WEIN IM GEREDE

DAC, die Nächste

12. September 2010, 13:48
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    foto: apa/frank may

    Schön ist übrigens, dass bei der Präsentation auch neue Namen ins Spiel gekommen sind, die sich stilsicher mit ihren Leithaberg- und Eisenberg-Weinen unter den etablierten Betrieben positionieren konnten. Z. B. Eisenberg: Jalits, Vinum-Ferreum, Wachter-Wiesler; Leithaberg: Wagentristl, Michaela Raimon (Weingut Hofbauer).

Mag sein, dass wir Weintrinker "des Dak" vielleicht weniger brauchen als die Weinwirtschaft

Das Burgenland hat dieser Tage zwei neue DAC-Gebiete aus der Taufe gehoben. Eines davon ist genau genommen nicht brandneu: Eisenberg DAC bezieht sich auf "Eisenberger Weine", den Namen, unter dem das Südburgenland früher bekannt war. Das andere Gebiet ist insofern neu, als es nicht an agrarpolitisch gezogenen Gebietsgrenzen, sondern an einer klimatisch-geografischen Zusammengehörigkeit ausgerichtet ist: vom Leithagebirge bis ins Ruster Hügelland.

"Za wos brauch ma des Dak?", lautet die routinemäßige Frage einiger Besucher anlässlich der Präsentation. "Die Konsumenten werden verwirrt", wird als Kritik von Insidern und Trabanten der Weinbranche nachgeschoben. Alle Weinfans hätten doch gelernt, dass "Dak" ein Grüner Veltliner sei, und jetzt kommen die daher mit ihrem Eh-schonWissen ...

Klare Positionierung des Produkts

Mag sein, dass wir Weintrinker "des Dak" vielleicht weniger brauchen als die Weinwirtschaft, die im Sinne von Absatzmöglichkeiten und auffrischendem Gegenwind auf internationalen Märkten eine klare Positionierung ihres Produkts will. Daher wurde beschlossen, den Fokus auf die jeweilige Weinherkunft und den daraus resultierenden Stil zu legen.

Dem "Konsument verwirrt"-Einwand kann man wieder ganz einfach entgegentreten: Wein aus dem Kamptal schmeckt anders als jener aus dem Südburgenland, was, zugegeben, ein sehr plakatives Beispiel ist. Dann kommen die feineren Nuancen wie zwischen Weinviertel und Kremstal und Traisental, in denen überall Grüner Veltliner typisch ist, oder zwischen Leithaberg rot und Eisenberg, ebenfalls rot und beides Blaufränkisch, doch anders schmeckend. Im Grunde müsste man probieren und sich entscheiden, welchen Wein man mag. In einem weiteren Schritt denkt man nach, welcher Wein einem wann besser erscheint, ob vielleicht der Weinviertler zum Schnitzel oder ein Eisenberger zur Gans mehr hergibt. Und dann merkt man sich einfach den Gebietsnamen. Das kriegen wir doch locker hin. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/10/09/2010)

Kommentar posten
19 Postings
Cavaliere Huscher
00
15.9.2010, 09:32

Der Eisenberg steht fürderhin fürs Südburgenland? Na bravo.

jumpingjack flash
02
13.9.2010, 19:34

dac - das ist für die katz

gastrosoph
00
13.9.2010, 09:04
Verpasste Chance

1. Grüner Veltliner ist nicht gleich DAC, sondern das Weinviertel war die erste Region, die den Status DAC erhielt. 2. Lange davor versuchten die Traditionsweingüter ihre Lagen zu qualifizieren - wie etwa Erste Lage -, nach Vorbild des Burgund; was ich in meinem Buch 'Atlas der Österreichischen Weine' 1995 für Gesamt-Österreich übernahm. Diese Diskussion wurde leider politisch wie medial abgewürgt, und Jahre später entstand DAC Weinviertel mit Grüner Veltliner. Alles, was danach geschah und noch geschehen wird, ist kleinkariertes Denken zu Lasten des Konsumenten, der DAC nicht einmal buchstabieren kann, ich meine den genauen Wortlaut DAC.

Bund der Kleinlandwirte
00
13.9.2010, 17:54
DAC ist noch lange kein guter GV. Und nicht jeder gute GV ist ein DAC. Oft genug schließt sich das sogar aus.

Und da hat man beim Weinviertel DAC verabsäumt, dem Konsumenten eine Möglichkeit zur Identifikation mit traditionellen Methoden der Herkunftsregion zu geben.
"Mit dem Vollernter von der Rebe ins Stahlfaß" ist eben keine vermarktbare traditionelle Methode. Aber ohne Stahltank gibts keinen Weinvietel-DAC. Kellergassenromantik kommt beim DAC also nur für die Unbedarften auf.

Und daß man auf diese Art alle vom DAC ausgeschlossen hat, die ihre Weine im Holzfaß ausbauen? Wen kümmern noch die paar Weinbauern? Großbetriebe brauchen wir!
Und dann vielleicht auf die viele Handarbeit hinweisen? Das geht nur "austriacus controllatus", also mit Augenzwinkern.
Und die Kleinbauern können eben keinen DAC, selbst wenn sie beste Weine haben.

uni versalis
00
13.9.2010, 20:39
"Oft genug schließt sich das sogar aus."

also das mitnichten.

ich finde beim weinviertel dac eher problematisch, dass es sich dabei um ein ziemlich uneinheitliches gebiet handelt. was hat das retzer land zb mit dem schon pannonisch geprägten mannersdorf an der march zu tun?..

es gibt aber hervorragende dac weine und gerade im ursprünglich fassweinlastigen weinviertel haben sie zu einer steigerung der allgemeinen qualität geführt. dac garantiert einen qualitativen mindeststandard der sensorisch und stofflich sichergestellt wird und ein gewisses geschmacksprofil.

dass es keine hervorragenden nicht dac weine geben kann, sagt ja soviel ich weiss niemand.

