Herzlichst, deine ...

7. September 2010, 16:28
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    foto: reuters/sukree sukplang

    Sonnenschirme können den Geschmack Ihres Weines beeinflussen.

Der Esprit eines Urlaubsortes ist bei flüssigen Souvenirs nicht zu unterschätzen

Die Flasche mit dem bunten Wachspanzer steht im Partykeller. Beim Spielen mit dem Wachs wird das Etikett freigelegt: Lacryma Christi 1975, gewachsen an den Hängen des Vesuvs, kam dereinst als Souvenir mit zurück in die Heimat. An den Urlaub an der Amalfi-Küste erinnerte man sich kaum über den Geschmack des Weines, sondern vielmehr, wenn die Kerze im Flaschenhals die Party erleuchtet, ein fast prototypisches Ende für ein flüssiges Urlaubssouvenir.

Ein Urlaubsflirt ist zwar wunderschön, doch sehr oft erweist sich die krampfhafte Verlängerung desselben als wenig erbaulich. Auch mit kulinarischen Liebeleien, die man aus dem Urlaub mit nach Hause nimmt, passiert dies oft. Man speist in einem netten Lokal und verliebt sich in den vino della casa. Hingerissen packt man ein, was der Koffer fassen kann. Doch daheim in Nieselregen und Alltagstrott schmeckt der Wein, der einem unterm Sonnenschirm auf der Terrasse mit Meeresblick so göttlich vorkam, deutlich profaner, einfach weniger gut.

Psychologie und Geschmacksnerven

Eine Rolle spielen dabei Psychologie und Geschmacksnerven. Man ist milde gestimmt, isst anders und das gut. Oft handelt es sich bei diesen Weinen um sehr eigenwillige Weinstile, die sich zur Küche des Urlaubsortes hervorragend machen, beim heimischen Schnitzel jedoch wenig von ihrem Zauber ausspielen. Eine Erklärung liefert eines der verlässlichsten Gebote bei der Kombination von Speisen und Wein: Regionales passt zu Regionalem. Speisen und Getränke haben sich aus den lokalen Gegebenheiten heraus entwickelt und ergänzen sich auf die natürlichste Weise. Fehlt oder schwächelt nun eine der Komponenten, funktioniert das Gesamtwerk nicht mehr. Auch Retsina ist einer dieser Klassiker. Die Erinnerungen an die Gelage während Maturareisen, bei denen der trockene, geharzte Wein auch den millionsten "Greek salad" aufpeppte, bleiben im Gedächtnis. Beim Revival zurück in Wien vermag er nicht mehr zu überzeugen.

Ein weiterer Grund fällt nur bei Weinen ins Gewicht, die man im Urlaub getrunken hat und zu Hause nachkauft: Sie werden manchmal einfach anders gemacht. Ursache dafür ist das Missverständnis auf Produzentenseite, sich an den Konsumentengeschmack anpassen zu müssen. Lambrusco und Sherry sind zwei Beispiele dafür, wie Weine für den Export aufgehübscht beziehungsweise abgesoftet werden, aber dadurch geschmacklich nicht gewinnen.

Landesgeschmäcker

Speziell die Manzanilla- und Fino-Sherrys sind in ihrer Heimat Südandalusien, in den Bars von Sanlúcar de Barrameda und Jerez, in hinreißenden Qualitäten zu finden und geben mit Tapas, Fisch und Meeresfrüchten eine köstliche Kombination ab. Ersteht man diesselbe Marke im Heimatland, erlebt man oft die Enttäuschung, dass derselbe Sherry weniger prägnant und verwässert schmeckt. Denn manche Produzenten tendieren dazu, ihr Produkt durch Filtration an Landesgeschmäcker anzupassen.

Lambrusco wieder, roter Frizzante aus der norditalienischen Emilia-Romagna, ist in Österreich mit ganz wenigen Ausnahmen in der süßlichen Version amabile und dolce zu bekommen. In seiner Heimat rund um die Städte Modena und Bologna trinkt man ihn secco, deutlich trockener. Was hierzulande pappig-süß und langweilig daherkommt, ist vor Ort ein anregend prickelnder Wein, der mit Fruchtaromen von Himbeeren bis Brombeeren spielt und hervorragend zu Parmaschinken, Parmigiano Reggiano und Mortadella passt.

Was tun dagegen? Man kann die Euphorie beim Einkauf zügeln. Oder: Milde walten lassen, und sich an den schönen Erinnerungen erfreuen. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/03/09/2010)

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