"Ich liebe Essen"

19. August 2010, 17:40
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Lana Vladi ist Model - und studiert an der Slow-Food-Uni in Pollenzo. Wie das zusammengeht, erklärte sie Georg Desrues.

Das, was man gemeinhin eine slawische Schönheit nennt, ist die gebürtige Sankt Petersburgerin eher nicht. Aber eine Schönheit ist Lana Vladi allemal. Obwohl sie auffallend schlank ist, drückt alles an ihr Gesundheit, Jugend und Lebensfreude aus. Im Alter von acht Jahren übersiedelte die heute 23-Jährige mit ihrer Mutter in die Toskana. Die letzten acht Jahre hat sie hauptberuflich damit verbracht, die Welt als Model zu bereisen. Durch die Moderation einer Kultursendung im Staatsfernsehen Rai wurde sie in Italien endgültig zum Star. Nun studiert sie an der Slow-Food-Universität für gastronomische Wissenschaften in Pollenzo, Piemont. Und lernt hier, warum Olivenöl das gesündeste Fett ist, wodurch Transfette entstehen, wie man Bier verkostet, oder worauf man bei der Herstellung von Butter oder Mascarpone achten sollte.

Standard: Wie kommt ein erfolgreiches Model wie Sie auf eine Uni, an der man alles studiert, was mit Essen zu tun hat?

Lana Vladi: Essen war schon sehr früh meine Leidenschaft. Durch den Job bin ich viel gereist und habe mich dabei für lokale Gerichte interessiert. Die Geschichte und die Herstellung von Essen erzählen von der Identität eines Ortes. Außerdem lebt man bei den Jobs zusammen mit anderen Models, die von überall herkommen. Man kocht gemeinsam die Gerichte aus der Heimat.

Models kochen?

Vladi: Na ja: nicht so oft und natürlich nicht alle - aber manche schon. Speisen aus der Heimat vermitteln einem Geborgenheit.

Ist italienische Pasta Heimat für Sie?

Vladi: Absolut. Aber die Gerichte meiner russischen Großmutter genauso. All die dicken Suppen wie Borschtsch oder auch Blinis und starker Tee: Das ist ebenfalls meine Heimat.

Es heißt immer, Models hätten ein gestörtes Verhältnis zum Essen.

Vladi: Das stimmt nur zum Teil. Natürlich gibt es viel zu dünne Models. Aber die sind oft erst fünfzehn Jahre alt. Und wenn du fünfzehn bist und einen Meter achtzig groß, dann kannst du wahrscheinlich so ziemlich alles essen, ohne dick zu werden. Aber es gibt auch Models, die wirklich schöne Frauen und ziemlich üppig sind.

Also halten nicht alle strengste Diäten?

Vladi: Viele tun das. Aber sie sind nicht die Einzigen. Schauen Sie sich Ballett-tänzerinnen oder Turnerinnen an. Wenn man sich dazu entscheidet, einen professionellen Weg einzuschlagen, dann muss man ihm auch folgen. Und beim Modeln gehört es dazu, seine Maße zu halten. Deswegen begibt man sich vor einer Show auf Diät. Das ist in vielen Berufen nicht anders. Meine Mutter war Kurzstreckenläuferin: Vor den Wettbewerben hat sie so gut wie gar nichts gegessen.

Wie war das bei Ihnen?

Vladi: Mein Metabolismus ist leider nicht so nachsichtig wie der von anderen. Ich hab mich immer zurückhalten müssen. Ich habe begonnen, mich mit Ernährung zu beschäftigen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was in meinem Essen drin ist: welche und wie viele Nährstoffe, und was mein Körper davon braucht.

Das klingt nicht so genussvoll.

Vladi: Essen ist mit vielen Gefahren verbunden. Die meisten Fertiggerichte enthalten lauter Zeug, das sehr ungesund ist. Um bedenkenlos zu genießen, ist es besser, man kocht selber. Auch der soziale Aspekt zählt. Viele Menschen vergessen, dass Essen all diese verschiedenen Seiten hat. Magersucht und Fettleibigkeit sind nicht nur Zeichen eines gestörten Verhältnisses zum Essen; beide Krankheiten entstehen oft aus Einsamkeit und aus Unzufriedenheit mit sich selbst.

Was planen Sie in Zukunft?

Vladi: Einstweilen habe ich den Beruf an den Nagel gehängt, um mich dem Studium zu widmen. Ich liebe Essen. Aber ich will auch wissen, wo es herkommt und woraus es besteht. "Gute" Gerichte und Lebensmittel können so viele Geschichten erzählen - die will ich kennen lernen. (Georg Desrues/DER STANDARD/rondo/20/08/2010)

  • Essen - aber mit Hirn: Model Lana Vladi.
    foto: rime arodaky

    Essen - aber mit Hirn: Model Lana Vladi.

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