In der Dichterstube

22. August 2010, 16:49
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Der Dichterfürst hat Abgabetermin und schreibt: "Gestern Nacht legte sich der Teufel zu mir und rieb sich an meinem Rücken."

Nein, halt. So geht das nicht. Also: "Gestern Nacht wurde D. in Versuchung geführt ..."

Blödsinn. Probieren wir es so: "Satan erhob sein schreckliches Haupt und wisperte dem armen Sündermann D. Worte der Verheißung ins Ohr." Oh, Gott, das wird eine lange Nacht werden. Neuer Versuch: "Er war sich nicht sicher, ob es die körperlichen Entzugserscheinungen waren, die in D. ein unvorstellbares Verlangen evozierten - oder doch seine intellektuell brüske Ablehnung einer heimischen Brauereiwerbung, die gerade mit nackten Plakatfrauen landesweit Produktwerbung betrieb, was D. dann unbewusst vielleicht doch positiv in seinem Bestreben beeinflusste, nach der Flasche zu ..."

Kreuzteufel, der Satz ist nicht nur viel zu lang. Er ist auch zu deppert.

Einer noch: "Als D. eines Nachts nicht und nicht schlafen konnte, bemächtigte sich seiner das Verlangen nach vergorener Linderung." Nix. "Eines Morgens wachte D. auf und bemerkte, dass ihm das Böse ein Loch in den Bauch gefressen hatte." Nix, nix. "Weh mir. Weiche, Satan!" Nix, nix, nix! "Haltet ein!" Nein! Dieser hier: "Der Tod kam D. wie eine Erlösung vor, die in Gottes Bauplan ursprünglich nicht vorgesehen war. Ursprünglich, Ursprung, Zipfer Urtyp." Jetzt reicht es aber endgültig.

Der Dichterfürst greift zum Telefon und ruft Franz an: "Ich weiß, es ist schon spät, aber du hast nicht zufällig Durst?" (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 20.08.2010)

  • "Gestern Nacht wurde D. in Versuchung geführt ..."
    foto: heribert corn

    "Gestern Nacht wurde D. in Versuchung geführt ..."

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