Conrad Seidl über die Idee, alles in deutscher Sprache bezeichnen zu wollen
Anlass waren ein paar Milchpackerln, die die NÖM mit Aufschriften in türkischer Sprache versehen hat: Daraufhin hat der freiheitliche Sprachpolizist Harald Vilimsky einen Antrag angekündigt, nach dem Produkte "mit Ausnahme des Produktnamens in deutscher Sprache gekennzeichnet sein müssen".
Als Biertrinker ist man ja nicht allzu oft mit Milch (bzw. türkisch "Süt") konfrontiert - wohl aber gibt es eine Reihe von fremdsprachlichen Bezeichnungen, die Opfer heimattreuer Trinkregulatoren werden könnten. Müssen wir "Guinness Stout" künftig als "Guinness wohlbeleibt" übersetzt bekommen? Und "Zipfer Sparkling" als "Zipfer funkenschlagend"? Übersetzt man ein französisches "Bière de Garde" als "beaufsichtigtes Bier" oder - wie es Wörterbücher fälschlich vorschlagen - als "Lagerbier", obwohl es sich eigentlich um ein lange gelagertes Ale handelt?
Überhaupt "Ale"! Sprachpolizisten würden da wohl lieber "obergäriges Bier" sagen, für "Pale Ale" also "bleiches obergäriges Bier".
Absurd? Natürlich. Wenn man aber mit Burschenschaftern spricht, dann kommt man drauf, dass solche Ideen ziemlich ernst zu nehmen sind - weil für manche Leute das Konzept dahinter steckt, dass man nur heimisches Bier nach heimischem Rezept trinken sollte. Und anderes tunlichst vom Markt zu verbannen wäre - was man natürlich mit prohibitivem Aufwand für Etiketten recht einfach bewerkstelligen könnte.
Wobei das Nötige ohnehin schon von Gesetzes wegen auf dem Etikett stehen muss. Selbst auf den "Süt"-Packerln steht ganz korrekt auch "Milch". (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/03/09/2010)