Schwein haben

27. August 2010, 16:13
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Schon wieder ein Lokal, das sich dem Lieblingsessen der Österreicher auf gewinnende Weise nähert

Domenico Romanelli stammt aus Genua, insofern ist es nur logisch, dass er jahrelang als Schiffskoch auf den Weltmeeren unterwegs war. Als Chefkoch einer Trattoria authentisch regionaler Prägung, wie sie in Italien Standard, hierorts aber allzu rar sind, taugt er damit nur noch bedingt: Romanelli hat zu viel von der Welt gesehen, um noch genau so kochen zu wollen, wie er das von der Mamma gelernt hat - selbst wenn unsereins transalpine Barbaren sich nichts Besseres wünschen können.

Anderseits ist Domenico Romanelli aber schon auch ein Glücksfall. Er hat nämlich immer, wirklich immer, eine ordentliche Porchetta in seiner Küche griffbereit. Das ist nicht zuletzt deshalb so, weil der Name des Lokals Programm sein soll. Porchetta ist die italienische Variante des Spanferkels und schon deshalb ganz unvergleichlich besser, als die Dickschweine gleicher Bezeichnung, die auf inländischen Zeltfesten als feste Unterlage herhalten müssen. Konkret handelt es sich um ein junges Ferkel, das vom Bauch her entbeint wird.

Ob warm oder kalt - ein Genuß

Die Innereien kommen, mit gereiftem Lardo faschiert und mit Rotwein und/oder Gewürzen abgeschmeckt, wieder hinein, das Ding wird gut durchmassiert und straff zur Großwurst vernäht, an deren Ende freilich der Schädel rausguckt. Knusprig gebraten gehört eine Scheibe Porchetta, warm (aber durchaus auch kalt) ganz unzweifelhaft zu den höchsten Genüssen, die die Sau bereithält. Das ist im Porchetta nicht anders, wer da nicht aufisst, kann sich aber glaubwürdig an den gewaltigen Portionsgrößen abputzen.

Von diesem Urmeter italienischer Küchenkultur einmal abgesehen, nimmt sich das Angebot des Porchetta aber zwiespältig aus. Die vegetarische Lasagne mit Schafkäse, Spinat und Artischocken wird nicht nur in der Mikro aufgewärmt, sondern auch noch auf einer mit Trüffelöl verschlimmbesserten Sauce serviert - durchaus essbar, von stolzer Mamma-Küche aber weit entfernt.

Auch der Risotto mit Garnelen und Zucchini macht wenig Freude, zu gummig geraten die Shrimps, zu massiv fährt das Aroma des Suppenpulvers über etwaige Nuancen drüber. Dafür geraten die Lammkoteletts mit samtigem Bohnenpüree und Gemüse wieder ziemlich gut. Ausbaufähig: die Weinkarte, bei der man sich nicht ausschließlich auf heimischen Winzern ausruhen sollte, von denen zu man durchaus zu Recht noch nichts gehört hat. (Severin Corti/DER STANDARD/rondo/27/08/2010)

Ristorante Porchetta
Schlickgasse 2
1090 Wien
Tel.: 0664/203 12 64, Mo-Sa 11.30-22.30 Uhr

VS EURO 2,10-5,90, HS EURO 7,90 (Porchetta)-12,80

Fotos: Gerhard Wasserbauer

  • Domenico Romanelli mit einem entbeinten, gefüllten Spanferkel. Das Ding heißt Porchetta und schmeckt extragut. Gibt es ab jetzt immer in diesem Ristorante.
    fotos: gerhard wasserbauer

    Domenico Romanelli mit einem entbeinten, gefüllten Spanferkel. Das Ding heißt Porchetta und schmeckt extragut. Gibt es ab jetzt immer in diesem Ristorante.

  • Knuspriges Spanferkel namens Porchetta.
    fotos: gerhard wasserbauer

    Knuspriges Spanferkel namens Porchetta.

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