Amanda am Arm

12. August 2010, 16:58
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Wie das Tier windet sich die schmucke Nachahmung trefflich ums Handgelenk.

"The Protector" nannten Angelina Jolie und Brad Pitt jene Schmuckkollektion, die sie für das britische Traditionshaus Asprey letzten November entworfen haben. Der "Schutzengel" war in diesem Fall eine Schlange, die sich u. a. als Diamantring um den Finger wand oder sich auf Goldarmreifen schlängelte. Was den einen Beschützer und Talisman, ist den anderen Angst und Schrecken. Die Schlange polarisiert. Als Schmuckstück erst recht.

Es sind die Mythen und Legenden, die sich um dieses Tier ranken, die es zu einer beliebten Inspirationsquelle für Schmuck werden ließ. Und weil man sie mit List und Mythischem konnotiert und ihr dynamisches Äußeres visuell reizvoll findet, wird sie im Schmuck und in der Mode oft dafür verwendet, das Bild einer bemerkenswerten Schönheit heraufzubeschwören, die in ihrer Aussage zeitlos ist, aber alarmierend zeitgemäß in ihrer Wildheit. Unauslöschlich ist ihr Bild auch mit der sagenumwobenen Schlange Lilith, die als erste Frau Adams mythologisiert wird, verknüpft.

Femme Fatale

Lilith wurde aus dem Garten Eden vertrieben, weil sie sich Adam nicht unterwerfen wollte. In vielen theologischen und künstlerischen Werken nimmt Lilith die Form einer Schlange an, die Eva, ihre Nachfolgerin, aus Rache verführt den Apfel zu essen. Als ihre Schlangeninkarnation wird Lilith nachgesagt, dass sie bei ihren Opfern die Scham vor der Nacktheit wachruft, was Eva dazu brachte, sich anzukleiden und die Funktion von Schmuck schätzen zu lernen. Lilith war gewissermaßen die archetypische Femme Fatale und die erste unabhängig denkende Frau. Die besten Voraussetzungen, um in Schmuckform verewigt zu werden, der genau diese Qualitäten an einer Frau unterstreichen will.

Der Faszination Schlange sind die grossen Schmuckhäuser schon seit langem auf der Spur. Der französische Juwelier Boucheron bezeichnet die Schlange als bevorzugte Muse des Hauses seit seiner Gründung 1858. Sie ist emblematisch für das Haus, das seine ursprünglich aus den späten Sechzigern stammende Kollektion "Serpent" jetzt wieder lanciert - in stilisierter Ästhetik, mit einem Touch Vintage. Prunkstück der aktuellen Kollektion ist ein doppelköpfiger Schlangenarmreif, der das erste Mal 1968 auf den Markt kam.

Interpretation einer uralten Tradition

Auch der römische Juwelier Bulgari erinnert sich seiner Vergangenheit. So legte das Haus erst letztes Jahr wieder seine aus den frühen 70er-Jahren stammende "Serpenti"-Kollektion auf. Die Stilisierung der Schlangenform in dieser Schmucklinie folgt ganz der Tradition des Hauses, naturalistische Formen zu abstrahieren. Die Kollektion umfasst Ringe und Armbänder in Weiß- und Rotgold sowie Schmuckuhren, die bereits in den 40er-Jahren zu den Bestsellern zählten.

All die flexiblen, mehrfach gewundenen und stilisierten Schmuckstücke sind eine neumoderne Interpretation einer uralten Tradition. Schon bei den Griechen und Römern galt Schlangenschmuck als schick. Anstoß gab unter anderem die Verbreitung des ägyptischen Isis-Kultes im römischen Reich, woraufhin die Römerinnen anfingen mehrfach gewundene, goldene Schlangenarmreife zu tragen, deren Augen in Edelsteinen oder farbigem Glas funkelten. Diese Armreifen waren sowohl Ornament als auch Talisman. Die Ägypter glaubten, dass Schlangen, weil sie periodisch ihre Haut erneuern, ein Symbol von Fruchtbarkeit, Leben und Auferstehung, und Unsterblichkeit waren. Insbesondere Isis, die Göttin der Liebe oder auch Gottesmutter, wird eng mit dem Bild der Schlange in Verbindung gebracht. Die Legende sagt, dass Isis ihre Heilkräfte mithilfe einer Schlange erlangte. Die Kobra wiederum, galt in Ägypten als Symbol höchster göttlicher und königlicher Weisheit und Macht.

Faszination am Gefährlichen

Auch die Kostüm- und Sandalenfilme der 60er-Jahre bis in die Gegenwart bedienen sich dieser Legenden und ziehen ihren Heldinnen gleich pfundweise Schlangenschmuck über, um deren mystische und gefährliche, um nicht zu sagen verschlagene, Aura zu unterstreichen. Angelina Jolie durfte im Film "Alexander" nicht nur Schlangenschmuck tragen, sondern gleich auch mit lebendigen Exemplaren spielen. Da die Schlange bei den Christen aber auch mit dem Teufel assoziiert wurde, dem Versucher, der den Sündenfall provoziert hat, verschwand das Motiv während des Mittelalters fast gänzlich aus dem Schmuck. Erst Mitte des 19. Jahrhundert erlebte sie wieder ein Revival und wurde bevorzugt als flexible Kette um den Hals oder Arm getragen, oftmals besetzt mit Halbedelsteinen wie Türkisen. Ab 1890 war sie insbesondere bei Jugendstil Schmuckdesignern ein beliebtes Motiv, welche die Schlange oftmals mit Email-Dekoration als unheimliche Kreatur darstellten. Überhaupt war es im 19. Jahrhundert üblich, Weiblichkeit mit den eher unheimlichen Kreaturen der Tierwelt zu verbinden, um auf die Frau als Verführerin und Matriarchin anzuspielen. Typisch für Perioden, in denen sich ein soziopolitisches Vorwärtskommen der Frau abzeichnet.

Auf eine viel profanere Art und Weise verhalf Queen Victoria der Schlange Mitte bis ausgehendes 19. Jahrhundert zu Popularität im Schmuckdesign. Hübsch und jung wie sie war, galt Victoria auch in Sachen Mode als tonangebend. Als Symbol der ewigen Liebe schenkte ihr zur Verlobung ihr zukünftiger Bräutigam Albert einen Schlangenring, dessen Kopf mit Smaragden bestückt war. "Schlangenschmuck hat etwas Exotisches und wird insbesondere von extravaganten Frauen geliebt", sagt Régine Giroud, Antikschmuck-Expertin und Präsidentin des Verbandes Schweizerischer Antiquare und Restauratoren. Es sei die Faszination am Gefährlichen, was viele zu Schlangenschmuck greifen ließe, auch wenn man gegen echte Schlangen eine Abneigung hege. Starke Frauen wie die mexikanische Schauspielerin Maria Felix zelebrierten ihre Liebe zu Reptilienschmuck in ganz großem Stil. Sie ließ sich bei Cartier Preziosen herstellen, bei deren Anblick Medusa selbst vor Neid versteinert wäre. Man mag von Schlangenschmuck halten, was man will. Tatsache ist, wer ihn trägt, liegt nicht nur im Trend, sondern gibt ein recht grosses Stück seiner Persönlichkeit Preis. (Sara Allerstorfer/DER STANDARD/rondo/13/08/2010)

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    fotos: hersteller

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    fotos: hersteller

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    fotos: hersteller

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    fotos: hersteller

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