Der Franz war jetzt länger nicht in London - Eigentlich wollte er dort auch nicht mehr hin, weil es in der Innenstadt mittlerweile aussieht wie in einer russischen Luxus-Mall
Der Franz war jetzt länger nicht in London. Eigentlich wollte er dort auch nicht mehr hin, weil es in der Innenstadt mittlerweile aussieht wie in einer russischen Luxus-Mall. "Mit Hemden unterhalb des Paul-Smith-Niveaus schauen sie dich dort an, als ob du wegen Krebs nicht mehr lange zu leben hättest", so Franz. Apropos Paul Smith. Dort wollten sie ihm statt einem passenden Mantel in kleiner Größe frech einen in mittlerer andrehen. Wahrscheinlich rechnen die Verkäufer damit, dass in den Heimatländern der Kundschaft eine Schusswaffe darunter Platz haben muss, ohne dass sich Paul Smith ausbuchtet. Paul Smith, so der Franz, sei für ihn jedenfalls gestorben. Peng, peng.
Auch was seine jüngeren Freunde so in London treiben, geht dem Franz hinten vorbei. Amy Whinehouse in einem Pub in Camden zu suchen, um ihr beim Trinken zuzusehen, findet er eher blöd. Der Ankauf seltener Drum-'n'-Bass-Singles in Kellerlokalen in Soho sei etwas für DJ spielende Kinder. Und dass man zum Tschicken hinaus in den Regen muss, brauche er wohl nicht extra erwähnen.
Franz war also als noch nicht so alter Mann in London, um dem Konzert eines wirklich alten Mannes beizuwohnen. Man muss ihn sich als früher unumschränkt regierenden Sexgott der Weltjugend vorstellen. Franz war vom Auftritt begeistert: "Ich war der Siebzehntjüngste im Saal!" Das Publikum trug verwaschene, um den Bauch spannende Hardrock-T-Shirts und wirkte abgelebt. Franz stand mit seiner Einkaufstasche von Paul Smith mittendrin und freute sich. In der Tasche lag ein neues Hemd. (Christian Schachinger/Der Standard/rondo/10/09/2010)