzeit einen Pinot-noir-Hype und somit auch einen Preisschub ausgelöst hat, seine Jahre auf dem Buckel hat.
Produzentenseitig geht man bei der Preisgestaltung von anderen Fragen aus. Was gibt ein Weingarten an Qualität her? Und welche Mengen können mit welchem Aufwand und Risiko produziert werden? Zusammenhängende Rebflächen in der Ebene sind leichter, oft auch per Maschine zu bearbeiten und zu lesen als Steilterrassen. Einige Weingärten in der Wachau oder an der Mosel beispielsweise sind nur per pedes erreichbar, die Weine daraus aber derart hochklassig und begehrt, dass sich der Aufwand in jedem Fall lohnt.
Vielschichtiger, individueller und langlebiger Wein
Schmettern nun die Fanfaren, wenn man so einen Wein im Glas hat? Und was schmeckt man anderes, ob um 50 oder um fünf Euro pro Flasche getrunken wird? Im Idealfall hat man mit dem teuren Tropfen einen vielschichtigen, individuellen und langlebigen Wein im Glas, der mit viel Sorgfalt gemacht wurde. Natürlich bezahlt man auch die geringe Flaschenanzahl, wenn eine bestimmte Lage, die begehrte Spitzenweine hervorbringt, nun einmal nicht größer als vielleicht ein, zwei Hektar ist.
Muss man sie mögen, weil oder obwohl sie teuer sind? Nein. Spaß und Freude kann jeder Wein bereiten, weil es ebendiese emotionale Komponente gibt, zu der Situation, Gesellschaft oder Essen ihren Teil beisteuern. Teuer muss nicht schmecken, nur weil einem der Preis den Atem raubt. Nicht alle heute geübten Weinfans, waren bei ihrem Erstkontakt mit kostspieligen Kreszenzen überwältigt. Dass ein ungeübter Gaumen sich nicht immer leichttut, die Qualität eines Weines einzuschätzen, ist dabei nur eines von vielen Argumenten. Probieren und genießen hilft. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/24/09/2010)