Der Schnauzer beginnt am Wochenende nicht mehr um halb sieben in der Früh zu sägen
Der Schnauzer hat vor sechs Wochen den Dachaufbau so weit fertig bekommen, dass es jetzt nicht mehr hineinregnet. Das ist gut, weil sich seitdem nichts mehr rührt. Der Schnauzer beginnt am Wochenende nicht mehr um halb sieben in der Früh zu sägen und zu hämmern, sondern sitzt, wie sonst auch, erst ab neun Uhr fröhlich beim Bier im Garten und hört Radio Niederösterreich. In den Fluss brunzt er immer noch lieber als ins Klo, aber damit kann man leben. Am Sonntag klettert er manchmal kurz aufs Dach und verlegt eine Probeschindel. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, ist das Haus in 15 Jahren fix und foxi gedeckt.
Einen kleinen Dämpfer bekam das Bauherrenglück allerdings. Der Dichterfürst konnte seinen Mund nicht halten. Nachbarschaftshilfe bedeutet eben auch, dass man den Schnauzer besorgt darauf aufmerksam macht, dass sich trotz Umkreisung des Rohbaus irgendwie kein Rauchfang auf dem Dach finden lässt. Das machte den Schnauzer unfroh. Er holte drei, vier andere Schnauzer und begann die Dachkonstruktion wieder aufzusägen. In das Loch hinein wurde hinunter ins Erdgeschoß gezielt und durch zwei Zimmerdecken gebrochen. Über den Daumen gepeilt zog man einen Schornstein auf und pappte alles wieder zu. Das war nicht einmal so laut wie üblich. Man durfte sich nur nicht daran stoßen, dass man letztes Wochenende bei Sonnenaufgang wieder erschreckt aus dem Bett fuhr. Der Schnauzer kennt bezüglich seines Ungemachs viele bei Schulkindern absolut verbotene Ausdrücke. In denen kommen sehr oft Liebesdienerinnen vor. Um neun gab es Bier. (Christian Schachinger/Der Standard/rondo/24/09/2010)