Maria und das Krokodil

13. August 2010, 15:06
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Cartier-Superstarjuwelen sind bis 17. Oktober in einer Ausstellung in Prag zu sehen

Die verwegensten Persönlichkeiten der letzten hundert Jahre hatten oft nur eines gemeinsam: Sie bestellten ihren Schmuck bei Cartier in Paris. Dabei entstanden Meilensteine der Goldschmiedkunst, die ebenso spektakulär sind wie ihre Auftraggeber.

Die mexikanische Schauspielerin und Diva de luxe Maria Felix etwa war um einen glamourösen Auftritt nie verlegen. Keine Idee war ihr zu abwegig, um ihrer Schmucksammlung immer neue Facetten hinzuzufügen.

Eines schönen Tages, wir schreiben etwa Mitte der 70er-Jahre, kam sie mit einem Behälter, in dem ein lebendiges Babykrokodil lag, an die Rue de la Paix 13, Cartiers Hauptsitz, und gab ein Krokodil-Collier in Auftrag. Möglichst lebensecht sollte es sein. So wie jenes Schlangencollier, das sie sich 1968 aus 2473 Diamanten ebenfalls bei Cartier anfertigen hatte lassen.

Prunksucht und Märchenjuwel

Bei anderer Gelegenheit hätte die flamboyante Femme Fatale beinahe ein Galadiner ihres Lieblingsjuweliers platzen lassen, weil ihr Gärtner nicht an ihrem Tisch saß. An und für sich ja kein Fauxpas. Nur, der Gärtner war in ihrem Fall auch der Liebhaber.

Illustre Persönlichkeiten mit noch illustrerem Geschmack zählten seit jeher zur Stammkundschaft des Hauses Cartier. Und wenn der französische Juwelier jetzt bis zum 17. Oktober im Prager Schloss 360 seiner spektakulärsten Schmuckstücke und Objekte der letzten hundert Jahre zeigt (aus einer Sammlung von 1400 Stücken), dann gibt er auch ein bisschen die Lebensgeschichten und Vorlieben ihrer Besitzer Preis.

Etwa die Prunksucht von Sir Bhupindra Singh, Maharadscha von Patiala, der zwischen 1925 und 28 Koffer voller Edelsteine und Familienschmuck ins Pariser Atelier sandte mit der Bitte, diese in eine zeitgemäße Fassung zu bringen. Darunter befand sich auch jener berühmte gelbe De Beers Diamant, der sage und schreibe 234, 69 Karat wog. Mit diesem Stein fertigte Cartier ein Collier, das in seiner Art das größte und prächtigste je realisierte Stück war. Das fertige Collier (mit u. a. total 2930 Diamanten und 2 Rubinen) bedeckte die Hälfte des Körpers und war für das Volk auch noch sichtbar, wenn der Maharadscha auf dem Elefanten vorbei ritt. 1998 tauchte es, nachdem es vor Jahrzehnten auf mysteriöse Weise verschwunden war, in erbärmlichen Zustand in London wieder auf. Der gelbe Diamant fehlte und auch die Rubine. In der Prager-Ausstellung ist zwar das restaurierte Collier zu sehen, der gelbe Diamant ist jedoch durch einen Citrin ersetzt, und die Rubine sind synthetisch. Irgendwann wird auch dieses Märchenjuwel wieder in seinem alten Glanz erstrahlen. (Sara Allerstorfer/DER STANDARD/rondo/13/08/2010)

  • Maria Félix, erfand Krokodilschmuck und definierte, was eine Diva zu sein hat.
    fotos: cartier

    Maria Félix, erfand Krokodilschmuck und definierte, was eine Diva zu sein hat.

  • Cartier "The Power of Style" ist bis 17. Oktober im Prager Schloss zu sehen. Mehr Infos unter cartierexhibition.com
    fotos: cartier

    Cartier "The Power of Style" ist bis 17. Oktober im Prager Schloss zu sehen. Mehr Infos unter cartierexhibition.com

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