Motto am Fluss: Da sind wir stelz drauf

  • Auf Stelzen über dem Donaukanal.
    foto: gerhard wasserbauer

    Auf Stelzen über dem Donaukanal.

  • Das Motto-Restaurant bei der Schiffsstation der Linie Wien-Bratislava am
 Schwedenplatz.
    foto: gerhard wasserbauer

    Das Motto-Restaurant bei der Schiffsstation der Linie Wien-Bratislava am Schwedenplatz.

Sehr gut: Die Eröffnung des Jahres ist geschafft - Noch besser: Das Motto am Kanal erfüllt fast alle hohen Erwartungen

Im Restaurant des mächtigen Stelzenbaus spürt man die Spannung ganz buchstäblich, unter der das Szenevolk seit der Eröffnung des Motto am Fluss zu stehen scheint: Die langgezogene Struktur über der Bootsanlegestelle vibriert unter der Last der Gäste, die die zwei weitläufigen, von den BEHF-Architekten (Fabios, Kim kocht ...) ausgestatteten Lokale bestaunen wollen. Wann's es nur aushält!

Die Aufregung ist nachvollziehbar: Wenn Szenewirt Bernd Schlacher (Motto, Halle, Kunsthalle, Life-Ball-Catering ...) mitten in der Krise ein Projekt von derartiger Größe und Wow-Faktor auf den Kanal stemmt, dann wollen eben möglichst alle möglichst gleich wissen, ob sich das Warten gelohnt hat.

Oben gibt es ein Café mit weitläufiger Terrasse, in dem Burger, Salate und aufwändig gebaute Mehlspeisen serviert werden, einen Stock tiefer ist das Restaurant, in dem man klimatisiert und bei geschlossenen Fenstern speist. Der Boden ist schwarz-weiß gefliest, an die Wand schmiegt sich ein glanzlackierter Kirschholzverbau, auch die Tische und die mit Samt bespannten Bänke und Fauteuils sind daraus gezimmert. Zwar steckt das Personal nicht in italienischen Kellnerjacketts, dennoch ist das Bemühen offensichtlich, stilistisch an das Flair der venezianischen 1950er-Jahre anzuschließen, als sich Orte wie Harry's Bar oder das Bauer-Grünwald dergestalt in Schale warfen.

Milzschnittensuppe und Jakobsmuscheln

Für das Essen zeichnet Mario Bernatovic verantwortlich, der zuletzt in einigen der angesagtesten Küchen New Yorks gearbeitet hat. Im Restaurant fällt das auch preislich breit gefächerte Angebot auf, wo zwischen Milzschnittensuppe und Jakobsmuscheln auf Meeresspargel so ziemlich jeder auf Geschmack und Kosten kommen sollte. Die Muscheln beeindrucken durch meeresduftige Frische und eine fantastisch fruchtige Tomatensauce mit zartem Curryton. Sehr gut auch die samtig kühle Panna Cotta vom Fenchel mit Flusskrebsen und aniswürzigem Paradeisersorbet (im Bild), auch das Wurzelfleisch vom Saibling - ein denkbar brachialer Name für den zart pochierten Fisch mit Wurzeljulienne, Kren und Petersiliensauce - überzeugte. Bei den Fleischgängen besteht noch Aufholbedarf: Croustillant vom Kalbskopf gerät vergleichsweise derb, der Schmelz des Fleisches kann sich unter den fettig gebratenen Brotscheiben nicht durchsetzen. Hirschkalbrücken trägt an dem Mantel aus stark rauchigem Speck ebenso schwer wie an den Beilagen - Rollgerste, Wirsing und Rettich -, die man sich tiefwinterlicher kaum vorzustellen vermag. Nicht versäumen: die Desserts, speziell die Pfirsich-Bavaroise! (Severin Corti/Der Standard/rondo/16/07/2010)

 

Restaurant Motto am Fluss
Franz-Josefs-Kai Höhe Schwedenbrücke
1010 Wien
Tel.: 01/252 55-10
Küche tägl. 18-23.45 Uhr (ab Sept. auch 11.30-14.30)
VS EURO 4,50-15, HS EURO 8,90-24,90

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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