Bund der Kleinlandwirte
00
15.9.2010, 00:49

Achja, das Wichtigste hab ich vergessen: Nichteinmal im Stahltank läßt sich, wenn man ihn ein wenig "sur lie" läßt und dann ins Holzfaß umzieht, ein guter GV machen, der im Jahr danach noch als DAC durchginge.
Aber als "Tröpferl für echte Freunde" gehts nur so.
Daher: entweder DAC oder guter GV - beides geht nicht. Es gibt natürnich auch guten DAC, aber den würde ich mir nicht aufheben, damit er besser wird - das sicher nicht.

Bund der Kleinlandwirte
00
15.9.2010, 00:40

Stimmt, das Gebiet ist uneinheitlich. Und das, obwohl der GV die vorherrschende Sorte bleibt.
Mir würde ja die Bezeichnung "Matzner Hügel" reichen.
Mir gehts vor allem darum, daß man da zum Bleistift den leicht pfeffrigen Abgang ins "vorgeschrieben sortentypische" des DAC hineingenommen hat, denn das läßt sich im Holzfaß nicht erreichen.
Weiters geht das DAC-Bestreben von Voraussetzungen aus, die vielleicht in Italien oder Frankreich vorliegen, wo lokale Genossenschaften riesige Mengen Trauben zu immer gleichbleibender Qualität verarbeiten können. Das geht eben bei unseren Betriebsgrößen und den lokalen Unterschieden nicht.

profiler
01
13.9.2010, 09:44

für die qualität der fotos in ihrem buch dürfen sie sich heute noch schämen

gastrosoph
01
13.9.2010, 10:12
Sie meinen die 1. Auflage,

da muss sich der Herausgeber - nicht Hallwag-Verlag, sondern Herr S. Sares - schämen, denn er sparte beim Einscannen der Dias und nahm die schlechten Druckvorlagen billigend in Kauf. Nachdem ich mein erstes Exemplar erhielt, habe ich es in die Ecke geworfen und ein halbes Jahr nicht mehr angeschaut.

E.T.A. Hoffrau
21
12.9.2010, 19:14
mein Favorit

Blaufränkisch Ried Hesperide Selection Essigstich

Titus_Maccius _Plautus_ex_Umbria
00
19.9.2010, 13:42
Farbenblind?

Hesperide ... da handelt es sich nicht um Rotwein!

Mirstetta Toni
11
14.9.2010, 10:45

ich dachte den rüpelheimer nierentritt.

florian holzer2
01
12.9.2010, 17:49

dennoch: ein blaufränkisch vom eisenberg hat mit einem blaufränkisch vom deutsch schützener weinberg ziemlich wenig gemein. wenn man das dac-verwirrspiel jetzt noch um eine nuance verschärft, indem man einer ganzen dac den namen einer großlage gibt, richtet man damit eher mehr schaden als nutzen an. abgesehen davon, dass der heimische bezeichnungs-irrsinn – den das dac-system ja mitunter auch beseitigen wollte – derzeit blüten treibt, von deren pracht wir gar nicht zu träumen wagten: einen "riesling ried käferberg ötw erste lage kamptaler reserve" gefällig? oder auch kurz rrrkötwelkr ...

uni versalis
00
13.9.2010, 15:58
sehr unterschiedlich ist ja auch wie das dac-system wahrgenommen wird,

nämlich je nach gebiet.

im kamptal meckern die meisten, dass dac hauptsächlich verwirrung gebracht hat. im früher stark fassweinlastigen weinviertel das lange unter einem imageproblem und strukturschwächen litt, wird es sehr oft als positiv gesehen. es hat dort in der tat einen imageverbessernden effekt gehabt und auch den qualitätsweinanteil angehoben. da find ichs auch noch überschaubar.

fazit: zur profilierung von gebieten mit geringem bekanntheitsgrad oder schwachem image durchaus ein probater weg (vor allem für den export), bei gut etablierten gebieten nicht unbedingt. ein dac wachau wirds wohl nie geben ;)

florian holzer2
00
14.9.2010, 18:58

völlig d’accord. im weinviertel bewegte es viel, brachte eine neue winzer-generation in den vordergrund, die heute mitunter weit über dem dac-niveau steht.
das problem: "weinviertel dac" wurde beim publikum – nicht zuletzt dank des enormen werbe-aufwandes – als marke verstanden, nicht aber als (wie du richtig sagst: völlig sinnlose) herkunftsbezeichnung. was danach kam, sorgte eher für verwirrung.

Herbert Warm
01
12.9.2010, 22:03
riesling ried käferberg ötw erste lage kamptaler reserve

Da fehlt das DAC!

profiler
01
12.9.2010, 20:29

ein riesling smaragd vom spitzer hochrain hat auch nichts gemein mit einem riesling smaragd vom kellerberg. dennoch funktioniert das system und wäre nicht mehr wegzudenken.

florian holzer2
11
12.9.2010, 23:53

sie geben mir also recht, dass es kontraproduktiv wäre, eine "dac kellerberg" zu kreieren, die alle rieslinge vom mauterner silberbühel bis zur viesslinger brandstatt zusammenfasst?

profiler
00
13.9.2010, 10:20

korrekt....
im wesentlichen gehts ja nur um marktpositionierung und nicht um orientierungshilfe.... nur, ob die mancherorts gewählten dienlich sind, erscheint mir mehr als nur diskussionswürdig. das beispiel wachau war von mir auch nicht gut gewählt, denn nirgendwo sonst ist der kommerzielle erfolg derart personen (winzer) bezogen und abhängig, wie ebendort.

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