Die Engelstrompete verheißt Trost und spendet Duft auch an feucht-kühlen Abenden
Was die Erinnerung an frühere Zeiten Sommer nennt, scheint nun endgültig vorbei. Das Licht ist weiß statt gelb, Morgen und Abend sind feucht-kühl, und die meisten Sommerblüher hängen ausgepowert in ihren Beeten. Vereinzelte Nacktschnecken werden achselzuckend hingenommen, und das Entfernen des Verblühten nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Regen und Kälte heben die Laune auch nicht gerade auf Sommerniveau.
Sind die Sommerblüher bereits mehr oder weniger schütter und bringen nur noch unter extremer Anstrengung ein paar Blüten hervor, so lassen die Herbstblüher noch auf sich warten. In diesem Interregnum herrscht in meinem Hofgarten ein gewisser Ennui, eine von Melancholie geprägte Lustlosigkeit. Darüber hinaus klopft der Weltschmerz an die Tür und fragt "wozu das alles".
Strick, Klinge, Donauturm ...? In diesen Phasen des Garten-Ennuis gibt es ein wunderbares Antidepressivum. Es kommt in süßen Schwaden daher und duftet betörend nach Süden, Hitze und lauen Nächten im sommerlichen Garten. Die Engelstrompete ist wieder erblüht. Als Stecklinge aus Agadir nach Wien geschmuggelt und zu meterhohen Torbögen gezogen, erfreuen die Engelstrompeten nun seit Jahren mich und ganz Hernals mit ihrem Duft.
Alle paar Wochen blühen ganze Büschel an Trompeten auf und senden Duft gewordene Hitze schwül in den Himmel. Die nicht verholzenden Äste biegen sich unter ihrer Last und zeigen Demut vor deren Schönheit. Auf die Engelstrompeten ist Verlass. Die Dauerdufter (Brugmansia) gehören, wie auch unsere Erdäpfel, zu den Nachtschattengewächsen und enthalten daher giftige Alkaloide. Die Einnahme sollte tunlichst vermieden werden. Das Feine an den Blüten ist, dass sie auch tagsüber blühen und bereits am frühen Nachmittag dezent zu duften beginnen, um dann mit der Dämmerung so richtig loszulegen. Die Blüten bewahren über mehrere Tage hinweg ihre Pracht.
Mein Hof beherbergt wahrscheinlich zwei Hybridformen (ich konnte den Gärtner in Agadir nicht vor dem diebischen Abschneiden auch noch ausfragen), Brugmansia versicolor. Die Blüten sind sehr groß, bis zu 40 Zentimeter lang, und es erfreut eine intensiv duftende apricot-farbene Form und eine weniger duftende, dafür umso stärker leuchtende weiße Hybride den Bewohner.
Zwei Meter pro Saison
Die weißen Formen, wegen fehlender Farbpracht oft nicht so gerne gekauft, sind speziell ab der Dämmerung ein echter Bringer. Würden die Energiesparlampen alle so strahlen wie diese reinweißen Blüten im Dunkeln, gäbe es die Hamsterkäufe und Diskussionen zu den alten Glühbirnen längst nicht mehr.
Zwei Dinge muss man bei der Engelstrompetenpflege beherrschen: einerseits das Düngen und andererseits den Schnitt. Der Schnitt kann radikal erfolgen, wenn man bedenkt, dass so eine gut im Saft stehende Trompete locker zwei Meter pro Saison dazuwächst.
Selbst ein Absägen des Stammes knapp über der Erde kann einen neuen Austrieb im Folgejahr zur Folge haben. So entstehen die dichten Büsche, wobei man dann auf die Blüten ein wenig länger warten muss. Hat man diese Geduld nicht und zieht seine Trompeten eher als Hochstamm oder Torbogen, dann reicht ein Abzwicken der Spitzen genau jener Triebe, die bereits geblüht haben. Denn hat ein Trieb einmal die Potenz zur Blüte, dann lässt er sich diese auch nicht mehr nehmen. Die Stecklinge eignen sich übrigens als ideales Geschenk unter Gärtnern. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/17/09/2010)
Tipp
Im Buch Engelstrompeten von Monika Gottschalk sind die schönsten Sorten beschrieben und die wesentlichen Tipps zur Pflege und Überwinterung kompakt zusammengefasst.
Monika Gottschalk: Engelstrompeten; BLV Verlag / Euro 4,63, ISBN 978-3405157609
Weiters: Preißel, Ulrike; Preißel, Hans-Georg: Engelstrompeten, Brugmansia und Datura Ulmer, Eugen, GmbH & Co., Stuttgart, Euro 13,30, ISBN/ISSN: 978-3-8001-6614-5, Gebunden; 1997