Ein Parfum geht zwar durch die Nase - Eindrucksvolle Bilder machen es langlebiger - Jetzt nützen die großen Parfummarken die Kraft der großen Filmemacher
Martin Scorsese, Guy Ritchie, schöne französische Jungschauspielerinnen - und man ist trotzdem nicht bei den Academy oder auch nur den MTV-Movie-Awards, sondern bei der Herbst-Parade neuer Parfums. Wer etwas auf sich hält, engagiert nicht Kreativdirektoren von Werbeagenturen, um das Produkt mit einer Geschichte aufzuladen, sondern gleich jene, deren inszenatorischer Atem länger als für 90 Sekunden reicht. Aber wie macht sich nun Martin Scorsese, wenn er seine Liebe zur filmischen Epik und der vielen feinen Handlungsfäden an der Studiotür abgeben muss.
Nun erstmal hat er mit dem Auftraggeber Glück. Bleu de Chanel, der neue Herrenduft aus dem Haus mit dem Doppel-C, verträgt ein bisschen Scorsese-New-York-U-Bahn-Dreck. Der wird von einem hübschen, glatten französischen Jungstar in der Hauptrolle mehr als neutralisiert. Der Duft ist eine Mischung aus hölzernen und ganz frischen Noten, die New Yorker U-Bahn bleibt auf der Leinwand. Yves Saint Laurent hat sich für die Reloaded-Version des Klassikers Opium eine ganz junge französische Kinotruppe zusammengestellt. Romain Gavras, Sohn von Costa, inszenierte die César-gekrönte Mélanie Thierry in einer Tanzperformance, choreografiert von Avram Khan, um die Verbindung von Belle d'Opium zur Kultur herzustellen. Der orientalische Suchtfaktor, der bei der ersten Opium-Version schon so stark wirkte, ist in der Reloaded-Variante erhalten, ein Tick frischer ist es doch.
Ganz neues Spielzeug für die Generation iPhone hat Givenchy mit einem Filmchen unterfüttert. Play for Her, ein Flakon wie ein Telefon, gibt's in Lila und Rosa quasi als Barbie-Accessoire für die ganz Fortgeschrittenen. Der Film-Ken zum Barbie-Accessoire ist Justin Timberlake, der wie im ekstatischen Finale eines französischen Beziehungsschinkens mit der blonden Angebeteten über die Champs de Mars zum Eiffelturm rennt, um sich von dort aus gemeinsam an den Lichtern von Paris zu erfreuen. (bs/Der Standard/rondo/03/09/2010)