Im Ennui des Interregnums

19. September 2010, 20:07
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    foto: fauma

    Die Engelstrompete spendet Trost. Die reinweißen Blüten strahlen förmlich im Dunkeln.

Die Engelstrompete verheißt Trost und spendet Duft auch an feucht-kühlen Abenden

Was die Erinnerung an frühere Zeiten Sommer nennt, scheint nun endgültig vorbei. Das Licht ist weiß statt gelb, Morgen und Abend sind feucht-kühl, und die meisten Sommerblüher hängen ausgepowert in ihren Beeten. Vereinzelte Nacktschnecken werden achselzuckend hingenommen, und das Entfernen des Verblühten nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Regen und Kälte heben die Laune auch nicht gerade auf Sommerniveau.

Sind die Sommerblüher bereits mehr oder weniger schütter und bringen nur noch unter extremer Anstrengung ein paar Blüten hervor, so lassen die Herbstblüher noch auf sich warten. In diesem Interregnum herrscht in meinem Hofgarten ein gewisser Ennui, eine von Melancholie geprägte Lustlosigkeit. Darüber hinaus klopft der Weltschmerz an die Tür und fragt "wozu das alles".

Strick, Klinge, Donauturm ...? In diesen Phasen des Garten-Ennuis gibt es ein wunderbares Antidepressivum. Es kommt in süßen Schwaden daher und duftet betörend nach Süden, Hitze und lauen Nächten im sommerlichen Garten. Die Engelstrompete ist wieder erblüht. Als Stecklinge aus Agadir nach Wien geschmuggelt und zu meterhohen Torbögen gezogen, erfreuen die Engelstrompeten nun seit Jahren mich und ganz Hernals mit ihrem Duft.

Alle paar Wochen blühen ganze Büschel an Trompeten auf und senden Duft gewordene Hitze schwül in den Himmel. Die nicht verholzenden Äste biegen sich unter ihrer Last und zeigen Demut vor deren Schönheit. Auf die Engelstrompeten ist Verlass. Die Dauerdufter (Brugmansia) gehören, wie auch unsere Erdäpfel, zu den Nachtschattengewächsen und enthalten daher giftige Alkaloide. Die Einnahme sollte tunlichst vermieden werden. Das Feine an den Blüten ist, dass sie auch tagsüber blühen und bereits am frühen Nachmittag dezent zu duften beginnen, um dann mit der Dämmerung so richtig loszulegen. Die Blüten bewahren über mehrere Tage hinweg ihre Pracht.

Mein Hof beherbergt wahrscheinlich zwei Hybridformen (ich konnte den Gärtner in Agadir nicht vor dem diebischen Abschneiden auch noch ausfragen), Brugmansia versicolor. Die Blüten sind sehr groß, bis zu 40 Zentimeter lang, und es erfreut eine intensiv duftende apricot-farbene Form und eine weniger duftende, dafür umso stärker leuchtende weiße Hybride den Bewohner.

Zwei Meter pro Saison

Die weißen Formen, wegen fehlender Farbpracht oft nicht so gerne gekauft, sind speziell ab der Dämmerung ein echter Bringer. Würden die Energiesparlampen alle so strahlen wie diese reinweißen Blüten im Dunkeln, gäbe es die Hamsterkäufe und Diskussionen zu den alten Glühbirnen längst nicht mehr.

Zwei Dinge muss man bei der Engelstrompetenpflege beherrschen: einerseits das Düngen und andererseits den Schnitt. Der Schnitt kann radikal erfolgen, wenn man bedenkt, dass so eine gut im Saft stehende Trompete locker zwei Meter pro Saison dazuwächst.

Selbst ein Absägen des Stammes knapp über der Erde kann einen neuen Austrieb im Folgejahr zur Folge haben. So entstehen die dichten Büsche, wobei man dann auf die Blüten ein wenig länger warten muss. Hat man diese Geduld nicht und zieht seine Trompeten eher als Hochstamm oder Torbogen, dann reicht ein Abzwicken der Spitzen genau jener Triebe, die bereits geblüht haben. Denn hat ein Trieb einmal die Potenz zur Blüte, dann lässt er sich diese auch nicht mehr nehmen. Die Stecklinge eignen sich übrigens als ideales Geschenk unter Gärtnern. (Gregor Fauma/Der Standard/rondo/17/09/2010)

Tipp
Im Buch Engelstrompeten von Monika Gottschalk sind die schönsten Sorten beschrieben und die wesentlichen Tipps zur Pflege und Überwinterung kompakt zusammengefasst.
Monika Gottschalk: Engelstrompeten; BLV Verlag / Euro 4,63, ISBN 978-3405157609

Weiters: Preißel, Ulrike; Preißel, Hans-Georg: Engelstrompeten, Brugmansia und Datura Ulmer, Eugen, GmbH & Co., Stuttgart, Euro 13,30, ISBN/ISSN: 978-3-8001-6614-5, Gebunden; 1997

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Kommentar posten
15 Postings
3ch0
00
20.9.2010, 15:22

Ich habe heuer extrem wenige von denen gesehen... Opfer des Klimawandels?

Hosh Bert
11
20.9.2010, 12:53
Mal nen schönen...

...Tee draus machen ;)

trollvottel
00
20.9.2010, 12:51

OK, Flora kenn ich. Aber wer ist der "Fauma" aus der Überschrift?

Irma la Douce
00
20.9.2010, 13:34
steht eh drunter:

der Autor: Gregor Fauma/Der Standard/rondo/17/09/2010)

GiordanoB
00
8.10.2010, 22:30

rofl

ranchorelaxo
02
20.9.2010, 11:23
Die Engelstrompete verheißt Trost ...

ja genau und im schlimmsten fall einen horrortrip!

Zarathustra
01
20.9.2010, 15:42
Zeugt davon, was antiliberale Drogenpolitik bringt...

....dass die Kids als Reaktion darauf so einen Dreck konsumieren. Engelstrompeten sind alles andere als harmlos und in Relation zur besch*issenen Wirkung das Risiko absolut nicht wert.

-rar
00
20.9.2010, 08:57
Im Ennui des Interregnums

Also "Im" und "des" hab ich wenigstens verstanden. 50% ist doch nicht schlecht...

GevatterTod
01
19.9.2010, 22:17
Giftig

Durch den hohen Anteil an Alkaloiden sind alle Pflanzenteile giftig. Atropin

Lukas Chen
00
22.9.2010, 15:37
Tee ist nicht giftig

Der Tee ist gut und auch gesund.

Irma la Douce
00
20.9.2010, 13:38
Hyoscyamin und Scopolamin

nuts'n'fruits
00
20.9.2010, 16:40
Atropin = Mischung aus (R)- und (S)-Isomer des Hyoscyamin

Irma la Douce
00
20.9.2010, 17:01
eben!

Clint Beastfood
00
20.9.2010, 13:36
Herr Gevatter

nicht aus dem Nähkästchen plaudern.

Sie vertreiben sich ja die eigene Kundschaft.

flohimpelz
00
20.9.2010, 12:46
Das ist auch das Mindeste,

das man in einen grindigen Hieb wie Hernals braucht!!

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