Gummistiefel in der Stadt

2. September 2010, 18:00
  • Früher war Regen einfach Regen, heute verkünden Meteorologen 
"Starkregen" und lösen Panik aus.
    foto: der standard

    Früher war Regen einfach Regen, heute verkünden Meteorologen "Starkregen" und lösen Panik aus.

Pro: "Idylisches Fußkondom" von Alexander Fanta - Contra: "Die innere Nässe" von Karin Pollack

+++Pro
Von Alexander Fanta

Der Gummistiefel ist das schönste, vielleicht sogar das einzig schöne Geschenk, das die Plastikgesellschaft der Landbevölkerung jemals gemacht hat. Die schlichten Fußkondome sind zwar eine hatscherte Entschädigung für die hässlichen Kunststoffbahnen, mit denen Heuballen auf herbstlichen Feldern umwickelt werden. Für mich als Kind aber waren Gummistiefel die sinnlichste Art, Nicht-Nähe zur Umwelt zu spüren, die wohlige Geborgenheit eines innen gefütterten Kokons, der zumindest die kälteempfindlichste Extremität des Menschen vor nass-runzeliger Faltigkeit schützt. Warum nicht dieses Gefühl der Unverwundbarkeit hinüberretten ins Urbane, wo meine Sportschuhe die Nässe des Regens aufsaugen wie ein Schwamm? Warum nicht gerade bei strömendem Regen durch den Augartenpark laufen und dabei lachend dem Unwetter trotzen? Auch die ästhetischen Qualitäten des Gummistiefels sind erkennbar. Seine klaren, geraden Linien machen die alte Frage nach Schuhbändern oder Klettverschluss für seinen Träger obsolet.

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Contra---
Von Karin Pollack

Früher war Regen einfach Regen, heute verkünden Meteorologen "Starkregen" und lösen Panik aus. Sogar Menschen, die in der Stadt leben, tauchen dann mit Gummistiefeln im Büro auf. Angeblich, um trockenen Fußes zur Arbeit zu kommen. Das mag äußerlich betrachtet stimmen, doch es gibt auch eine innere Nässe. Ja, wir sprechen von Schweißfüßen. In Gummlern entwickeln sie sich prächtig, darüber können auch die neumodischen Muster nicht hinwegtäuschen. Die Luft zirkuliert einfach nicht. Aber bitte nicht falsch verstehen: Auf dem Land sind Gummistiefel eine gute Sache. Dort gibt es Gatsch, Pfützen und hohes Gras. Aber in der Stadt? U-Bahn- und Busstationen sind nie weit entfernt, der Asphalt meistens glatt, und langmächtige Fußmärsche im urbanen Raum sind bei Regen selten ein Muss. Warum es die lustigen Gummistiefel dann trotzdem gibt? Sie sind eine Erfindung der Schuhindustrie, die angesichts der wettertechnischen Machtlosigkeit der Menschen vom Klimawandel profitieren will. Das stinkt von den Füßen aufwärts zum Himmel. (Der Standard/rondo/03/09/2010)

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19 Postings
Ich habe

ausgesprochen schöne schwarze Gummistiefel mit dezentem grauem Muster... und wieso nicht in der Stadt, wenn es in Strömen regnet?

Nur - da die Füße ja schwitzen - wenn man in ein Cafe geht, beginnt man zu "driften"... also meine riechen nach einer Zeit - für meine Ohren spürbar - nach Gummi...

ich finde es dieselbe üble Mode wie die crocs.

Wohl alle hier aus Posemukel ?

Gummistiefel sehen einfach mal gut aus und dies speziell an Frauenbeinen. Endlich hat sich die Normalität aus New York und London in Deutschland durchgesetzt.
Weshalb soll man denn keine Gummistiefel in der Stadt und im Büro tragen ? Sind Schweissfüsse in Goretex-oder Plastikturnschuhen angenehmer ?

Gut, Österrreich hinkt ja immer etwas der Zeit hinterher, aber das ändert sich. Der Durchbruch wird kommen wenn auf dem nächsten Opernball Gummistiefel der Hit sein werden.

Gummistiefel sind nur etwas für selbstbewusste hübsche Frauen und starke Männer die den Gaffern, Miesepetern und Krittlern eine lange Nase zeigen.
Ich und ganz viele andere geniessen den Spass mit und in Gummistiefeln.

