Und neue Alben von Brandon Flowers, Dr. John und Lloyd Cole
PHILIP SELWAY Familial
(Bella Union) Der Schlagzeuger von Radiohead begeht auf seinem Debütalbum nicht den naheliegenden Fehler, in den Fußstapfen seines Chefs Thom Yorke Musik zu produzieren. Angsterfüllte, paranoide Endzeitsongs auf elektronischer Basis und geschredderten Elektrosmog-Geräuschen wird man hier vergebens suchen. Selway versucht lieber auf mit sanfter Stimme auf Akustikgitarrenbasis hübsch melancholische wie zurückhaltende Songs zu komponieren, die die Möglichkeiten von Computertechnik, sagen wir einmal, durchaus einbeziehen. Die Lieder bleiben aber als solche erhalten. Man muss sie im Zweifel auch allein vor dem Wohnzimmerkamin zupfen können. Eine sympathische Arbeit.
BRANDON FLOWERS Flamingo
(Island/Universal) Der Sänger der aus Las Vegas kommenden Band The Killers wollte die nächste Großproduktion seiner Stammcombo nicht erwarten und schießt nun dieses etwas durchwachsene Soloalbum auf den Markt. Ob er damit gut beraten ist, darf bezweifelt werden. Ansonsten für Bombast und weltumarmende barocke Refrains bekannt, geht es auf Flamingo entschieden beruhigter und ereignisloser zu. Brandon Flowers bringt dieses Mal seine großen Vorbilder Sparks, denen er bezüglich der Songblaupausen seine gesamte Karriere verdankt, auf schlanker Hausmusikbasis mit diversen Synthesizern und gelegentlichen HawaiiGitarren- und The-Edge-Einschüben dar. Auch rhythmisch hat er sich auf U2 und deren With Or Without You festgelegt.
DR. JOHN Tribal
(Proper/Lotus) Der Doktor aus New Orleans befindet sich nach einer längeren von Krankheit und kreativem Dienst nach Vorschrift geprägten Phase schon seit dem Vorgängeralbum, dem zornigen City That Care Forgot, in dem er über seine Heimat nach dem Hurrikan Katrina berichtete, wieder in Hochform. Auch hier geht es mit Only In America wieder recht eindeutig zur Sache. Musikalisch fußen die Songs auf solidem Funk mit diversen einschlägigen Zutaten aus dem Melting Pot am Mississippi.
LLOYD COLE Broken Record
(Tapete) Der in den USA lebende Brite veröffentlicht das erste mit Band eingespielte Album seit Ewigkeiten. Dringlicher wird das Alterswerk des einstigen Wunderwuzzis (Perfect Skin) dadurch aber auch nicht. Komatöser Country. (ALBUM/DER STANDARD - Printausgabe, 10. September 2010)