Immer wieder Indochine

  • Darf man wohl als Antithese zur gestalterischen Opulenz des Edel-Thais Patara verstehen: das nunmehr betont schlichte Indochine am Stubenring.
    foto: gerhard wasserbauer

    Darf man wohl als Antithese zur gestalterischen Opulenz des Edel-Thais Patara verstehen: das nunmehr betont schlichte Indochine am Stubenring.

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    foto: gerhard wasserbauer

Wini Brugger hat sein luxuriöses Asia-Restaurant still und heimlich renoviert, was speziell den Speisen gutgetan hat

Über den Sommer war das Indochine geöffnet, doch am Wiener Stubenring wurde umgebaut - ohne dass es die Meisten bemerkt hätten. "Wir haben den Gartenbetrieb und die Küche am Laufen gehalten, aber dahinter den Laden komplett umgestaltet", erklärt Wini Brugger. Der große, L-förmige Raum ist nunmehr nüchtern möbliert, die Bar, die einst am Kopfende thronte, wurde durch einen Spiegel ersetzt - und zusätzliche Tische. Man sitzt weniger beengt, es kostet endlich keine Anstrengung mehr, der Unterhaltung am Nachbartisch nicht zu folgen. Dass vergangenen Sommer mit dem Patara am Petersplatz ein ernstzunehmender (und farblich wie nippesmäßig verschwenderisch dekorierter) Konkurrent aufmachte, war für den neuen Stil vielleicht ein bissl mitentscheidend.

Wesentlicher erscheinen die Änderungen auf der Speisekarte. Brugger hat sie in drei Teile gegliedert: Einerseits "Indochine Musts", Klassiker wie das unvermeidliche (und kulinarisch vorgestrige) Tuna-Steak oder die Kaiserrollen; anderseits "X-treme Asia & puristisch", was holprig formuliert ist, aber spannende Neukreationen zu bieten hat - und schließlich "X-treme Asia & scharf", wo nun keiner mehr behaupten darf, dass er nicht gewarnt wurde. Denn dass Brugger bei der Schärfe keine Konzessionen an mitteleuropäisch weichgespülte Gaumen macht, war ihm oft zum Vorwurf gemacht worden. Die tollsten und beglückendsten Gerichte finden sich hauptsächlich auf diesem Teil der Karte.

Schmeckt dreckig gut

Dynamite Nori Fritta mit Alpenlachs etwa, eine abenteuerliche Kreation, bei der vom Algenblatt über Kokosflocken, Ingwer und Chili bis zu Wasabi-Mayo-Dip so ziemlich alles vermanscht wird, was irgendwie einmal in Asien war: Sieht, wie Brugger zugesteht, "ein bissl nach frittiertem Hundstrümmerl aus", schmeckt aber derart dreckig gut, dass man sich für den nächsten Herrenabend gleich einen Karton ordern möchte. Oder BBQ-Hühnerflügel, die entbeint und paniert auf Black-Bean-Sauce gebettet werden, unter der sich, richtiggehend perfid, eine Scheibe cremig-geiler Gansleber versteckt: Uh! Uh! Uahaa!

Oder saftige Wildfang-Garnelen "Wu Xi" mit geräucherten Habanero-Chilis: köstliches Feuer! Zwischendurch sollten die weniger heißen Kreationen nicht vergessen werden: Indo-Maki, eigentlich Glücksrolle aufgeschnitten, mit Räucheraal, Huchen und Kräutern gefüllt, ist beglückend aromatisch. Gefüllte Goldbrasse mit rotem Miso und grünem Curry klingt vielleicht überladen, ist aber auf den Punkt gedämpft und mit einem Hauch Pfefferminzöl derart gekonnt akzentuiert, dass sie aus dem Stand das Zeug zum Klassiker hat. Fazit? So gut hat man im Indochine noch nie gegessen. (Severin Corti/Der Standard/rondo/24/09/2010)

Indochine
Stubenring 18
1010 Wien
Tel.: 01/513 76 60
Mo-So 11.30-24 Uhr
VS EURO 6-19, HS EURO 22-26, Menü EURO 38,- (3 Gänge), EURO 58,- (5 Gänge), EURO 98,- (10 Gänge)

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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