Hab vor ein paar tagen das 1. mal eine arbeitskollegin mit (eh vermeintlich huebschen) gummistiefeln gesehen. Da hab ich mir noch gedacht wie freaking und und wenig um sein optisches bemueht muss man sein, dass man gummistiefel traegt. Nachdem ich jetzt den artikel gelesen hab, kann ich nur hoffen, dass gummistiefel (zumindest bei frauen) trotzdem die ausnahme bleiben...
Sollen sich die leut halt gore-tex stiefel kaufen, die schauen wenigstens noch was zugleich.

Ich wähle meine Kleidung als Mann Anlassoptimiert

wenn es regnet und ich spazieren gehen möchte, dann trage ich Gummistiefel - auch in der Stadt. Meine Gummistiefel sind olivgrün und haben eine ordentliche Profilsohle - im Gegensatz zu den lustig bunten Modeerscheinungen mit ihren dünnen Riffelsohlen durch die man jeden Kieselstein spürt. Wozu sollte ich meine "normalen" Schuhe durchnässen und mit kalten und nassen Füßen heimkommen ? Mein Wohlbefinden ist mir wesentlich wichtiger als irgendwelche Modetrends. In nördlicheren Breiten (Hamburg bis Nordkap) ist es völlig normal, bei Regen in Gummistiefeln herumzulaufen. Natürlich trägt man die Dinger nicht den ganzen Tag und schon gar nicht im Büro - das wäre Schwachsinn.

In Hamburg und Bremen habe ich das noch nicht gesehen, aber in Kopenhagen sind Gummistiefel bei Regen gang und gäbe. Aber ordentliche mit Profil, so daß man nicht von den Pedalen abrutscht (in Kopenhagen fahren viele Leute bei jedem Wetter mit dem Rad).

Redens kan Lavendel. In Bremen hab ich noch niemanden mit Gummistiefeln gesehen.

Nee! Weder in Hamburg noch in Spitzbergen läuft irgendjemand mit Gummistiefeln herum.

(kniehohe) Gummistiefel haben einen Vorteil: sowohl Socken als auch Hosen bleiben trocken (vielleicht kann ich ja nicht gehen aber bei jedem mittelmäßigen Regen nasse Füß bis zu den Knien zu haben ist nicht ganz so toll wie es sich vielleicht anhört).
Dazu ein auch im gegensatz zu Schirmen windfester Regenmantel und das Wetter macht echt mehr Spaß.

Wer Angst davor hat im Büro nicht ernst genommen zu werden nimmt sich einfach ein paar andere Schuhe mit/bzw. hat sie schon dort.
Sollte selbst einlaufen mit Gummistiefeln dem Image schaden - sollte man versuchen ein bisl weniger verkrampft zu sein - dann klappt es auch mit den Gummstiefeln.

Darf man jetzt zu den Giebelkreuzlern auch Fußkondom sagen?

Kryptofetischisten

Gummistiefel und Stadt? No go!

Bitte zu den Gummistiefeln unbedingt eine

Freitag-Tasche tragen, damit man auch sieht, dass man zu der wirklich hippen, junggebliebenen und urbanen Revoluzzer-Gesellschaftsschicht gehört, die im Gegensatz zu ihrem ÖVP-Elternhaus grün wählt.

ja, stimmt...

...und dazu dann noch in der rechten hand einen frisch gekauften biokaffee und in der linken das handy, eifrig hineinstammeld und nur über sich und seine aktivitäten erzählend...ein gutmensch für sich, eben. peace, schwestern und brüder!

einfältige gurke!

Unlängst sah ich einen mir flüchtig bekannten Ruambauern mit knallgelben Gummistiefeln (knallgelb, vermutlich Lagerhaus) zum einem Postkastl gehen. War das ein pöhser Grünwähler/Bobo?

Ich konnte keine Freitagtasche erkennen.

Das kann man in Österreich nicht so genau sagen...

War aber nicht in einer Stadt, oder?

nnaaa...

...entwarnung. das war der wirklich echte, mit recht und praxisnah tragende naturbursch. die gibt`s nimma so oft!

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